Nach der Klippe geht es bergauf

Das grosse Schreckgespenst der USA heisst Fiskalklippe. Doch Wirtschaftsexperten sind überzeugt: Die US-Politik wird es verstehen, diese zu umschiffen. Danach sollen rosigere Zeiten auf das Land warten.

Steigende Immobilienpreise und mehr Jobs. Experten sehen für die US-Wirtschaft positiv:  Strassenschild der Wall Street, dahinter eine US-Flagge.

Steigende Immobilienpreise und mehr Jobs. Experten sehen für die US-Wirtschaft positiv: Strassenschild der Wall Street, dahinter eine US-Flagge. Bild: Keystone

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Die Fiskalklippe kann man getrost vergessen. Auch wenn es schwerfällt angesichts der ganzen Aufregung in der vergangenen Woche und eines Kursrutsches an der Wallstreet, wie es ihn schon seit einem Jahr nicht mehr gab. Und das nur, weil die Wähler sich wieder für den Demokraten Barack Obama als Präsidenten und ein von den Republikanern beherrschtes Repräsentantenhaus entschieden haben.

Das bringt natürlich einige Probleme mit sich, wenn es darum geht, bis Ende des Jahres einen Haushalt unter Dach und Fach zu bringen. Gelingt dies nicht, droht die inzwischen berühmt-berüchtigte Fiskalklippe: Es treten automatisch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in Kraft, die Experten zufolge allein im nächsten Jahr die US-Wirtschaft mit 800 Milliarden Dollar belasten und das Land in eine neue Rezession stürzen könnten. Zuvor dürfte es zudem noch zu heftigen Turbulenzen an den Märkten kommen.

Aber die Politiker werden sich mit ziemlicher Sicherheit auf einen Kompromiss verständigen. Er wird vielleicht chaotisch, unbefriedigend und mit viel Theater verbunden sein, aber es wird eine Einigung geben. Und wie geht es dann mit der US-Wirtschaft weiter in der zweiten Amtszeit Obamas?

Nach den Turbulenzen zu neuen Höhen

Die Aussichten sind nicht schlecht. In vielen Teilen des Landes steigen wieder die Immobilienpreise, es werden mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als ein Jahr zuvor. Die Verbraucher sind wieder zuversichtlicher, der Einzelhandelsumsatz wächst. Auch an der Börse geht es bergauf – sieht man von dieser Woche einmal ab. Der Haushaltsstreit dürfte den Index Standard & Poor's 500 bis zum Jahresende noch einmal um zehn Prozent drücken, erwartet der Analyst David Kostin von Goldman Sachs. Dann aber, so seine Einschätzung, wird es schnell bergauf gehen und der Index bis Ende des nächsten Jahres auf ein neues Allzeithoch steigen.

Auch die alte politische Gleichung, dass demokratische Präsidenten immer Steuererhöhungen für die Wirtschaft bedeuten, muss nicht aufgehen. Die Grossbank UBS äusserte schon vor der Wahl die Erwartung, dass die Unternehmenssteuern wohl gesenkt werden, egal wie der Präsident heisst. Zudem stellen Firmen nicht einfach das Wachstum ein, nur weil Steuern erhöht werden, wie Carol Pepper von der Vermögensverwaltung Pepper International in New York meint.

Viele Unternehmen übertreffen die Erwartungen

Seit mehr als drei Jahren schon verbessern die Firmen im S&P 500 mit jedem Quartal ihre Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr, merkt die Marktforschungsfirma S&P Capital IQ an. Oft liegen sie über den Erwartungen. Noch Anfang Oktober erwarteten Analysten, dass die Gewinne im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent fallen würden. Nachdem nun schon 90 Prozent der S&P-500-Firmen ihre Ergebnisse vorgelegt haben, sieht es eher danach aus, dass sie um zwei Prozent gestiegen sind. Und Firmen, die bei einer nur langsamen wirtschaftlichen Erholung Gewinne machen, sollten keine Probleme haben, noch zuzulegen, wenn die Konjunktur anzieht.

Ein oft genannter Grund, warum die US-Wirtschaft vor einem echten Wachstum steht, ist der riesige Berg an Bargeld, auf dem die US-Firmen sitzen. Denn in der Krise wurde Geld gehortet, wo es nur ging. Der US-Notenbank zufolge verfügen allein die Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors über rund 1,7 Billionen Dollar in bar oder anderen liquiden Mitteln.

Barmittel sind Pulver für das Wachstum

«Wenn die Fiskalklippe einmal umschifft ist», sagt die Analystin Michelle Meyer von der Bank of America Merrill Lynch, «dann ist viel Unsicherheit, die noch über der Wirtschaft liegt, verschwunden.» Eine steigende Nachfrage könnte dann auch wieder zu vermehrten Ausgaben im Frühjahr führen. Die Barmittel seien das Pulver, das das Wachstum antreiben werde, sagt Jeremy Zirin von UBS Wealth Management.

Einen Haken gibt es noch: Die Marktbeobachter sprechen seit langer Zeit von den Barmitteln, die gehortet wurden. In den vergangenen drei Jahren hat sich da nicht viel verändert – und nichts konnte die Unternehmen bislang dazu bringen, das Geld auch auszugeben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 10.11.2012, 20:59 Uhr)

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