Wirtschaft

OECD bemängelt Arbeitsproduktivität in der Schweiz

Angesichts der abklingenden Wirtschaftskrise appelliert die OECD an die Industriestaaten, sich auf einen Abbau von Haushaltsdefiziten und auf Reformen zu konzentrieren. Für die Schweiz gibt es viel Lob, aber auch Tadel.

Die Arbeitsproduktivität ist ein Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes: Metallfachmann an der Arbeit.

Die Arbeitsproduktivität ist ein Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes: Metallfachmann an der Arbeit. (Bild: Keystone)

Stichworte

Die Verbesserung der Haushaltslage sei nach der Krise «eine Hauptherausforderung», erklärte die OECD am Mittwoch in Paris. Abhängig von der Wirtschaftslage müssten die Industrieländer ihre Hilfen wegen der Krise nun «schrittweise» zurückfahren. Auch Kostensenkungen und Steuererhöhungen seien nötig, erklärten die Pariser Wirtschaftsexperten in ihrem Bericht «Going for Growth».

Verschuldung abbauen

Die Anhebung müsse aber begrenzt bleiben. Sonst könne dies eine negative Wirkung auf die Konjunktur haben. Die OECD betonte, die hohe Verschuldung sei nicht nur durch die Krise verursacht worden, sondern habe auch «strukturelle» Gründe.

Ziel der Regierungen der 30 OECD-Staaten müssten deshalb Reformen sein, die langfristig Wachstum förderten und den Beschäftigungsstand erhöhten. Dies sei beim Abbau von öffentlichen Defizite effizienter als die Erhöhung der Produktivität, weil damit die Belastung der Staatshaushalte durch Arbeitslosengeld sinke.

Kurzarbeit schützt «nicht lebensfähige Jobs»

Bei der während der Krise vielfach eingeführten Kurzarbeit zur Job-Sicherung warnte die OECD davor, diese zu lange fortzuschreiben. Dies könne dazu führen, dass «nicht lebensfähige Jobs geschützt und die Schaffung neuer, produktiverer Jobs verhindert werden». Bei Kurzarbeit müsse es deshalb «glaubwürdige Zeitlimits» geben.

Mit Blick auf den Finanzsektor forderte die Organisation, bei der vorgesehenen Verschärfung der Aufsicht über den Bankensektor keine Abstriche zu machen. «Eine starke Überwachung scheint sogar die Kosten von Krediten für Firmen und Haushalte zu verringern», erklärte die OECD.

Fortschritte in der Schweiz

Für die Schweiz wiederholte die OECD frühere Reformvorschläge und stellte einige Fortschritte fest. Nichttarifäre Handelshemnisse seien auf ein angemessenes Niveau reduziert worden. Fortschritte gebe es auch bei der Senkung der Landwirtschaftssubventionen. Auch in anderen Branchen und im Wettbewerbsrecht habe sich die Schweiz verbessert. Die Verwaltungskosten von Unternehmen seien stark reduziert worden.

Noch zu langsam voran gehen der OECD die Kostensenkungen im Gesundheitswesen. Auch das Angebot bei der Kinderbetreuung sei immer noch zu gering. Schliesslich hält die OECD fest, dass die Arbeitsproduktivität in der Schweiz nach wie vor ungenügend sei. Unterdurchschnittlich ist die Arbeitsproduktivität insbesondere in der Landwirtschaft sowie in der öffentlichen Verwaltung. (vin/sda/)

Erstellt: 10.03.2010, 16:31 Uhr

Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Lokale Suche

Marktplatz