Das gabs noch nie: Junge Schweizer Firmen sind Spitze in Europa
Von Angela Barandun. Aktualisiert am 20.04.2009 15 Kommentare
Wie muss man sich New York in 250 Jahren vorstellen? Fragen, auf welche die Entwickler von Procedural mit ihrer Software eine Antwort finden können. Sie haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Gebäude oder Städte mit dem Computer zehnmal schneller dreidimensional entwerfen lassen, als es bisher möglich war. (Bild: Procedural)
Die Gewinner in der Übersicht.
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Auf der prestigeträchtigen Gewinnerliste des amerikanischen Magazins «Red Herring», das jedes Jahr die 100 vielversprechendsten europäischen Jungunternehmen auszeichnet, finden sich 14 Schweizer Firmen (4 ausgewählte Gewinner im Porträt Kontext). Das sind mehr als es aus Ländern wie Deutschland, Israel, Schweden oder Frankreich auf die Liste geschafft haben (siehe Grafik links).
2008 ergatterten 9 Firmen die begehrte Auszeichnung, in den Jahren davor waren es jeweils um die 6. Die Steigerung ist kein Zufall, sondern deckt sich mit den Beobachtungen in der Schweiz: Die Schweizer Unternehmerszene hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Die ETH Zürich verzeichnete 2008 insgesamt 23 Spinoffs mehr als in jedem anderen Jahr. Ähnlich ist die Situation an der EPFL in Lausanne und an anderen Hochschulen.
Der Innovationsfähigkeit der Schweiz haben diese Jungunternehmen einen wahren Schub verliehen. Das attestiert ihr auch die EU: In ihrem jährlich erhobenen Innovationsanzeiger landete die Schweiz 2008 zum ersten Mal auf Platz eins und liess Länder wie Schweden oder Finnland klar hinter sich. Die Schweiz habe ihr Innovationsvermögen im letzten Jahr deutlich gesteigert, schreiben die Autoren der Studie.
Jungunternehmer besser betreuen
Der Boom hat verschiedene Ursachen. In den letzten Jahren sind in der Schweiz zahlreiche Angebote entstanden, welche Jungunternehmer bei der Gründung eines Unternehmens unterstützen. Im Auftrag der Förderagentur für Innovation (KTI) des Bundes bietet Venturelab Kurse an für Studierende und junge Start-ups, in denen die Grundlagen der Unternehmensgründung vermittelt werden. Mit CTI-Start-up hat KTI auch ein Programm, bei dem jedes Start-up einen eigenen Coach erhält, der die Jungfirma auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt, kritische Fragen stellt und Kontakte vermittelt. Ähnliche Angebote haben die Universitäten zum Teil selbst.
«Vor 10 Jahren standen die Jungunternehmer noch ziemlich alleine da. Heute können sie auf breite Unterstützung zählen», sagt Beat Schillig, der Venturelab leitet. Die meisten erfolgreichen Start-ups haben Trainings durchlaufen. Auch der Zugang zu Geld ist in den letzten Jahren einfacher geworden. Es gibt zahlreiche Preise und Stiftungen, die Jungunternehmer finanziell bei ihren ersten Schritten unterstützen.
Kommt hinzu, dass sich das Image von Start-ups nach dem Platzen der Internetblase in den letzten Jahren wieder erholt hat. Geholfen hat dabei wohl auch die gute Konjunktur der letzten Jahre. «Das Thema war auf einen Schlag wieder attraktiv», sagt Martin Bopp, der für die Start-up-Förderung bei der KTI zuständig ist.
Unklar ist, wie sich die Finanzkrise auf den Gründerboom auswirken wird. Bislang sind die Folgen noch nicht spürbar. Die ETH hat dieses Jahr bereits sechs Spinoffs auf die Reise geschickt. Und weder KTI noch Venturelab beklagen einen Rückgang bei der Nachfrage nach ihren Diensten. Schillig schliesst einen Einbruch mittelfristig eher aus: «Die Finanzierungsangebote und der ganze Unterstützungsapparat bleiben ja bestehen.»
Trotz Krise kann gestartet werden
Tatsächlich scheint die Krise auf die Startfinanzierung der Jungunternehmen keinen Einfluss zu haben. Schilligs eigenes Projekt, Venturekick, das Jungfirmen unentgeltlich mit bis zu 130'000 Franken unterstützt, will im laufenden Jahr über zwei Millionen Franken investieren. «Und auch andere wichtige Akteure wie etwa die Zürcher Kantonalbank oder die Volkswirtschaftsstiftung reduzieren ihr Engagement in diesem Bereich nicht aufgrund der Finanzkrise», ist Schillig überzeugt.
