Wirtschaft

Mächtig wie kaum ein anderer privater Klub

Die Vorschläge der amerikanischen Regierung zur Regulierung der Banken sind nicht neu. Sie stammen von einer äusserst einflussreichen Expertengruppe. Mit dabei ist SNB-Chef Philipp Hildebrand.

1/11 Paul Volcker ist Vorsitzender «Group of Thirty». In den 80er Jahren war der 82-jährige Chef der US-Notenbank Federal Reserve und hat damals erfolgreich eine zweistellige Inflation bekämpft. Heute berät er die Obama-Administration. Hierzulande ist er bekannt für die Leitung der nach ihm benannten «Volcker-Kommission» zur Klärung nachrichtenloser Konten aus dem Zweiten Weltkrieg.
Bild: Keystone

   

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Mit seinen radikalen Vorschlägen zur Regulierung der Banken hat US-Präsident Barack Obama die Finanzindustrie weltweit in helle Aufregung versetzt und die Aktienkurse ins Trudeln gebracht. Vielerorts war von unrealistischen, unausgegorenen und auch populistischen Massnahmen die Rede, die der mittlerweile angeschlagene US-Präsident hier ergriffen habe. Erwähnung fand noch, dass die Ideen ursprünglich von Paul Volcker, dem mittlerweile 82-jährigen ehemaligen Zentralbankchef stammen.

In Tat und Wahrheit stammt die so genannte «Volcker-Rule» von einem relativen unbekanntem Gremium, das mächtig ist, wie kaum ein anderer privater Debattierklub: Der «Group of Thirty». Die Zusammensetzung dieses äusserst exklusiven Klubs böte Material für jede Menge Verschwörungstheorien. Hier sitzen 30 der einflussreichsten Notenbanker, Banker und Ökonomen der Welt zusammen (siehe Bildstrecke).

Stoff für Verschwörungstheorien

Als Vorsitzender der Gruppe der Dreissig amtet Paul Volcker. Doch geleitet wird die Gruppe von Jacob A. Frenkel, der einst die israelische Zentralbank geführt hat und Vizepräsident des Versicherungskonzerns AIG war. Heute ist er Verwaltungsratspräsident von JP Morgan Chase International, ein Zweig des Bankenriesen JP Morgan Chase.

Von den weltweit führenden Notenbankern finden sich im Gremium Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank EZB, und seine Kollegen von der chinesischen, israelischen, japanischen und der britischen Zentralbank und als einziger Schweizer auch Philipp Hildebrand, der seit diesem Jahr die Schweizerische Nationalbank leitet. Mitglied dieses exklusiven Gremiums war er allerdings schon zuvor.

Obmas Vorschläge sind bereits ein Jahr alt

Neben den Zentralbankern finden sich aber auch prominente Politiker, wie der einstige mexikanische Präsident Ernesto Zedillo. Dazu kommen einflussreiche Ökonomen wie der Nobelpreisträger Paul Krugman und andere führende Vertreter aus den USA: Dazu zählt Obamas Wirtschaftsberater Larry Summers, unter Clinton einst Finanzminister. Selbst der aktuelle Finanzminister Timothy Geithner war bis vor kurzem Mitglied der Gruppe.

Es fällt auf, dass sich in diesem Gremium gerade jene Leute wiederfinden, die in jüngster Zeit besonders durch die Bereitschaft aufgefallen sind, die Banker zu zähmen. Dazu zählt etwa Adair Turner, Chef der britischen Finanzaufsicht FSA. Doch auch der Leiter des Financial Stability Board (FSB), Mario Draghi ist Gruppenmitglied. Das FSB hat von den führenden Staatschefs der Welt den Auftrag, Vorschläge für die Bankenregulierung auszuarbeiten. In diesem Gremium spielt auch Philipp Hildebrand eine führende Rolle. Der Italiener Draghi war einst Manager von Goldman Sachs, leitet jetzt die «Banca d’Italia und gilt als aussichtsreicher Nachfolger für den Chefsessel der EZB.

Vergebliche Hoffnung?

