Wirtschaft

Heftige Proteste vor dem Schicksalstag

Aktualisiert am 20.02.2012 18 Kommentare

Heute Abend stellen die Euro-Finanzminister die Weichen zur Rettung Griechenlands. Auch Ministerpräsident Papademos ist nach Brüssel gereist. Derweil kam es in Athen zu Demonstrationen gegen den Sparkurs.

3000 Menschen gingen in Athen auf die Strassen: Sicherheitskräfte in der Innenstadt.

3000 Menschen gingen in Athen auf die Strassen: Sicherheitskräfte in der Innenstadt.
Bild: Reuters

Bildstrecke

Krise in Griechenland spitzt sich zu

Krise in Griechenland spitzt sich zu
Die Gewerkschaften wehren sich gegen den Sparkurs der Regierung.

Artikel zum Thema

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Vor der Entscheidung der Euro-Finanzminister über ein 130-Milliarden-Euro-Hilfspaket haben rund 3000 Griechen am Sonntag in Athen gegen die Sparforderungen Europas demonstriert. «Armut und Hunger haben keine Nationalität», hiess es auf einem Transparent bei der Kundgebung vor dem Parlament. EU-Justizkommissarin Viviane Reding sagte, EU-Mittel dürften nicht in einem «Fass ohne Boden» verschwinden.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der wegen seiner deutlichen Worte gegenüber Athen kritisiert worden war, bescheinigte der griechischen Regierung, sie habe am Mittwoch «endlich eine Liste aller Massnahmen mit genauem Zeitplan übermittelt». Schäuble machte gegenüber dem «Tagesspiegel» (Sonntagsausgabe) keine Zusage, dass das 130-Milliarden-Paket am Montag beim Treffen der Euro-Gruppe beschlossen wird. Er habe aber «den Eindruck, dass wir auf einem guten Weg sind», sagte Schäuble. Der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos reiste nach Brüssel, um an den Beratungen teilnehmen zu können.

Finanzlücke von 325 Millionen Euro

Die Vize-Kommissionspräsidentin Reding warnte ähnlich wie Schäuble davor, Gelder in ein «Fass ohne Boden» zu schütten. Sie sei aber «zuversichtlich», dass die Finanzminister der Eurozone das neue Rettungspaket beschliessen würden, sagte Reding dem Wiener «Kurier». Sie wünsche, dass sich die Griechen «auf den Neuaufbau ihres Staates konzentrieren und nicht Sündenböcke ausserhalb Griechenlands für ihre Misere verantwortlich machen», sagte Reding.

Mit Blick auf das Eurogruppen-Treffen in Brüssel sah sich die griechische Regierung zu weiteren Kürzungsbeschlüssen genötigt. Das Arbeitsministerium in Athen bestätigte, dass im Jahreshaushalt 2012 kurzfristig eine Finanzlücke von 325 Millionen Euro gestopft wurde. Dazu sollen Pensionszahlungen von mehr als 1300 Euro um zwölf Prozent reduziert werden. Zu den Kürzungen, die bei den Demonstranten vom Sonntag besonders grossen Ärger hervorriefen, zählt die Reduzierung des Mindestlohns von bislang 740 Euro um 22 Prozent.

Drei Viertel wollen in der EU bleiben

Ohne eine abschliessende Einigung kann das Rettungspaket nicht in Kraft treten, das einen Schuldenschnitt in Höhe von 100 Milliarden Euro und die Gewährung neuer Hilfen im Umfang von 130 Milliarden Euro vorsieht. Athen droht ohne weitere internationale Hilfszusagen die Pleite.

Drei Viertel aller Griechen sind nach einer Umfrage der Meinung, ihr Land solle weiter der Europäischen Union angehören und auch nicht die Gemeinschaftswährung aufgeben. Nur knapp 20 Prozent sprachen sich für die Rückkehr zur Drachme aus. (wid/AFP)

Erstellt: 20.02.2012, 08:43 Uhr

18

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

18 Kommentare

Bruno Waldvogel-Frei

20.02.2012, 00:08 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Das Schicksal ist längst besiegelt. Griechenland wird gegen den eigenen Willen "gerettet". Sprich: Die nächste Tranche wird an die Banken ausgezahlt, während die Bevölkerung weiter verarmt. Die Sache ist fürchterlich banal: Längst sind die Banken pleite, das Geld ist weg. Ein Default würde sofort gigantische Summen an CDS erfordern, was die meisten Institute umbringen würde. Goldman Sachs am Werk. Antworten


Gerhard Keller

20.02.2012, 06:53 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Diese ständigen "endgültigen Entscheidungen" und "Schicksalstage" sind Spiele fürs Volk. Die Sache ist längst entschieden und wir werden uns noch wundern, wie viel Anarchie in Europa auch in heutigen Zeiten noch möglich sein wird. Man kann den 99% Griechen nicht zumuten, dass sie für Banken, korrupte Beamte, marode Regierungsleute und abgesetzte Steuerflüchtlinge auch noch freiwillig verhungern Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.