Wirtschaft
Nationalbank warnt Grossbanken vor neuen Risiken
Aktualisiert am 18.06.2009 15 Kommentare
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Keine Kredit-Klemme
Die Versorgung der Schweizer Wirtschaft mit Krediten funktioniert. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht keinerlei Anzeichen für eine Kreditklemme, wie SNB-Präsident Jean-Pierre Roth am Donnerstag vor den Medien in Bern sagte.
Die Kredite an private Unternehmen seien im ersten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode um 10,2 Prozent gestiegen, sagte Roth. Die Lage am Markt für Bankkredite sei weiterhin «relativ entspannt». Sie präsentiere sich besser als in den USA oder im Euro- Raum. Eine Verschlechterung könne für die Zukunft aber nicht ausgeschlossen werden.
Laut Roth ist allerdings eine «zyklische Verschärfung der Kreditvergabebedingungen natürlich unvermeidbar». Dies hänge damit zusammen, dass sich die Qualität bestimmter Schuldner in der gegenwärtigen Rezession verschlechtere.
Eine Umfrage der SNB bei den zwanzig wichtigsten Banken der Schweiz ergab, dass ein Drittel der Institute die Bedingungen zur Kreditvergabe leicht verschärft haben. Dieser Anteil ist für die Kredite an Grossunternehmen etwas höher als für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen.
Es geht um Ausfallrisiken aus dem traditionellen Kreditgeschäft, die im Zuge der Rezession steigen dürften. Im schlimmsten Fall wäre sogar die Finanzstabilität bedroht. Die Nationalbank fordert deshalb zusätzliche Vorkehrungen.
Obwohl die Grossbanken ihre Risikopositionen bereits stark abgebaut und ihr Handelsgeschäft verkleinert hätten, sei das Marktrisiko immer noch beträchtlich, hält die Nationalbank im Bericht zur Finanzstabilität 2009 fest. Hinzu komme, dass in der Rezession das Ausfallrisiko im traditionellen Kreditgeschäft stark zunehmen und Spuren bei den Banken hinterlassen werde.
BIP schrumpft
In ihrem Hauptszenario geht die Nationalbank davon aus, dass in der Schweiz das reale Bruttoinlandprodukt dieses Jahr um 2,5 bis 3,0 Prozent schrumpft und sich 2010 eine graduelle Erholung abzeichnet. Anders als in den USA oder in einigen EU-Staaten seien in der Schweiz zwar keine Anzeichen einer Immobilien- oder Kreditblase vorhanden, doch dürfte auch hierzulande die Kreditausfallrate deutlich steigen. Für Geschäftsbanken mit Fokus auf das Inlandgeschäft dürfte diese Entwicklung aber eine moderate Zunahme von Kreditverlusten zur Folge haben. Heikler dürfte die Lage für die Grossbanken sein, weil sie im sich verschlechternden Kreditumfeld im Ausland engagiert seien, namentlich in den USA.
In einem zweiten, weit ungünstigeren Szenario geht die Nationalbank von einer langen und tiefen Rezession aus, mit der Folge, dass sich die Kreditqualität nicht nur im Ausland, sondern auch in der Schweiz deutlich verschlechtern wird. Geschäftsbanken mit Fokus auf die Schweiz müssten dann mit hohen Kreditverlusten rechnen. Und die Grossbanken müssten hohe Verluste sowohl im Inland- wie im Auslandgeschäft erwarten sowie mit neue Verluste durch Marktpreiskorrekturen.
«Too big to fail»
Da das internationale Bankensystem bereits geschwächt wäre, würde ein solches Szenario eine erhebliche Bedrohung für die Stabilität des schweizerischen Bankensektors darstellen. Deshalb müssten die Grossbanken alle Schritte unternehmen, um ihre Widerstandskraft im Falle einer eventuellen weiteren signifikanten Verschlechterung des ökonomischen und finanziellen Umfelds zu stärken. Die Massnahmen schliessen eine weitere Reduktion der Risikopositionen und Stärkung der Eigenkapitalbasis, die Schaffung eines angemessenen Liquiditätspolsters und die Anpassung ihrer Kostenstruktur an das geänderte Marktumfeld ein.