Am meisten aufgeschreckt hat die Banken der Vorschlag Obamas, ihren Eigenhandel einzuschränken. Doch ein Report der «Group of Thirty» (siehe Link) hat das bereits vor einem Jahr gefordert. Die Finanzbranche hätte angesichts der dort versammelten Macht allen Grund gehabt, diese Zeilen schon früh ernst zu nehmen. Denn die Vorstösse im Bericht haben offenbar in der Gruppe grosse Unterstützung genossen. Das ist nicht selbstverständlich angesichts der engen Beziehungen einiger Mitglieder zur Finanzbranche. Die Gruppe feiert das Vorgehen Obamas offen als Erfolg der eigenen Bemühungen: Auf der Homepage des einflussreichen Gremiums findet sich seit gestern ein Video der Pressekonferenz von Barack Obama und der Report der Gruppe.

Vor dem Hintergrund dieses Gremiums erhalten auch die Bemühungen von Philipp Hildebrand von der SNB, (SNBN 1090 0.00%) die Risiken durch die Banken zu mindern, eine neue Bedeutung. In der Finanzbranche stossen sie auf Ablehnung. Viele hoffen, Hildebrand laufe damit ins Leere. Doch mit Blick auf den Einfluss der «Group of Thirty» könnte sich dies als vergebliche Hoffnung erweisen.

Das Selbstlob von Philipp Hildebrand

In einem anderen Licht erscheint angesichts dieses Hintergundes das Lob von Hildebrand für die Obama-Vorschläge in der Sonntagspresse. Genau genommen lobte er damit sich und seine Kollegen in der «Group of Thirty». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.01.2010, 09:18 Uhr

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14 Kommentare

Michael Schwarz

02.05.2011, 23:56 Uhr
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Das erinnert sich an den Studentenverbindungen in Unis. Es ist die Meinung der Zentralbankchefs so unabhängig wie sie die behaupten. Wie stark ist der Einfluss auf der Meinungsbildung der Zentralbankchefs? Sind die Zentralbankchefs nicht fähig selbstständig Entscheidungen zu treffen? Bietet solcher Club lediglich einen Diskussionsplattform, oder einen Plattform der eignen Karriere? Antworten


Michael Schwarz

02.05.2011, 23:56 Uhr
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Das erinnert sich an den Studentenverbindungen in Unis. Es ist die Meinung der Zentralbankchefs so unabhängig wie sie die behaupten. Wie stark ist der Einfluss auf der Meinungsbildung der Zentralbankchefs? Sind die Zentralbankchefs nicht fähig selbstständig Entscheidungen zu treffen? Bietet solcher Club lediglich einen Diskussionsplattform, oder einen Plattform der eignen Karriere? Antworten


ruth leemann

29.01.2010, 15:41 Uhr
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Vorschusslorbeeren verteilen für Bemühungen, was soll diese Bauchbinselei - dies hilft nur Obama sein Image-Verlust aufzupolieren - sonst gar nicht's. Antworten


Marc Dimanch

27.01.2010, 22:48 Uhr
Melden 2 Empfehlung

@Zimmermann: Ich verspreche Ihnen, Ihr Kapital jedes Jahr um 5% zu steigern. Sie müssen mir nur 20 Jahre lang 1000.- einzahlen. Das klingt doch gut-oder? (irgenwann machts bumm) Nach Ihrer Aussage ist es schade, dass nicht jeder solche Versprechungen machen darf, da ja das Bankenwesen überreguliert ist...Nein, die Banken habe als einzige die Lizenz "Girageld" zu schöpfen, soviel sie wollen-bumm? Antworten


Andreas Zimmermann

27.01.2010, 16:03 Uhr
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(1) Länder mit schlecht funktionierenden (überregulierten, verstaatlichten) Banken, haben tiefere Wachstumsraten und mehr Armut. (2) All jene, welche jetzt strengere Regulierungen fordern, sei daran erinnert, dass auch die neuen Basel II Regulierungen versagt haben (prozyklische Eigenkapitalanforderungen). Antworten


