Wirtschaft
«Könnte in einer unkontrollierten Kettenreaktion enden»
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 01.11.2011 91 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
- Papandreou lässt Volk über Hilfspaket abstimmen?
- Rettungsschirm will drei Milliarden Euro für Irland aufnehmen
- US-Broker MF Global meldet Insolvenz an
- Russland will Eurozone mit 7,1 Milliarden Euro stützen
- «Wir Europäer machen heute das, was die Schweiz vorgemacht hat»
- Inflationsrate in der Euro-Zone verharrt bei 3,0 Prozent
- Yen erreicht höchsten Stand der Nachkriegszeit
- Talfahrt setzt Pensionskassen zu
- US-Notenbank hält sich alle Türen für weitere Interventionen offen
- Bundesrat vertröstet auf die nächste Woche
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Herr Spillmann, Giorgos Papandreou plant ein Referendum über die Sparmassnahmen. In Europa reagiert man – gelinde gesagt – erstaunt. Warum?
Damit haben die europäischen Politiker nicht gerechnet. Sie wurden quasi auf dem falschen Fuss erwischt. Man hoffte, mit diesem jüngsten Euro-Hilfspaket die Situation zu beruhigen. Jetzt hat sich aber alles wieder geändert.
Aber es ist ja nur ein Referendum?
Es stellt sich nun natürlich die Frage, was die Konsequenzen des Ausgangs dieses Urnengangs sind. Spricht sich das griechische Volk gegen das Sparpaket – also Sparmassnahmen und dafür im Gegenzug weitere Milliardenhilfen – aus, dann müsste die Regierung das Hilfsprogramm aufkündigen. Im Gegenzug würden die Hilfsgelder eingestellt. Griechenland wäre dann bankrott.
Kriegen die Gläubiger dann gar nichts mehr? Bis jetzt rechnet man ja nur mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent.
Das wäre dann Verhandlungssache zwischen Griechenland und den Gläubigern. Bis jetzt hat man sich auf freiwilliger Basis auf einen Wert von 50 Prozent geeinigt. Bei einem Nein des griechischen Volkes wäre der Schuldenschnitt wohl grösser.
Darum jetzt diese Unruhe an den Märkten?
Was den Marktteilnehmern derzeit Bauchschmerzen bereitet, ist die Möglichkeit eines unkontrollierten Staatsbankrotts. In diesem Fall nämlich würden die sogenannten Kreditausfallversicherungen – oder auch CDS (Credit Default Swaps) – ausgelöst. Bis jetzt hat man keine Ahnung, wie das ablaufen würde. Wer mit wie viel bei wem abgesichert ist. Das Ganze könnte in einer unkontrollierten Kettenreaktion enden.
Betrifft das nur die Eurozone?
Nein. Auch amerikanische Institute wären betroffen. Das ist auch ein Grund, warum sich die Amerikaner jüngst mit Nachdruck in die Debatte eingeschaltet haben.
Warum macht Papandreou so etwas, wenn er doch damit rechnen muss, dass er grosse Nervosität auslöst?
Papandreou kämpft derzeit gegen eine Mehrheit der Volksmeinung und gegen die Opposition. Es gibt Demonstrationen, Streiks, Krawalle – und das alles wegen des Sparkurses. Papandreou glaubt wohl, er kann breite Unterstützung oder zumindest Legitimation für seine Politik nur noch mit einem Referendum erreichen.
Wie werten sie die Reaktionen in Deutschland?
Rainer Brüderle sprach diplomatisch von einer «merkwürdigen» Aktion Papandreous. Die Sache ist klar. Man wurde überrascht und muss nun zuerst nach einer angemessenen Reaktion suchen.
Muss man davon ausgehen, dass Papandreou nicht mit solch nervösen Reaktionen gerechnet hat?
Er machte das in vollem Bewusstsein.
Kann er das noch rückgängig machen?
Ich weiss nicht, ob sich das Pferd wieder einfangen lässt. Hinter den Kulissen wird man verhandeln. Deutsche, Franzosen und Griechen.
Was können die EU-Staaten nun noch mit Griechenland verhandeln?
Man wird auf die griechische Opposition einreden. Ihnen muss klar werden, dass es hierbei nicht nur um eine nationale Angelegenheit geht, sondern die ganze europäische Sache auf dem Spiel steht.
Welche Frage wird das Referendum denn aufgreifen?
Man wird vom Volk wissen wollen, ob es bereit ist, diese Sparmassnahmen zu tragen. Aber effektiv geht es um die Frage, ob man in der Eurozone bleiben will.
Würde ein Nein den Ausschluss bedeuten?
Das lässt sich jetzt noch nicht beantworten. Tatsache ist, dass es im Euro-Regelwerk keinen Mechanismus für einen Ausschluss aus der Eurozone gibt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.11.2011, 13:15 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
91 Kommentare
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 22:09Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 12:15Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 10:16UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Bitte warten

