Wirtschaft
Knackt der Goldpreis die magische 1000-Dollar-Marke?
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 06.08.2009
Gold gilt als sicherer Hafen bei Wirtschaftskrisen: Goldbarren im Tresor der Schweizerischen Nationalbank. (Bild: Keystone)
Zum dritten Mal im laufenden Jahr bewegt sich der Preis der Unze Gold Richtung 1000 Dollar. Aktuell notiert die Unze um 962 Dollar. Höhere Werte hat das Edelmetall im laufenden Jahr bereits im Februar und Anfang Juni erreicht.
Die weiteren Aussichten für das Edelmetall beurteilen Fachleute unterschiedlich: Die Goldanalystin der Zürcher Kantonalbank, Susanne Toren, geht mittelfristig von einem weiteren Preisanstieg aus. In nächster Zeit wird der Goldpreis ihrer Meinung nach weiteren Schwankungen unterworfen bleiben, im Endergebnis aber stagnieren. Jan Amrit Poser, Chefökonom der Bank Sarasin, hält das Gold dagegen für zu hoch bewertet. Hat er recht, dürfte der Goldpreis wieder fallen.
Viele Einflussfaktoren, viele Zweifel
Eine Reihe von Faktoren werden für die Entwicklung des Goldpreises verantwortlich gemacht. Nicht alle sind allerdings unbestritten: Gold gilt als sicherer Hafen bei Wirtschaftskrisen, als Absicherung bei einer drohenden Dollarschwäche und als Rettungsanker bei Inflation. Dazu kommt die Nachfrage für industrielle Zwecke und für Schmuck. Letztlich spielt aber auch eine Rolle, wie viel Gold neu gefördert wird.
Die Rolle von Gold als sicherer Hafen hat historische Bedeutung. Schliesslich musste noch vor wenigen Jahrzehnten in den führenden Wirtschaftsnationen Geld durch Gold gedeckt sein. Gold und Geld war einst ein und dasselbe. Nicht wenige halten bis heute die Abschaffung des Goldstandards als Ursache aller Instabilität im Wirtschaftsgeschehen. Kein Wunder zeigt sich in Zeiten von akuten Krisen jedes Mal auch eine Flucht ins Gold.
Doch auch diese Regel kennt Ausnahmen. In den ausgesprochen starken Jahren der Weltwirtschaft ab 2005 bis Anfang 2008 ist der Goldpreis besonders stark von etwa 500 auf bis 975 Dollar pro Unze gestiegen. In den Krisenjahren zu Beginn des Jahrzehnts hat er sich allerdings nur unwesentlich bewegt. Seit der grössten Wirtschaftskrise der letzten sieben Jahrzehnte hat der Goldpreis dagegen keinen klaren Trend eingeschlagen und starke Schwankungen gezeigt. Im Sommer 2009, als die Krise ihrem Höhepunkt entgegen ging, ist er sogar dramatisch abgestürzt. Nur nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat er zwischenzeitlich zugelegt. Immerhin ist er seither und damit parallel zu der einbrechenden weltweiten Produktion wieder deutlich angestiegen. «Angesichts der wieder zunehmenden Produktion dürfte Gold künftig weniger gefragt sein», schliesst daher Sarasin-Chefökonom Poser.
Schutz vor Geldentwertung
Der wichtigste Grund für den mittelfristigen Anstieg des Goldpreises ist laut Susanne Toren die Angst vor einer Inflation, zu denen die massive Geldmenge führen kann, die die Zentralbanken ins Finanzsystem gespült haben. Die angeschlagenen Banken und die darniederliegende Wirtschaft geben bisher immerhin wenig Grund für Inflationsängste. Die Sorge gilt vorläufig noch immer mehr dem Gegenteil, einer Deflation. Tatsächlich zeigen die Preise weltweit zurzeit eine sinkende Tendenz. Doch wenn sich die Wirtschaft tatsächlich erholt und die Zentralbanken die Geldmenge nicht rasch genug wieder abschöpfen können, ist eine Inflation unvermeidlich. Das könnte dem Goldpreis weiteren Schub verleihen.
Doch selbst der Zusammenhang zwischen Gold und Inflation ist umstritten: Jan Amrit Poser von der Bank Sarasin bestreitet ihn rundweg. Würde er zutreffen, müssten wir angesichts des hohen Goldpreises schon jetzt eine dramatisch höhere Inflation sehen. Mehr Bedeutung hat seiner Ansicht nach die Nachfrage aus Asien und dem nahen Osten nach physischem Gold für Schmuck, als Statussymbol und als klassisches Wertaufbewahrungsmittel.
Weniger umstritten scheint immerhin der Link zwischen dem Gold und dem Dollarkurs zu sein. Da die Amerikaner keiner ausländischen Währung wirklich trauen und die eigene Geschichte der Golddeckung stark nachhallt, kaufen sie bei Ängsten um ihre Währung Gold. Noch umstrittener als die Entwicklung des Goldpreises ist allerdings jene der US-Währung. Auch hier streiten sich die Spezialisten und werden immer wieder von der tatsächlichen Entwicklung überrascht.
Kleinsparer setzen trotz allem auf Gold
Kleinsparer jedenfalls lassen sich durch all die unsicheren Zusammenhänge nicht vom Gold abbringen. Seit letztem Herbst findet ein wahrer Run auf Indexfonds (ETF) statt. Damit lässt sich an der Entwicklung des Goldpreises partizipieren, ohne dass man das Metall kaufen muss. Aber auch Goldmünzen, Goldvreneli und Goldbarren verschiedener Grösse werden rege nachgefragt. Bei der Zürcher Kantonalbank sei der Markt nach Münzen noch immer so gut wie ausgetrocknet, sagt ein Sprecher, das habe Probleme bei der Lieferung grösserer Stückzahlen zur Folge. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.08.2009, 17:13 Uhr