In Bezug auf die Regulierung gibt es laut Nationalbank verschiedene Ansätze, die ohne Tabus ernsthaft geprüft werden sollten, in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) und unter Einbezug der Banken. So habe sich in der Krise gezeigt, dass die Grossbanken tatsächlich «too big to fail» seien, weil ein Ausfall mit gravierenden volkswirtschaftlichen Konsequenzen verbunden wäre. Die Nationalbank weist darauf hin, dass im Falle eines Zusammenbruchs einer Grossbank eine ordentliche Abwicklung eines Konkursverfahrens international derzeit kaum möglich sei. Hier müsse international koordiniert ein gemeinsamer gesetzlicher Rahmen gefunden werden.
Im Hinblick auf nationale Lösungen wäre die Schaffung von so genannten «Sollbruchstellen» denkbar, die es ermöglichen würden, volkswirtschaftlich wichtige Teile einer Bank herauszulösen. Eine andere Möglichkeit wäre eine Grössenbeschränkung für Banken mit der Schaffung von Anreizen zur Grössenreduktion - etwa mit strengeren Eigenmittelvorschriften - oder mit direkten Auflagen beispielsweise durch Beschränkung des Marktanteils oder durch Beschränkung der Grösse einer Bank im Verhältnis zum BIP. Was die von der Finma eingeführte Leverage Ratio betrifft, hält die Nationalbank eine Erhöhung des Verhältnisses zwischen Kernkapital und Bilanzsumme von jetzt mindestens drei Prozent auf fünf Prozent für angemessen. (sam/ap)
Erstellt: 18.06.2009, 11:57 Uhr
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15 Kommentare
«Too big to fail» - wenn das schon so erkannt ist (mehr als 40 Mia. Volksvermögen alleine für die "big" UBS verbrannt), warum werden diese "too big to fail" Institute nicht gezwungen sich in einzelne Gesellschaften aufzuteilen? Dann wäre fertig mit der Ausrede «Too big to fail» und diese einzelnen Gesellschaften könnten ganz "normal" in Konkurs gehen!! Antworten
"Verschlechterung des ökonomischen UND finanziellen Umfelds"? Wirtschaft ist das Gütermanagement einer Gesellschaft. Von der Rohstoffgewinnung, über den Transport, zur Verarbeitung bis zum Verteiler, dem Konsumenten und der Entsorgung. Das kann man auf verschiedene Arten organisieren, zB via Kapital, aber nicht nur. Finanzmarkt ist lediglich ein austauschbarer Aspekt der aktuellen Wirtschaft. Antworten
@Andreas Schweizer: Korrekt, ein Riesenproblem! Statt den Franken steigen zu lassen um die Kreditnahme in CHF unattraktiv zu machen, ermöglichte die SNB fortwährend neue CHF-Kredite. Nun droht aber fast unweigerlich eine Franken-Abwertung, da der reale Gegenwert unserer 680 Milliarden Kredite wohl dutzende oder hunderte von Milliarden geringer ist. Antworten
Die Weitsicht für mich einen Schutzbunkerplatz zu bauen und mir zu raten 2kg Zucker etc im Notvorrat zu halten, diese Weitsicht hatten die Bundesbeamten, aber sich damit auseinander zu setzten ob man bei den Banken auf ein too-big-to-fail-Dilemma zusteuert, war offenbar neben dem Notvorrat eine Nebensächlichkeit... Antworten
680 Milliarden schweizer Franken Kredite sind global kreditiert. Im Verhältnis zum BIP eine kriminell hohe Summe, bereitgestellt von der SNB an die Geschäftsbanken. Bürgen tut für diese Summe jeder einzelne Bewohner zwischen Boden und Genfersee. Gewöhnt Euch an den Gedanken, dieses Land ist pleite und Schuld daran ist die SNB. Weshalb nur spricht der Roth diesen nebensächlichen Punkt nicht an???? Antworten
Die Warnung geht in Ordnung. Aber jetzt eine erneute Fehlleistung der Banken zu bemängeln ist fehl am Platz. Diese Kredite wurden oft zu günstigen Konditionen an die Realwirtschaft und Privaten genehmigt. In einer Rezession kommt es immer wieder zu höheren Ausfällen. Das Zusammentreffen von Finanz- und Wirtschaftskrise ist nun das grosse Problem! Antworten
