Märchen vom teuren Erdöl zu Ferienbeginn widerlegt
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 14.07.2009 7 Kommentare
Der Geschäftsführer der Erdölvereinigung, Rolf Hartl, geht kurzfristig von billigerem Benzin und keinem neuen Preisschub beim Erdöl aus.
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Rolf Hartl freut sich: «Jetzt wird endlich das Märchen widerlegt, dass die Erdölpreise immer zu Ferienbeginn steigen.» Der Geschäftsführer der Erdölvereinigung geht davon aus, dass allein der Benzinpreis in nächster Zeit weiter sinken werde. In der letzten Woche hätte dieser um 10 bis 13 Rappen nachgegeben. Kleinere Ausschläge als beim Benzin haben sich laut Hartl beim Heizöl gezeigt, doch auch hier erwartet er Preisnachlässe - «wenn nichts Aussergewöhnliches mehr dazwischenkommt», fügt er vorsichtig an.
Seit dem letzten Jahr hat der Erdölpreis beachtliche Kapriolen vollführt. Im letzten Sommer lag er noch bei 150 Dollar pro Fass (wie üblich gemessen an der Sorte WTI), diesen Februar lag der Preis dann bei 34 Dollar. Bis Ende Juni hat er sich auf über 70 Dollar wieder mehr als verdoppelt, worauf er innert Wochenfrist erneut auf 60 Dollar zurückfiel. Seither hat sich der Ölpreis kaum vom Fleck bewegt. Heute hat er auf 61 Dollar zugelegt.
Konjunkturhoffnungen treiben den Preis
Hinter den starken Schwankungen steht die Erdölspekulation. Hinter dieser verbergen sich wiederum die Erwartungen zur künftigen Entwicklung der Weltwirtschaft. Auch diese haben in den letzten Monaten stark geschwankt. Der deutliche Anstieg der Erdölpreise bis Ende Juni entspricht daher nur dem gleichzeitig durch verschiedene Analysten genährten Optimismus, die Weltwirtschaftskrise könnte sich demnächst dem Ende zuneigen. Auch auf den Kapitalmärkten sind angesichts der jüngsten Daten zur Konjunktur wieder Zweifel aufgekommen. «Der Ölpreis hat schon immer Annahmen zur Konjunkturentwicklung widerspiegelt», bestätigt auch Rolf Hartl. Je stärker die Wirtschaft wächst, desto mehr steigt der Energieverbrauch. Gehen Händler schon heute von einer in Zukunft stärkeren Konjunktur und damit einem Mehrkonsum aus, kaufen sie schon heute das Öl, wodurch die Preise bereits ansteigen. Das ganze funktioniert auch umgekehrt.
Ölnachfrage im Jahresvergleich deutlich geringer
Zumindest von der aktuellen weltweiten Nachfrage her hätte der Ölpreis nicht steigen, sondern sogar fallen müssen: Gegenüber dem Vorjahr beobachtet der Geschäftsführer der Erdölvereinigung einen Minderkonsum von 2,5 Mio Fass pro Tag. Am deutlich gedrosselten Angebot der Erdölvereinigung OPEC – vor allem an dessen wichtigstem Mitglied Saudi Arabien – lag es, dass der Preis nicht noch stärker einbrach, als er es zu Jahresbeginn tat. Doch seither haben die Erdölförderer ihre Produktion nicht mehr deutlich zurückgefahren.
US-Energiesparpläne verbilligen Schweizer Benzin
Mehrere Faktoren sprechen laut Rolf Hartel dafür, dass der Erdölpreis in den nächsten Jahren tendenziell stabil bleibt oder höchstens flach ansteigen wird. Auf keinen Fall werde der Preis auf absehbare Zeit wieder Werte von 150 Dollar wie im letzten Jahr erreichen. Ein Grund ist die nur schwache Erholung der Weltwirtschaft, die selbst die optimistischen Konjunkturprognosen versprechen. Ein anderer liegt im Paradigmawechsel, den die US-Regierung unter Barack Obama vollzieht. Dort soll der Energieverbrauch auch durch politische Massnahmen deutlich gedrosselt werden. Berücksichtigt man, dass die Amerikaner pro Kopf bis 2,5-mal soviel Öl verbrauchen wie die Westeuropäer, zeigt sich das Sparpotenzial. Führt die Politik tatsächlich zu einem geringeren US-Ölkonsum, haben Obamas Energiesparpläne indirekt billigeres Benzin in der Schweiz und anderswo zur Folge – oder zumindest einen geringeren Preisanstieg. Denn dem tendenziellen Nachfragerückgang der westlichen Länder steht der ungestillte Heisshunger nach dem schwarzen Gold durch die aufstrebenden Asiaten gegenüber, vor allem durch die Chinesen. Beide Effekte zusammengenommen sollten eine Preisstabilisierung bewirken. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.07.2009, 20:14 Uhr
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