Wirtschaft

Neue Machtverhältnisse in der Weltbank

Künftig haben die aufstrebenden Wirtschaftsmächte bei der Weltbank mehr zu sagen. China ist neu das Land mit dem drittgrössten Stimmgewicht.

Neue Realitäten: Weltbank-Präsident Robert Zoellick (links) beim Treffen mit Chinas Premierminister Wen Jiabao (rechts).

Neue Realitäten: Weltbank-Präsident Robert Zoellick (links) beim Treffen mit Chinas Premierminister Wen Jiabao (rechts).
Bild: Keystone

Aufstrebende Wirtschaftsmächte und arme Länder haben künftig bei der Weltbank mehr zu sagen. Die 186 Mitgliedsstaaten der Entwicklungshilfeorganisation beschlossen am Sonntag, die Stimmrechte für Schwellen- und Entwicklungsländer um rund drei Prozentpunkte auf 47 Prozent zu erhöhen.

China legte bei der Reform am kräftigsten zu: Von 2,77 auf 4,42 Prozent. Die Volksrepublik werde künftig das drittgrösste Stimmgewicht in der Organisation haben, teilte Weltbank-Präsident Robert Zoellick am Sonntagabend in Washington mit. Dies habe der Entwicklungsausschuss der Weltbank entschieden.

Bislang verfügte China über weniger Stimmrechte als Deutschland. Auf dem ersten Platz liegen die USA, auf dem zweiten Japan. Es ist das erste Mal, dass China solch ein starker Einfluss in einer internationalen Organisation gewährt wird. China hat 2007 Deutschland als drittstärkste Volkswirtschaft überholt.

«Bedeutsamer Schritt»

Die neue Formel werde «das Gewicht der Entwicklungs- und Schwellenländer besser widerspiegeln» und gleichzeitig die Stimme der «kleinsten und ärmsten Länder» schützen, sagte US-Finanzminister Timothy Geithner.

Weltbank-Präsident Robert Zoellick sprach in Washington von einem «bedeutsamen Schritt». Er hoffe jedoch, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer «mit der Zeit» auf denselben Stimmenanteil kommen wie die Industriestaaten. Die nächste Prüfung stehe 2015 an.

Zuvor hatte Zoellick bereits angekündigt, dass das Frühjahrstreffen der Weltbank einen Wendepunkt markieren werde. «Die ökonomischen und politischen tektonischen Platten verschieben sich», sagte Zoellick. «Wir können uns mit ihnen verschieben.» «Das überholte Konzepte wie das einer Dritten Welt ist nun Geschichte», fügte Zoellick noch hinzu.

USA besitzt weiterhin Sperrminorität

Mit Abstand den grössten Einfluss auf die Weltbank üben aber weiterhin die USA aus, die über 15,85 Prozent der Stimmrechte und damit praktisch über eine Sperrminorität verfügen. Auf dem zweiten Platz folgt Japan mit 6,84 Prozent. China soll nach der am Sonntag beschlossenen Reform künftig über 4,42 Prozent verfügen.

Die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam kritisierte indes, für die ärmsten Länder der Welt bringe die Reform kaum Fortschritte. Von den 47 Staaten im südlichen Afrika habe einzig der Sudan an Einfluss gewonnen, viele müssten sogar Stimmrechte abgeben, erklärte Oxfam-Sprecherin Caroline Hooper-Box.

Zusätzliches Kapital für die Weltbank

Zugleich verbesserten die Mitglieder die finanzielle Ausstattung der Entwicklungsbank um rund 86 Milliarden Dollar, damit die Weltbank mehr Kredite an arme Länder vergeben kann. Rund 5 Milliarden davon seien Einlagekapital, hiess es von der Bank. Das zusätzliche Kapital bedeute, dass nun nicht mehr die Gefahr drohe, die Kreditvergabe im Laufe des Jahres einschränken zu müssen, sagte Zoellick.

(jak/sda/ddp/afp/)

Erstellt: 25.04.2010, 20:52 Uhr

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