Wirtschaft

Nationalbank setzt historisch lockere Geldpolitik fort

Aktualisiert am 18.06.2009

Der Leitzins bleibt unverändert, teilt die SNB heute mit. Und macht Prognosen zum BIP und zur Teuerung.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) behält angesichts der harten Rezession ihre historisch expansive Geldpolitik bei. Der Zielsatz für den Leitzins bleibt bei 0,25 Prozent, ebenso setzt sie die im März begonnen unkonventionellen Massnahmen fort.

So steht die SNB beim Frankenkurs weiterhin Gewehr bei Fuss: Einem Anstieg der Schweizer Währung gegenüber dem Euro will sie entschieden entgegenwirken. Ebenso erwirbt die SNB weiterhin Franken- Obligationen, womit die Risikoprämien auf langfristigen Anleihen privater Schuldner verringert werden sollen.

Die grosszügige Versorgung der Wirtschaft mit Liquidität werde fortgesetzt, teilte die Nationalbank am Donnerstag mit. Denn trotz einzelner positiver Signale bleibe die internationale Wirtschaftslage ungünstig, und ein erneuter Konjunkturabschwung lasse sich nicht ausschliessen.

BIP-Prognose unverändert

In der Schweiz sei die Wirtschaftslage schwierig. Den Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP) schätzt die SNB im laufenden Jahr unverändert auf 2,5 bis 3 Prozent.

Das Risiko einer Deflation habe sich abgeschwächt, bleibe aber bestehen. Im Jahresschnitt werde die Teuerung vor allem aufgrund gesunkener Rohstoffpreise bei -0,5 Prozent liegen. Auch diese Prognose ist unverändert.

Die Nationalbank erwartet jedoch, dass als Folge der seit mehreren Monaten verfolgten expansiven Geldpolitik ab dem kommenden Jahr eine Trendwende einkehren wird: Für 2010 rechnen die Währungshüter wieder mit einer leichten Teuerung von &0,4 Prozent. Bisher hatte sie einen Wert von nahe Null in Aussicht gestellt.

2011 werde die Teuerung 0,3 Prozent betragen. Auch dieser Wert liegt trotz der offenen Geldschleusen klar im Rahmen der Preisstabilität, welche die Notenbanker bei Teuerungsraten von 0 bis 2 Prozent gewahrt sehen.

Libor unverändert

Angesichts dieser Aussichten für die Preisentwicklung und der Gefahr einer zusätzlichen Verschlechterung der Konjunktur sei eine klar expansive Geldpolitik weiterhin vonnöten, erklärte die SNB.

Sie belässt daher das Zielband für den Dreimonats-Libor unverändert bei 0 bis 0,75 Prozent. Ziel sei weiterhin, den Libor allmählich in den unteren Bereich des Zielbandes auf rund 0,25 Prozent zu führen.

Die Währungshüter können den Libor nur indirekt steuern. So ist der Satz im Markt denn auch noch nicht auf den Zielwert gesunken, sondern verharrt seit Wochen bei 0,4 Prozent.

Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise hatte die SNB das Leitzinsziel von September 2007 bis vergangenen März in fünf Schritten von 2,75 auf 0,25 Prozent gesenkt. So tief war er zuletzt während der Rezession in den Jahren 2003 und 2004. (oku/ap)

Erstellt: 18.06.2009, 10:24 Uhr

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