Chris Castelmur

27.01.2010, 11:57 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Die Bank ist das Krebsgeschwür der Wirtschaft und der Welt. Leider verstehen nur die wenigsten, wie das Prinzip funktioniert, und was das Endresultat sein wird. Nicht umsonst war das Zinsgeschäft in vielen Religionen ursprünglich als satanisch deklariert worden. Wir müssen nicht zurück zum Tauschgeschäft, es braucht das Geld, aber der Mensch muss darüber stehen und nicht Sklave des Kapitals sein. Antworten


Beni Jamar

27.01.2010, 11:37 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Das grösste Raubtier "Mensch" muss international überwacht werden! Mio-Kassierer sind Staatsfeinde Nr.1: Diese "Vorbilder" verursachen mit ihrem egoistischem Verhalten soziale Spannungen, Staatsverdrossenheit u. sorgen dafür, dass immer mehr Leute den Staat, der Ungerechtigkeit zulässt, ja sogar mit Privilegien für Reiche fördert, boykottieren, betrügen, Schaden zufügen, ja sogar terrorisieren!!! Antworten


Thomas Rettenmund

27.01.2010, 11:02 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Den Eigenhandel massivst einzuschränken, entspricht durchaus auch den Erkentnissen von Theorien von Samuelson, der mit seiner Aussage über die Effizienz Märkte " dass es keine Möglichkeit gibt, beständig bessere Ergebnisse zu erzielen als der Marktdurchschnitt " völlig richtig lag. Die Banken müssen auf ihre volkswirtschaftliche Funktion zurück gebunden werden. Da liegt die Group of Thirty richtig Antworten


Thomas Hanhart

27.01.2010, 10:49 Uhr
Melden 3 Empfehlung

@Zimmermann: Welches Verdikt ist vernichtend? Das der Banken? Interessiert mich das noch? Das Gemeinwohl wurde und wird durch diese Institutionen in krassester Weise in Gefahr gebracht. Wie Herr Hildebrand treffend formulierte: Die Kugel ging nah am Kopf vorbei. Da reicht es nicht mehr zu beteuern, Risiken besser bewerten zu wollen. Das glaubt Euch Niemand mehr! Ihr macht einfach weiter wie vorher Antworten


Stefan Meyer

27.01.2010, 10:44 Uhr
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Im Gegensatz zur UBS, Bundesrat und EBK/FINMA, hatte die SNB jeweils kühlen Kopf bewahrt, analysiert, Lösungen vorgebracht und GEHANDELT. Antworten


Mario Monaro

27.01.2010, 10:05 Uhr
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Vielleicht lobte Hildebrand aber auch den Mut eines Politikers sich der Problematik anzunehmen und dabei zu riskieren sich mit der mächtigen Bankenlobby anzulegen. In der Ökonomie kann man nichts erfinden, nur Zusammenhänge entdecken und Entscheidungsträger für Massnahmen gewinnen, die diesen Zusammenhängen Rechnung tragen - zum Wohl der Bürger. Antworten


Beat Keller

27.01.2010, 09:35 Uhr
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Demnächst müssen wir uns darüber klar werden, welchen Umwandlungssatz wir für die nächsten Jahre gerne hätten, und wie wir die AHV weiter sicher finanzieren. Ein Blick auf den SMI und andere Börsenwerte zeigt, dass nicht nur die Finanztitel, sondern auch solide Industriewerte unter Druck sind. Hr. Hildebrand muss auch darauf Antworten finden, sonst bleibt es Populismus mit mehr Schaden als Nutzen. Antworten


Thomas Ernst

27.01.2010, 09:15 Uhr
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Na immerhin scheint es noch Leute in der Schweiz zu geben, die was von ihrem Job verstehen und den wirklich nötigen Wandel anpacken. Umso besser, wenn diese auch international anerkannt und einbezogen werden. Antworten


Andreas Zimmermann

27.01.2010, 09:10 Uhr
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Das Verdikt bezüglich der Vorschläge der "Group of Dirty" der Aktienmärkten ist vernichtend. Warum? Die Aufspaltung der Banken reduziert deren Effizienz und damit werden Investitionen teurer zu finanzieren. Das Problem ist nicht die Grösse, diese erlaubt es besser zu diversifizieren, sondern dass die Risiken in den USA bewusst nicht richtig eingeschätzt wurden. Hier gilt es anzusetzen. Antworten



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