Kritischer könnte es für jene Firmen werden, die just in der Krise die erste grosse Finanzierungsrunde anstreben. «Hier müssen die Jungfirmen mit mehr Schwierigkeiten rechnen», sagt Bopp. Er kennt den Fall einer Firma, deren Finanzierung aufgrund der Finanzkrise im letzten Moment geplatzt ist. Sie hat den Rückschlag nicht überlebt. Trotzdem relativiert Bopp: «Das ist kein schweizerisches, sondern ein weltweites Problem. Gute Projekte haben auch jetzt noch eine Chance.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.04.2009, 08:48 Uhr
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15 Kommentare
@ Schweizer und Kunz: Start-ups werden von sog. Venture Capital Firmen finanziert, kaum je von Banken. Sie sind meist als Aktionäre am Unternehmen beteiligt, tragen volles unternehmerisches Risiko und verlieren regelmässig ihr Geld! Start-ups und damit Innovation sind für den Standort Schweiz lebenswichtig, sie schaffen Realwirtschaft! Das hat mit "Wall Street Beraubung" rein gar nichts zu tun! Antworten
@alle die hier wieder 1x ahnungslos stänkern: venturelab (damals ifj) von schillig, vom rav angebotener kurs, der motivierten jungunternehmern - u.a. auch mir - echte hilfe beim aufbau der selbständigkeit lieferte. der langjährige und unermüdliche einsatz von ihm und seinen leuten trägt nun früchte ... wie die zahlen dieses artikels bestätigen. deshalb: herzlichen dank aus santiago de chile, beat! Antworten
Erfreuliche Meldung, ein immer noch gesundes Standbein neben den heute kränkelnden Banken. Der Bericht zeigt das auch heute noch mit Arbeiten, in welcher Form auch immer, attraktive Arbeitsplätze, Verdienst und Wohlstand erhalten ja sogar neu geschaffen werden kann. Antworten
Es hängt davon ab, wielange der Firmengründer selbständig war.War er weniger als 6 Jahre selbständig u. muss Konkurs anmelden,ist er u.U. doch noch stempelberechtigt.Wenn er aber mehr als 6 Jahre selbständig war,dann sieht es nach dem Konkurs für die Stempelberechtigung schlecht aus.Hingegen kann der Unternehmer für den Fall eines Konkurses für sich Arbeitslosengeld einbezahlen.Beim RAV erkundigen Antworten
@ R K: Da stehst Du nicht allein. Ausladschweizern werden die ein ganzes Arbeitsleben lang errackerten Renten nicht nur generell, sonden kaesseliwlkuerlich sogar individuell geklaut. Eine grosse "Volks"partei fordert jetzt gar frechoffen die Anpassung an niedrigere Preisnivos (an hoehere nicht!), Nicht etwa nur gegen Auslaender, die mit der Arbeitsbewilligung auch das IV-Anmeldeformular abholen! Antworten
Noch besser wäre es, ein gerechtes Sozialwesen zu schaffen, wo ALLE ohne Erwerbseinkommen eine Existenzminimum-Rente erhalten würden und nicht erst Sozialhilfe, wenn die Ersparnisse aufgebraucht sind. Wer in der CH als Selbständigerwerbender aufgeben muss, erhält weder Arbeitslosengelder noch Vermittlung durch die RAV, was viele Unternehmer-Typen abschreckt. Risiko führt oft zum lebenslangen Ruin! Antworten
14 Unternehmen aus der CH nur 13 Unternehmen aus D -obwohl D rund 10x mehr Einwohner hat. Das zeigt doch die guten Rahmenbedingungen in unserem Land. Lassen wir das Steuerhinterziehergeheimnis sausen, wir haben auch ohne Hehlergeschäfte gute Perspektiven. Und Herr Steinbrück sollte sich vielleicht mal überlegen, weshalb sein politisches System 10x weniger innovative Firmen hervorbringt als die CH. Antworten
Und wie, mit welchen Finanzen werden diese "Start-up" Jungunternehmen finanziert? Vielleicht wieder mit Pensionskassen Finanzen? Ich kann nur hoffen das die Schweizer Regierung von den "Wall Street Beraubungen" gelernt und eine Lehre bezogen hat. Ich glaube kaum! Business continues as usual! -- EIn Ausland Schweizer der seine Pension fuer "Finanzen Melker" verloren hat! Antworten
Sobald finanziert werden muss, hat die Bank den Profit und der "Unternehmer" nur noch das Risiko. Besser waere, das Lohnsklavereipekulium wieder von allen direkten Steuern zu befreien (indirekte hats immer noch mehr als genug drauf), damit Gesellen wieder Meister auch ueber die eigenen Finanzen werden koennen, statt vom Lohn- nur zum Banksklaven "aufsteigen" zu koennen. Antworten
Ich habe mir diese Schweizer Startups einmal angesehen. Einer davon fällt besonders auf: Semantic Systems. Wissen Sie weshalb? Weil er fatal an Think Tools erinnert, die Firma, die 1999 und 2000 Millionen mit einem ähnlichen Produkt in den Sand gesetzt hatte. Wenn man die Ausführungen von Semantic Systems liest, schellen doch alle Alarmglocken. Ob da redherring.com bloss keinen Irrtum beging? Antworten
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René Müller
Super. Die Anstrengungen von vielen Seiten wird belohnt. Armes Deutschland. Aber dort haben diejenigen die es Ermöglichen sollten damit zu tun, andere Staaten zu vermiesen und eigene Innovationen mit tausend Vorschriften zu verunmöglichen. Gruss an Steinbrück mit seinen neuen Steuern. Es werden noch mehr abwandern aus Deutschland. Wir nehmen die Innovativen Firmen gerne die in D keine Chance haben Antworten