Medikamente kosten uns bis zu 53 Prozent mehr

Die Preisschere zum Ausland geht immer weiter auseinander. Der neue Preisvergleich erntet Kritik.

Hohe Preisdifferenz zum Ausland: Medikamente in einer Apotheke in Bern. (Archivbild)

Hohe Preisdifferenz zum Ausland: Medikamente in einer Apotheke in Bern. (Archivbild) Bild: Peter Schneider/Keystone

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Generika sind in der Schweiz 53 Prozent teurer als im Ausland. Bei den patentgeschützten Medikamenten betrug die Preisdifferenz 14 Prozent, wie der Krankenversicherungsverband santésuisse und der Branchenverband Interpharma bei einem gemeinsamen Preisvergleich herausfanden.

Untersucht wurden die rund 250 umsatzstärksten patentgeschützten Originalpräparate der Spezialitätenliste auf der Basis eines Wechselkurses von 1.07 Franken pro Euro. Verglichen wurden im September 2016 die Schweizer Fabrikabgabepreise mit den Preisen in neun europäischen Ländern.

Differenz war 2015 weniger hoch

Beim letzten Preisvergleich im September 2015 waren die patentgeschützten Medikamenten bei einem Wechselkurs von 1.20 Franken 10 Prozent teurer gewesen als im Durchschnitt der Vergleichsländer. Jetzt beträgt die Differenz bereits 14 Prozent. Die Preise der patentabgelaufenen Originalprodukte waren in der Schweiz 20 Prozent höher als im Durchschnitt der Vergleichsländer. Beim letzten Vergleich hatte der Unterschied noch 11 Prozent betragen.

Auch bei den Generika geht die Schere zwischen den Preisen in der Schweiz und denjenigen im Ausland immer weiter auseinander. Beim letzten Preisvergleich im September 2015 hatte der Unterschied 47 Prozent ausgemacht, jetzt sind es schon 53 Prozent.

Für Intergenerika ist der Preisvergleich unzulässig

Die Vereinigung der führenden Generikafirmen der Schweiz, Intergenerika, hat den Medikamentenpreisvergleich als unzulässig kritisiert. Da würden Äpfel mit Birnen verglichen, heisst es in einer Mitteilung der Vereinigung.

Der Medikamentenpreisvergleich sei einmal mehr irreführend, weil er unzulässige Vereinfachungen enthalte, einseitig nur die Preise vergleiche und das Preis-Leistungsverhältnis in keiner Weise abbilde. Intergenerika warnt vor weiterem Preis-Dumping: Schon heute lägen einige Medikamentenpreise unter den Herstellungskosten.

2016 seien mit Generika 363 Millionen Franken eingespart worden. Direkte und indirekte Einsparungen zusammen genommen würden Generika jährlich sogar einen Sparbeitag von einer Milliarde Franken leisten.

Angriff auf Wahlfreiheit von Arzt und Patient

Intergenerika spricht sich auch gegen das derzeit vom Bundesrat geprüfte Referenzpreissystem aus. Damit würden Patienten, Ärzte und Apotheker ihrer Wahlfreiheit beraubt.

Fast vier von fünf Befragten seien gemäss einer Umfrage nicht bereit, zu einem Krankenkassenmodell zu wechseln, bei dem die Kasse und nicht der Arzt oder der Apotheker bestimme, welches Generikum zu verschreiben sei, auch wenn damit drei Franken Prämie pro Monat eingespart werden könnten. Bei einer um fünf Franken tieferen Prämie seien es immer noch drei von vier Befragten gewesen, die dazu nicht bereit gewesen wären. (sep/sda)

Erstellt: 06.04.2017, 10:36 Uhr

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