Wirtschaft
Kabinett stellt sich hinter Papandreou – asiatische Börsen tauchen
Aktualisiert am 02.11.2011 26 Kommentare
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Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hält trotz Kritik aus dem Ausland und weltweiter Marktturbulenzen an seinem Plan fest, die Bevölkerung über das EU-Rettungspaket abstimmen zu lassen. In einer siebenstündigen Krisensitzung sprach das griechische Kabinett Papandreou seine Unterstützung für das Referendum aus, wie Regierungssprecher Ilias Mossialos am frühen Mittwochmorgen in Athen sagte. Die Volksabstimmung werde so bald wie möglich stattfinden.
Aus Regierungskreisen verlautete jedoch, zwei Minister hätten noch starke Vorbehalte gegen die Befragung. Das Referendum wäre das erste in Griechenland seit 1974, als die Monarchie abgeschafft wurde. Papandreou hat ausserdem eine Vertrauensabstimmung im Parlament angesetzt, die am Freitag stattfinden soll.
Papandreou ist gegen jeden Zwang
Papandreou sagte vor den Ministern, das Referendum sei die einzige Möglichkeit, um das europäische Rettungspaket abzusichern. «Wir werden kein Programm zwangsweise umsetzen, sondern nur mit dem Einverständnis der griechischen Bevölkerung», sagte er laut von seinem Büro veröffentlichtem Redetext. «Das ist unsere demokratische Tradition, und wir verlangen, dass sie auch im Ausland respektiert wird. Und ich glaube, dass sie respektiert werden wird.»
Das Referendum werde ein klares Mandat liefern «und eine klare Botschaft innerhalb und ausserhalb Griechenlands über unseren europäischen Kurs und unsere Teilnahme am Euro», sagte Papandreou weiter. Es werde dabei nicht um seine Regierung gehen. «Das Dilemma lautet:‹Ja oder Nein zu der Einigung (über den Rettungsplan)›, ‹Ja oder Nein zu Europa›, ‹Ja oder Nein zum Euro›», erklärte der Regierungschef. Er räumte ein, dass es vermutlich zu Marktturbulenzen kommen werde, diesen würden jedoch nur temporär sein.
Die Märkte hatten am Dienstag entsetzt auf Papandreous überraschende Ankündigung des Referendums vom Montag reagiert. Sollte die Entscheidung der Griechen «Nein» lauten, droht eine ungeordnete Insolvenz des Landes mit noch stärkeren Verlusten für die Gläubiger und einem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone.
Asiens Börsen eröffnen mit Verlusten
Im Sog der neu aufgeflammten Griechenland-Krise haben die asiatischen Aktienbörsen auch heute Verluste verbucht. Nach der Entscheidung der griechischen Regierung, das Volk per Referendum über das Rettungspaket abstimmen zu lassen, trennten sich Investoren von riskanteren Anlageformen, sagten Händler.
Die Lage sei schlimmer als beim Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers vor drei Jahren, sagte Xia Minjie, Chefökonom bei Funnex Asset Management in Tokio. «Lehman war ein Problem eines einzelnen Finanzinstituts. Jetzt sehen wir uns aber Fragen der Staatsverschuldung und Haushaltsproblemen gegenüber, die weit komplizierter zu lösen sind, da sie die Lösung nationaler Systeme wie des Steuersystems beinhalten. Und das ist hochpolitisch.»
Der 225 Werte umfassende japanische Nikkei-Index schloss um 2,2 Prozent tiefer auf 8640 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 2,1 Prozent auf 738 Punkte. Auch die Indizes in Taiwan und Südkorea gaben nach. Die Märkte in Hongkong und Shanghai notierten kaum verändert. Lediglich die Börse in Singapur verzeichnete Zuwächse.
Überdurchschnittlich verloren die Aktien von Automobilherstellern wie Nissan, Toyota und Honda. Die Papiere des Elektronikkonzerns Sony gaben vor Bekanntgabe der Quartalsergebnisse 3,55 Prozent nach.
Euro unter Druck
Wie die Aktienmärkte stand auch der Euro wegen der Schuldenkrise unter Druck. Im Devisenhandel notierte die europäische Gemeinschaftswährung nahe ihrem Dreiwochen-Tief zum Dollar. Ein Euro wurde mit 1.3736 Dollar bewertet nach 1.3695 im späten New Yorker Handel.
Analysten erklärten, die Ankündigung der griechischen Volksabstimmung könne zu einer länger anhaltenden Unsicherheit mit weiteren Abschlägen führen. Kurzfristig könnte der Euro aber etwas aus dem Blick geraten. Im Laufe des Tages sollte die US-Notenbank Fed die Ergebnisse ihrer zinspolitischen Sitzung bekannt geben. Mit Spannung wird erwartet, ob die Währungshüter weitere Signale zu einer geldpolitischen Lockerung geben. (miw/dapd)
Erstellt: 02.11.2011, 08:52 Uhr
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26 Kommentare
Irgendwie werde ich den Gedanken nicht lost, dass irgendwo ein riesiger Hund begraben sein muss. Weshalb sonnst würden die Börsen so panisch reagieren, bei einem, weltweit betrachtet, wirtschaftlich unbedeutenden Land. Wahrscheinlich sind viel zu viele CDS im Umlauf, welche ja alle fällig würden bei einer Pleite Griechenlands. Antworten
Gerade wir Schweizerinnen und Schweizer, die wir stolz sind, über jedes noch so kleine Problem abstimmen zu können, müssten doch froh sein, dass ein Volk über eine sehr wichtige Frage seiner Zukunft, der Verbleib beim Euro oder nicht, abstimmen darf. Es wird ja immer wieder kritisiert, die EU sei nicht demokratisch genug. Warum wird jetzt das urdemokratische Mittel eines Referendums kritisiert? Antworten
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