Wirtschaft
Nationalbank investiert 100 Milliarden in Euro
Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 22.05.2010
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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist daran, mit einem seit den 70er-Jahren nicht mehr gesehenen Enga-gement den Anstieg des Schweizer Frankens zu verhindern. Seit dem vergangenen Mittwoch mit einigem Erfolg.
Wenigstens kurzfristig: So ist es ihr gelungen, den Kurs wieder auf 1.44?Franken und damit deutlich über die Marke von 1.40 Franken pro Euro zu hebeln. In der Nacht auf Freitag war der Euro vorübergehend sogar auf bis zu 1,4590?Franken gestiegen. Somit hatte die Einheitswährung innerhalb von nur drei Tagen fast 6 Rappen an Wert gewonnen, doch am Freitagmorgen ging es bereits wieder nach unten, und die Nationalbank hat laut Insidern wieder interveniert.
Geringes Vertrauen in den Euro
Der Grund für die Schwäche des Euros ist das mangelnde Vertrauen der Anleger, namentlich auch der Deutschen, in die europäische Einheitswährung. Schreitet die Nationalbank nicht ein, dann steigt der Schweizer Franken immer weiter und die Industrie und der Tourismus werden immer weniger konkurrenzfähig. Eine Notenbank hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten, gegen solche unerwünschten Aufwertungen anzukämpfen: Entweder sie senkt die Zinsen oder sie kauft Euros.
Die Krux ist, dass die Nationalbank bereits seit zwei Jahren kaum mehr Zinsen verlangt und darum dieses Mittel nicht mehr einsetzen kann. Es sei denn, sie würde wie Ende der 70er-Jahre von ausländischen Investoren Negativzinsen verlangen.
Investition mit Risiko
Im Moment verzichtet die Nationalbank aber noch auf diese Extremmassnahme und kauft Euros. Wie viele Mittel die SNB (SNBN 1089 2.06%) im Moment einsetzt, will ihr Sprecher nicht bekannt geben. Was die Euro-Stützungsaktion bis Ende April an Mitteln verschlang, dazu hat sie aber gestern Zahlen geliefert. Wie aus dem «Statistischen Monatsheft» hervorgeht, hatdie SNB allein im Monat April 28,5 Milliarden Franken in Devisen investiert, zum grössten Teil wohl in den Euro. Damit ist der SNB-Devisenbestand auf 154 Milliarden Franken angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies, dass die Notenbank 100 Milliarden Franken in Devisen, zum allergrössten Teil in den Euro, investiert hat. Damit hat sie heute fünfmal so viel Geld in die Stabilisierung der Währung gesteckt wie in die Rettung der UBS. Dies geht nicht ohne Risiko. Gemäss den publizierten Zahlen hat die Nationalbank allein im April etwa 1,5 Milliarden Franken verloren. Auch das lässt sich aus den gestern publizierten Zahlen berechnen. Denn als eine der wenigen Positionen ist das Eigenkapital um 4?Milliarden Franken gesunken. 2,5 Milliarden erklärten sich durch die Ausschüttung von Dividenden und Zuschüssen an Bund und Kantone, sagt der SNB-Sprecher. Der Rest von 1,5?Milliarden Franken ist demnach ein Verlust.
Die Stützungsmassnahmen bergen aber auch noch ein viel schlimmeres Risiko, nämlich das einer Inflation. Immerhin sind heute im Vergleich zu 2007, als die Finanzkrise begonnen hat, ein Viertel mehr Banknoten im Umlauf. Die Geldmenge M1, die üblicherweise relevante Grösse zur Messung der Geldmenge einer Volkswirtschaft, ist um 50 Prozent gestiegen, im Vergleich zum Vorjahr sind es 10 Prozent.
Nimmt man diese Zahlen als Referenz, dann machen die Aussagen von SNB-Vizepräsident Thomas Jordan in einem Referat vom Donnerstag durchaus Sinn. «Der aktuelle geldpolitische Kurs – die Nullzinspolitik, verbunden mit Devisenmarktinterventionen – ist in diesem Fall 0 expansiv», sagte Jordan. Damit könnte er das Terrain vorbereiten für unkonventionelle Massnahmen, die weniger inflationär wirken: die erwähnten Negativzinsen für ausländische Anleger, die aus dem Euro flüchten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.05.2010, 23:37 Uhr
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