Hummler & Co. bieten dem Ausland einen Milliarden-Deal an

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 20.03.2010

Drei Experten schlagen dem Ausland eine Strafsteuer auf unversteuerte Gelder vor. Kunden, die nicht spuren, sollen weggewiesen werden.

Gibt sich diplomatisch: Konrad Hummler.

Gibt sich diplomatisch: Konrad Hummler.
Bild: Keystone

Konrad Hummler, unbeschränkt haftender Teilhaber der Privatbank Wegelin, zieht die Alarmglocke: «Mit jeder CD fliesst weiteres Substrat ab.» Der Bankier sieht dem Schweizer Finanzplatz die Felle davon schwimmen. Zusammen mit Christoph Ammann, Verwaltungsratspräsident der Bank Sarasin, und Martin Janssen, Professor für Finanzmarktökonomie und Leiter der Ecofin-Gruppe, drängt er deshalb auf ein rasches Handeln.

Strategiepapier an den Bundesrat

Die Dreiergruppe hat ein Strategiepapier ausgearbeitet und den Bundesräten Doris Leuthard und Hans-Rudolf Merz zukommen lassen. Da die Verhandlungen mit dem Ausland noch anstehen, will Hummler das Papier aus taktischen Überlegungen nicht herausrücken. Dem «Tages-Anzeiger» liegt aber eine Kopie vor. Daraus geht hervor, dass die «nicht versteuerten Kapitalien von einigen Hundert Milliarden Franken» einer einmaligen Strafsteuer in der Grössenordnung von 15 Prozent unterstellt werden sollen. So dürfte dem Ausland eine Summe von «mehr als 10, aber weniger als 100 Milliarden Franken» zufliessen.

Bereits am Wochenende hat die «Sonntags-Zeitung» über die Sache berichtet und Hummler mit dem Satz geärgert: «Nun scheint auch Hummler eingeknickt zu sein.» Das weist der St. Galler Bankier als fiese Unterstellung zurück. «Der Vorwurf, dass der Hummler eingeknickt sei, ist völlig haltlos.»

Das Trio Ammann/Hummler/Janssen hat erkannt, dass es nicht genügt, Wörter wie Abgeltungssteuer in die Luft zu malen. Hummler sagt deshalb: «Wir müssen die Katze aus dem Sack herauslassen, um klarzustellen, was wir mit der Abgeltungssteuer konkret meinen.»

Die Schlaumeier reden Klartext

Damit reagiert er einerseits auf Kritiker wie Rudolf Strahm. Der ehemalige Preisüberwacher und TA-Kolumnist hat die Idee der Abgeltungssteuer als «Schlaumeierlösung nach der Erfindungsgabe der Privatbankiers» (TA vom 9. Februar) abqualifiziert. Andererseits scheint der Druck des Auslands die Schmerzgrenze der Schweizer Bankiers erreicht zu haben. Hummler sagt: «Wir wollen jeden weiteren Erosionsprozess verhindern.»

Der Strategievorschlag steht auf vier Pfeilern:

  • Die Privatsphäre der Kunden und die damit verbundene Rechtssicherheit muss gewahrt bleiben.

  • Mit den EU- und anderen wichtigen OECD-Ländern soll ein langfristig stabiles Einvernehmen angestrebt werden.

  • Für Neukunden aus diesen Staaten gilt eine Weissgeldstrategie.

  • Nicht versteuerte Kapitalien bestehender Kundenbeziehungen sollen legalisiert werden.

Die bereits skizzierte einmalige Strafsteuer auf unversteuerten Vermögen soll die Vergangenheit regeln. Als Gegenleistung verlangt das Papier vom Ausland den Verzicht, gestohlene Daten zu verwerten. Zudem sollen die Bankkunden ihre Vermögen straf- und steuerfrei aufdecken können. «Kunden, die sich der Strafsteuer nicht unterziehen wollen, müssen den Schweizer Finanzplatz verlassen», sagt Hummler.

Für die Zukunft sieht das Papier eine Abgeltungssteuer vor, die «maximal um 5 Milliarden Franken pro Jahr» abschöpfen dürfte. Zudem sollen die Banken dafür sorgen, «dass neue Gelder steuerlich korrekt behandelt werden».

Die Autoren drängen. Sie fordern, «dem Ausland diese Strategie unverzüglich zu erläutern» und die Strafsteuern «bis spätestens Ende 2011» abzuliefern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2010, 09:47 Uhr

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