Wirtschaft

Märchen vom teuren Erdöl zu Ferienbeginn widerlegt

Der Erdölpreis macht seit einem Jahr Kapriolen. Doch nun kehrt Ruhe ein. Der Geschäftsführer der Erdölvereinigung macht eine für Autofahrer und Häuschenbesitzer interessante Prognose.

Der Geschäftsführer der Erdölvereinigung, Rolf Hartl, geht kurzfristig von billigerem Benzin und keinem neuen Preisschub beim Erdöl aus.

Der Geschäftsführer der Erdölvereinigung, Rolf Hartl, geht kurzfristig von billigerem Benzin und keinem neuen Preisschub beim Erdöl aus.

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Rolf Hartl freut sich: «Jetzt wird endlich das Märchen widerlegt, dass die Erdölpreise immer zu Ferienbeginn steigen.» Der Geschäftsführer der Erdölvereinigung geht davon aus, dass allein der Benzinpreis in nächster Zeit weiter sinken werde. In der letzten Woche hätte dieser um 10 bis 13 Rappen nachgegeben. Kleinere Ausschläge als beim Benzin haben sich laut Hartl beim Heizöl gezeigt, doch auch hier erwartet er Preisnachlässe - «wenn nichts Aussergewöhnliches mehr dazwischenkommt», fügt er vorsichtig an.

Seit dem letzten Jahr hat der Erdölpreis beachtliche Kapriolen vollführt. Im letzten Sommer lag er noch bei 150 Dollar pro Fass (wie üblich gemessen an der Sorte WTI), diesen Februar lag der Preis dann bei 34 Dollar. Bis Ende Juni hat er sich auf über 70 Dollar wieder mehr als verdoppelt, worauf er innert Wochenfrist erneut auf 60 Dollar zurückfiel. Seither hat sich der Ölpreis kaum vom Fleck bewegt. Heute hat er auf 61 Dollar zugelegt.

Konjunkturhoffnungen treiben den Preis

Hinter den starken Schwankungen steht die Erdölspekulation. Hinter dieser verbergen sich wiederum die Erwartungen zur künftigen Entwicklung der Weltwirtschaft. Auch diese haben in den letzten Monaten stark geschwankt. Der deutliche Anstieg der Erdölpreise bis Ende Juni entspricht daher nur dem gleichzeitig durch verschiedene Analysten genährten Optimismus, die Weltwirtschaftskrise könnte sich demnächst dem Ende zuneigen. Auch auf den Kapitalmärkten sind angesichts der jüngsten Daten zur Konjunktur wieder Zweifel aufgekommen. «Der Ölpreis hat schon immer Annahmen zur Konjunkturentwicklung widerspiegelt», bestätigt auch Rolf Hartl. Je stärker die Wirtschaft wächst, desto mehr steigt der Energieverbrauch. Gehen Händler schon heute von einer in Zukunft stärkeren Konjunktur und damit einem Mehrkonsum aus, kaufen sie schon heute das Öl, wodurch die Preise bereits ansteigen. Das ganze funktioniert auch umgekehrt.

Ölnachfrage im Jahresvergleich deutlich geringer

Zumindest von der aktuellen weltweiten Nachfrage her hätte der Ölpreis nicht steigen, sondern sogar fallen müssen: Gegenüber dem Vorjahr beobachtet der Geschäftsführer der Erdölvereinigung einen Minderkonsum von 2,5 Mio Fass pro Tag. Am deutlich gedrosselten Angebot der Erdölvereinigung OPEC – vor allem an dessen wichtigstem Mitglied Saudi Arabien – lag es, dass der Preis nicht noch stärker einbrach, als er es zu Jahresbeginn tat. Doch seither haben die Erdölförderer ihre Produktion nicht mehr deutlich zurückgefahren.