Banken zu gross um fallen gelassen zu werden?... dies bedeutet anders herum ausgedrückt..es wurde ein Nischensozialismus für Grossbanken geschaffen. So etwas ist langfristig nicht überlebensfähig und es verzerrt den Wettbewerb derart, dass von 'freiem Markt' keine Rede mehr sein kann. Es wäre Zeit für Glasnost und nicht für "unfair value" Bilanzmanipulation auf Kosten zukünftiger Generationen. Antworten
So lange wir noch dem Mythos to big to fail nachhängen, werden wir die Krise nicht überwinden. Der Konkurs schlecht geführter Firmen ist ein elementarer Bestandteil unseres Marktsystems, der Staat darf sich hier nicht einmischen! Wieso die NB bei uns keine Immo-Blase sieht ist bei den überbewerteten Bodenpreisen nicht verständlich, hier gibt es auch noch ein bereinigungs Potential. Antworten
Wenn man bedenkt, dass das Welt-GNP ca. 50 Billionen beträgt und der Wert sämtlicher gehandelten Aktien ebenfalls etwa 50 Billionen und demgegenüber etwa 500 Billionen an Derivaten gehandelt werden, kann man sich wirklich fragen, ob der letzte Crash nur ein Crashlein war. Antworten
Die risikopolitik der CH Banken ist für die CH Kreditvergabe weit konservativer als hier angenommen wird und zudem mit Eigenkapital abgesichert. Die CH Behörden fokussieren sich darauf immer neue Schrecken Szenarien aufzubauen und darüber zu spekulieren was wäre wenn, als die anstehenden Probleme konkret und zügig zu lösen. Antworten
Die NB hat recht mit ihrer Warnung. Ich denke die Banken wissen das selber schon seit Jahren, nur wollten man nicht danach handeln, da die Boni im Weg standen. Nun müssen die Banken, wahrscheinlich weltweit, wollen sie einer umfassenden Kontrolle und Regulierung entgehen, vorwärts machen bei der Riskominderung. Sonst droht uns am Ende eine grosse Welle an Verstaatlichung, nicht nur bei den Banken! Antworten
Ein fairer Wettbewerb muss mit gleichen Ellen gemessen werden. Und die Verantwortlichen in Banken stehen unter massiven Druck wegen der zu vergleichenden Daten. Dazu kommt dann auch noch die Perfomance des Gewinns und dann auch noch die zu bezahlende Dividende. Also will man endlich diese Finanzkrise der Banken in den Griff bekommen, dann muss es weltweit zu den gleichen Bedingungen kommen. Antworten
die banker haben immer noch nichts gelernt. die NB mahnt zu recht. nachdem die gefahr neuerv uebermuetigkeiten besteht , bezw. schon realitaset ist, muss die regierung eingreifen, dies mit unterstuetzung des parlamentes. fuer die schweiz reicht eine einzige grossbank. das sollte die lehre aus vergangenheit und der fehlenden einsicht in der gegenwart sein. Antworten
Betreffend der Risiken hat die NB sicher Recht. Mit ihren unüberdachten Aktionen zur Stützung des Schweizer Frankens (siehe Verlustausweise der NB in den beiden letzen Quartalen) leisten unsere "Währungshüter" unserem Land aber einen Bärendienst. Die UBS "Rettung" war aber, wie aufgegleist, falsch und kann unser Land noch die letzten Währungsreserven kosten! Antworten
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Dieter Wundrak
Strengere Eigenmittelvorschriften wäre das eine, das andere wäre jedoch auch die von der SNB zur Verfügung gestellten günstigen Mittel für Banken mit dem Zweck zur Ausweitung des Volumens. Macht nicht die CS höhere Gewinne wegen ihrer Ausweitung des Handelsgeschäft unter der Voraussetzung kaum einen Rappen für zur Verfügung gestelltes Geld zu bezahlen. So sehe ich es einfach. Richtig oder falsch. Antworten