In der Dollar-Falle

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 25.05.2009 10 Kommentare

Die US-Währung erleidet einen neuen Schwächeanfall. Dennoch kaufen die Chinesen weiterhin US-Staatsanleihen in Rekordmengen. Wieso?

Steigen die Börsenkurse nachhaltig oder ist der Aufschwung bloss ein Strohfeuer? Diese Frage hat die Finanzgemeinde in den letzten Wochen stark beschäftigt. Vielleicht ist es die falsche Frage. Vielleicht lautete die derzeit viel wichtigere Frage für die Zukunft der Weltwirtschaft: Weshalb steigen die Zinsen für die lang laufenden US-Staatsanleihen? Und weshalb wird gleichzeitig der Dollar wieder schwächer?

Die Verantwortlichen der chinesischen Notenbank und Regierung macht gerade diese Frage grosse Sorgen. Richard Fisher, Präsident der US-Notenbankfiliale in Dallas, ist soeben von einer ausgedehnten China-Reise zurückgekehrt. Im «Wallstreet Journal» erzählt er, dass Immobiliencrash und Subprime-Krise in Peking keinen Hund interessieren. «Hingegen wurde ich immer und immer wieder gefragt, ob wir unsere Schulden mit der Notenpresse lösen wollen.»

Wahnsinnig viel Geld

Die Sorge ist berechtigt. Die US-Regierung will die Wirtschaft mit einem ehrgeizigen Konjunkturprogramm wieder in Schwung bringen und muss gleichzeitig das Finanzsystem über Wasser halten. Das alles kostet wahnsinnig viel Geld. Das Defizit in der Staatskasse wird sich 2009 auf gegen 13 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) belaufen und auch für 2010 wird noch ein Fehlbetrag von 8,5 Prozent erwartet. Zum Vergleich: In Euroland darf die Neuverschuldung eines Mitgliedslandes jährlich die Grenze von 3 Prozent des BIP nicht übersteigen. (Zumindest theoretisch.)

Für diese Schulden suchen die Amerikaner Investoren. Allein dieses Jahr kommen Staatsanleihen im Wert von 2500 Milliarden Dollar auf den Markt. Ob sie auch Käufer finden, ist derzeit nicht so sicher. Um Investoren anzulocken, steigen deshalb die Zinsen. Seit Mitte März hat die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen um rund einem Drittel zugelegt. Gleichzeitig leidet der Ruf der USA als «sicherer Hafen». Bereits macht das Gerücht die Runde, die Ratingagentur Standard & Poor's wolle ihr die höchste Bonitätsnote für Schuldner, das AAA, entziehen.

2000 Milliarden Dollar

Der wichtigste Käufer von US-Staatsschulden ist China. Auch im März hat Peking wieder für beinahe 24 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen aufgekauft. Insgesamt sitzt die chinesische Notenbank auf einem 770-Milliarden-Dollar-Berg von US-Staatspapieren. Dazu kommen Schuldscheine der halbstaatlichen Hypo-Institute Fannie Mae und Freddie Mac. Insgesamt sollen die Chinesen gemäss Schätzungen von Experten gegen 80 Prozent ihrer Devisenreserven von rund 2000 Milliarden Dollar in der US-Währung angelegt haben.

Dies ist erstaunlich, denn gerade China profiliert sich immer stärker als Mahner gegen die hemmungslose Verschuldung der USA. Notenbankchef Zhou Xiochuan und Premierminister Wen Jiabao haben vor einem Kollaps des Dollars und einer möglichen, weltweiten Hyper-Inflation gewarnt. Notenbankchef Zhou machte sich gar öffentlich für eine Alternative zum Dollar stark, die Sonderziehungsrechte des IWF. Aber warum kaufen die Chinesen überhaupt noch weitere US-Schulden?

Umschichten im grossen Stil

Weil sie gar nicht anders können. «Die chinesischen Reserven sind inzwischen so gross, dass die Märkte aus dem Gleichgewicht geraten würden, wenn Peking im grosse Stil umschichten würde», sagt ein Experte, der seinen Namen nicht genannt haben will, in der «Financial Times». Tatsächlich würde China mit einem Verkauf von Dollars im grossen Stil einen noch stärkeren Kollaps herbeiführen und damit sein eigenes Vermögen vernichten.

Wenn China nicht kauft und auch andere Investoren den US-Staatsanleihen die kalte Schulter zeigen, dann bleibt der US-Notenbank gar nichts anderes übrig, als selbst als Käufer aufzutreten. Mit anderen Worten: Sie löst das Schuldenproblem mit der Notenpresse. Auch das kann sich verheerend auf die Psychologie der Investoren auswirken: Wenn Staaten ihre Schulden mit der Notenpresse lösen, dann ist eine Hyperinflation meist nicht mehr weit.

Angst vor der Notenpresse

So gesehen ist die Angst der Chinesen vor der US-Notenpresse genauso verständlich wie ihr nach wie vor ungebremster Appetit auf US-Staatsanleihen. Nur so können sie einen dramatischen Zerfall des Dollars verhindern. Ein Kollaps des Dollars ist für Peking gleich bedeutend wie die Vernichtung des Ersparten. Deshalb sitzen die Chinesen in der Dollar-Falle. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.05.2009, 14:35 Uhr

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10 Kommentare

däni borer

25.05.2009, 14:03 Uhr
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@Arthur Vogler. Sagen Sie mir bitte, mit was Sie die Schuldzinsen bei einer Hyperinflation bezahlen wollen. Viele Immobilienschuldner werden diese verlieren (ausser die Hyp. ist abbezahlt). Der Immob.markt wird krachen. Uebrigens 1933 konnte man für 3 0z. Gold in Berlin einen ganzen Häuserblock kaufen. Und Gold kann man nicht x-beliebig herstellen wie Geld. EM hat man od . man hätte es gern gehabt Antworten


Arthur Vogler

25.05.2009, 15:40 Uhr
Melden

@däni Borer. Weil der Zins die Entschädigung für den sofortigen Konsum ist, resp. das Geld seinen Wert verliert entsteht Inflation. Die Arbeit/Lohn hingegen hat einen inneren Wert, der sich immer an die Inflation anpasst; vielleicht verzögert aber bestimmt. Die Schuld hingegen bleibt in Geld ausgedrückt und löst sich auf. Übrigens, übermässig verschuldete sind selber schuld; das sind Spekulanten! Antworten



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