US-Energiesparpläne verbilligen Schweizer Benzin

Mehrere Faktoren sprechen laut Rolf Hartel dafür, dass der Erdölpreis in den nächsten Jahren tendenziell stabil bleibt oder höchstens flach ansteigen wird. Auf keinen Fall werde der Preis auf absehbare Zeit wieder Werte von 150 Dollar wie im letzten Jahr erreichen. Ein Grund ist die nur schwache Erholung der Weltwirtschaft, die selbst die optimistischen Konjunkturprognosen versprechen. Ein anderer liegt im Paradigmawechsel, den die US-Regierung unter Barack Obama vollzieht. Dort soll der Energieverbrauch auch durch politische Massnahmen deutlich gedrosselt werden. Berücksichtigt man, dass die Amerikaner pro Kopf bis 2,5-mal soviel Öl verbrauchen wie die Westeuropäer, zeigt sich das Sparpotenzial. Führt die Politik tatsächlich zu einem geringeren US-Ölkonsum, haben Obamas Energiesparpläne indirekt billigeres Benzin in der Schweiz und anderswo zur Folge – oder zumindest einen geringeren Preisanstieg. Denn dem tendenziellen Nachfragerückgang der westlichen Länder steht der ungestillte Heisshunger nach dem schwarzen Gold durch die aufstrebenden Asiaten gegenüber, vor allem durch die Chinesen. Beide Effekte zusammengenommen sollten eine Preisstabilisierung bewirken. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.07.2009, 20:14 Uhr

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7 Kommentare

Matthias von Rode

15.07.2009, 15:03 Uhr
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Schuften für die Faulen: Dieses Motto kennt jeder Autofahrer zur Genüge der jedes Jahr via Benzinpreis x-Tausende von Franken an M. Leuenberger abliefert. Mit diesem Geld müsste längstens eine 10-spurige Doppelröhre für die Autos durch den Gotthard führen. Wie lange noch lassen wir uns alle für dumm verkaufen und von der herrschenden Politiker- Beamten- und Soziklasse bevormunden und schröpfen? Antworten


fredy bruelhart

15.07.2009, 11:08 Uhr
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Vor Sommerschulferienbeginn (31. Juni) kostete bleifrei 95 CHF 1.66. Jetzt 3 Wochen später mitten in den Schulferien nur noch CHF 1.55. Also ganz korrekt stimmt die Aussage nicht das das Benzin vor den Ferien nicht teuer wird. Antworten


Dominik Dal Molin

15.07.2009, 10:39 Uhr
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Bin froh sehen dies einige gleich wie ich. Allen Schreibern kann ich nur gratulieren. Kennen Sie die „Bajazzo – Strategie ", welche sich Bundesrat, Politik und Wirtschaft zu Nutze macht? Jemand (lässt) kommuniziert Preiserhöhung von 100%, dann wird zu 50 -75% runter korrigieren um dann als Held dazustehen, z.B Strompreise. Preiserhöhung von 20-x% sind dann vom Volk (Zähneknirschend) akzeptiert! Antworten


Silvia Müller

14.07.2009, 18:39 Uhr
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Schon lustig. Steigt der Benzinpreis ein einziges Mal zu Ferienbeginn nicht, dann wird gleich von einem "Märchen" gesprochen, obwohl in den letzten Jahrzehnten stets und ständig und immer zu allen Ferienbeginnen der Benzinpreis gestiegen ist. Die Menschlein vergessen ja soo schnell. Gute Geschäfte weiterhin den Spekulanten wünsch ich. Antworten


Reto Barandun

14.07.2009, 18:25 Uhr
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Immerhin gibt die Erdölvereinigung nicht alle 3-4 Mt. eine Jahresprognose durch wie die Konjukturforscher! Als im 2008 der Ölpreis auf dem Höchststand war, sagten die Umweltschützer dieser Preis werde nicht mehr sinken. In Zukunft werde der Preis nur noch steigen! Hoffen wir die Erdölvereinigung irre sich weniger, das wäre auch für die Wirtschaft erfreulich! Antworten


Yves Schneider

14.07.2009, 18:08 Uhr
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Klar alle wollen ja gut verdienen undwenn der Öl-Preis massiv steigt wird die Wirtschaft abgedrückt. Der Fehler wurde in den 70ger (Ölkrise) gemacht. Die west. Staaten hätten massiv in alternative Energieformen investieren müssen. Dann hätte es wahrscheinlich keine Alkaida, keinen Irakkrieg usw. gegeben. Denn dann hätten diese Gruppierungen inkl. deren Förderer kein Geld und weniger Abgase dazu Antworten


Thomas Furrer

14.07.2009, 16:38 Uhr
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Wer einmal lügt dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht....Damit das Märchen wiederlegt werden kann, genügt eine einzige Bestätigung sicherlich nicht...und als ob der Staat kein Interesse daran hätte.. Antworten



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