Wirtschaft

Industriekapitän will den Euro zum Fixpreis

Aktualisiert am 17.07.2011 47 Kommentare

Die Schweizerische Nationalbank soll unter der Frankenstärke leidenden Exporteuren den Euro zu 1,45 Franken umtauschen, fordert Jürg Brand, VR-Präsident der VonRoll infratec. Auch die Politik meldet sich zu Wort.

«Es geht um den Werkplatz Schweiz»: Jürg Brand, Verwaltungsratspräsident der Zuger Firma VonRoll infratec.

«Es geht um den Werkplatz Schweiz»: Jürg Brand, Verwaltungsratspräsident der Zuger Firma VonRoll infratec.

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In der vergangene Woche fiel der schwächelnde Euro zeitweise unter die Marke von 1,15 Franken. Ein Vorzugskurs als zeitlich begrenzte Massnahme für den Export würde laut Jürg Brand, Verwaltungsratspräsident der 800 Mitarbeiter zählenden Zuger Firma VonRoll infratec, wieder Luft geben.

VonRoll infratec, aus dem Giesserei- und Wassergeschäft des Von-Roll-Konzerns entstanden, ist direkt und indirekt zu 90 Prozent vom Export abhängig und hat laut Brand durch den Kurszerfall der Einheitswährung 15 Prozent an Umsatz verloren, wie Brand der Zeitung «Zentralschweiz am Sonntag» sagte.

Schreiben an Steuerämter

Es gehe um die Substanz des Werkplatzes Schweiz, warnt der Konzernlenker. Deswegen will Brand auch bei den Steuern ein Zeichen setzen: «Wenn wir 15 Prozent weniger einnehmen, dann können wir halt auch nur 15 Prozent weniger abliefern.»

«Konkret heisst das, dass wir beispielsweise eine Abgaberechnung in der Höhe von einer Million Franken nur im Umfang von 800'000 Franken bezahlen», sagte Brand. Dies sei keine Steuerverweigerung, sondern «zeitgerechte Berücksichtigung» einer fundamentalen Krise.

VonRoll infratec bereite Schreiben an die Amtsstellen jener Kantone vor, in denen die Gruppe Steuern bezahlen muss. Es sei ihm aber bewusst, dass dieses Vorgehen juristisch nicht durchsetzbar sei. Daher sei das Vorhaben ein Ersuchen um politische Unterstützung, sagte Brand.

Hilferuf an Politik

Brand versteht seine ungewöhnliche Forderung als Weck- und Hilferuf an die Politik. Die Verantwortlichen, namentlich Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP), reagierten auf die Dramatik der Euro- und Dollarkrise nicht entschieden genug.

Kritik an Wirtschaftsminister äusserte auch der Parteipräsident der CVP, Christophe Darbellay. Schneider-Ammann habe das Problem wohl erkannt, aber er bringe keine Lösungsvorschläge, sagte der CVP- Chef gegenüber der «Südostschweiz am Sonntag»: «Jetzt geht er in die Ferien. Das ist falsch, denn wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren.»

Darbelley will deswegen eine Sondersession zur Franken- und Europroblematik. Dafür müsse der Bundesrat Vorgehensweisen ins Gespräch bringen, über die das Parlament nach der Sommerpause beraten könne. Auch die SNB (SNBN 1089 2.06%) müsse in den «Masterplan» einbezogen werden.

«Schweiz nicht schuld»

Eine Absage erteilte der CVP-Chef aber der Forderung der SP, den Franken an den Euro anzubinden sowie den UBS-Vorschlag eines 100- Milliarden-Staatsfonds. Die Schweiz brauche weiter gesunde Staatsfinanzen.

Gegen Staatshilfen ist auch SVP-Präsident Toni Brunner, der in der «Samstagsrundschau» auf Schweizer Radio DRS eine Steigerung der Produktivität als Mittel gegen die Folgen der Frankenstärke nannte. Dies bedeute, dass Arbeitszeiten verlängert werden müssten. Für Brunner ist dies eine ähnliche Massnahme wie die Kurzarbeit, zu der in der jüngsten Rezession zahlreiche Firmen gegriffen hatten.

Es sei eine Illusion, dass die Schweiz den Euro stützen und den Franken schwächer machen könne, sagte Brunner. Zudem müsse die Schweiz ausbaden, was Europa mit der Schuldenkrise eingebrockt habe: Die Schweiz treffe keine Schuld am starken Franken. (pbe/sda)

Erstellt: 17.07.2011, 18:44 Uhr

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47 Kommentare

Marc Peer

17.07.2011, 21:15 Uhr
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Man hat gesehen, wohin diese ganze Subventioniererei der Wirtschaft und der Banken schliesslich führt: USA, EU, alle Staaten Pleite. Gleichzeitig bezahlen sich die Kader der subventionierten Firmen bis heute Boni in Millionen- oder gar Milliardenhöhe. Politikern, welche solche Geldverschwendung unterstützen, gehört der Zutritt in unsere Parlamente und Regierungen verwehrt. Antworten


Roland Berger

17.07.2011, 19:30 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Toni Brunner will also als Preis dafür, dass wir nicht in der Euro-Zone sind, verlängerte Arbeitszeiten. Da soll mir noch einer erzählen, die SVP vertrete die Interessen des einfachen Manns (oder der einfachen Frau) auf der Strasse.
Die Nationalbank würde gescheiter einfach Geld drucken und damit Bund, Kantone und Gemeinden entschulden.
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