Ländle ist in umstrittene Offshore-Geschäfte verwickelt

2009 beschloss die Liechtensteiner Regierung eine Weissgeldstrategie. Offshore-Leaks-Papiere zeigen nun: Zahlreiche Personen und Firmen aus dem Ländle stehen mit Geschäften in Steueroasen in Verbindung.

Das Land beschloss in der «Liechtensteiner Erklärung» eine Weissgeldstrategie: Eine Frau putzt im Regierungsgebäude in Vaduz die Fenster.

Das Land beschloss in der «Liechtensteiner Erklärung» eine Weissgeldstrategie: Eine Frau putzt im Regierungsgebäude in Vaduz die Fenster. Bild: Keystone

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Neue Auswertungen von Offshore-Leaks-Dokumenten zeigen: Auch die Liechtensteiner sind in den Akten vertreten. Laut der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» sind mindestens 120 Personen und Firmen mit Adressen im Ländle in möglicherweise fragwürdige Geschäftspraktiken mit Steueroasen verwickelt.

Das seien annähernd so viele wie in ganz Frankreich. Die am Sonntag veröffentlichten Dokumente, die auch der Nachrichtenagentur SDA vorliegen, belegten, dass Treuhänder aus Vaduz und Schaan Geschäfte mit Personen tätigen, die in grosse Betrugs- und Korruptionsskandale verwickelt sind.

«Die Daten zeigen, welch grosse Risiken einige Liechtensteiner Treuhänder mit ihrem Offshore-Geschäft eingegangen sind», berichten die beiden Zeitungen in ihrer aktuellen Ausgabe. Dies sei auch nach der von der Regierung in Vaduz im März 2009 beschlossenen Weissgeldstrategie, der «Liechtensteiner Erklärung», geschehen.

Die erwähnten Treuhandunternehmen wollten aufgrund des Treuhändergeheimnisses gegenüber den Zeitungen zu den Vorwürfen nicht Stellung beziehen. Sie sagten lediglich, dass die Meldevorschriften eingehalten worden seien.

Regierung: «Nicht illegal»

Hingegen äusserte sich der Liechtensteiner Regierungschef Adrian Hasler über die Strategie im Kampf gegen Geldwäscherei. «In der Offshore-Datenbank vorzukommen, ist nicht illegal», sagte er im Interview mit der «SonntagsZeitung». Zudem sei in Liechtenstein die aktive Missbrauchsbekämpfung sehr gut verankert.

«Wenn es Hinweise auf strafbare Handlungen gibt, gehen unsere Behörden diesen konsequent nach», versicherte Hasler. Die Geldwäschereibestimmungen in seinem Land seien sehr streng und beruhten auf internationalen Standards.

Gerüchte und Schätzungen über die Höhe unversteuerter Gelder mochte Hasler nicht kommentieren. Er hielt aber fest: «Die Umsetzung der Strategie der Rechts- und Steuerkonformität ist natürlich ein laufender Prozess. Wir gehen davon aus, dass die Umsetzung auch aufseiten der Wirtschaft aktiv betrieben wird und schon weit fortgeschritten ist.»

«Nehmen Hinweise sehr ernst»

Regierungssprecher Markus Amann ergänzte auf Anfrage der SDA, dass der von Liechtenstein eingeschlagene Weg der richtige sei. «Die Regierung setzt die Rahmenbedingungen für die Missbrauchsbekämpfung.»

Dennoch gebe es immer wieder Missbrauchsfälle. «Wir nehmen die Hinweise der Zeitungen sehr ernst», sagte Amann weiter. Die Details zu den Vorwürfen kenne die Regierung aber nicht. «Wir haben die Daten nicht vorliegend.»

Ermittlungen in mehreren Ländern

Die Steuerbehörden mehrerer Länder sowie ein Netzwerk von Journalisten analysieren derzeit zwei umfangreiche Datenbanken sowie Hunderttausende E-Mails der beiden Offshore-Dienstleister Portcullis Trustnet und Commonwelth Trust Limited. Diese gelangten in den vergangenen Monaten ans Internationale Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) in Washington. In der Schweiz werten die «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche» die 2,5 Millionen Dokumente aus.

Vergangene Woche hatten Journalisten anhand dieser Offshore-Leaks-Daten gezeigt, wie der Konzernchef der österreichischen Raiffeisen Bank, Herbert Stepic, Immobilien über Steueroasen kaufte. Stepic trat am Freitag zurück. (kpn/sda)

Erstellt: 26.05.2013, 14:28 Uhr

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