Wirtschaft

Obama will Krise mit Milliarden bekämpfen

Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 30.10.2010 7 Kommentare

Nächste Woche wird die US-Notenbank weiteres Geld in den Geldkreis pumpen. Das soll der US-Wirtschaft Auftrieb verleihen. Die Folgen einer solchen Geldvermehrung sind allerdings ungewiss.

Gebeutelt von der Krise: Arbeitslose stehen Schlange vor einer Stellenbörse in New York.

Gebeutelt von der Krise: Arbeitslose stehen Schlange vor einer Stellenbörse in New York.
Bild: Keystone

Gibt grünes Licht für eine erneute Finanzspritze: Barack Obama. (Bild: Keystone )

Mit dem Aufschwung harzt es

Der Konjunkturmotor in den USA kommt weiterhin nicht auf Touren. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der weltgrössten Volkswirtschaft legte von Juli bis September aufs Jahr hochgerechnet nur um 2 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Freitag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. «Die Wirtschaft erholt sich, aber der Aufschwung ist blutleer», sagte der US-Ökonom Hugh Johnson. Zwar steigerten die Verbraucher ihre Ausgaben so kräftig wie seit rund vier Jahren nicht mehr. Doch die schwache Exportbilanz des Landes dämpfte das Wachstum an anderer Stelle.

Die Wirtschaftsleistung legte zwar schneller zu als im Frühjahr mit 1,7 Prozent. Dennoch reicht das Tempo bei weitem nicht aus, um die ungewöhnlich hohe Arbeitslosigkeit abzubauen, warnen Experten. Sie gehen davon aus, dass ein Wachstum von 3,5 Prozent zum Abbau der hohen Arbeitslosigkeit nötig ist. «Die Konjunkturerholung ist nach einer so schweren Rezession viel zu schwach. Ein Grund dafür ist, dass die Unternehmen weniger dynamisch investieren», sagte US-Experte Bernd Weidensteiner von der deutschen Commerzbank.

Einen Tag nach den Kongresswahlen am nächsten Dienstag wird US-Notenbank-Chef Ben Bernanke ein neues Hilfspaket präsentieren. Es wird wiederum aus dem Aufkauf von Staatsanleihen bestehen, wodurch zusätzlich Hunderte von Milliarden Dollar in den Geldkreislauf gepumpt werden. Quantitative Lockerung nennen Experten die Strategie der US-Notenbank. Bereits auf dem Höhepunkt der Krise hatte diese Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Volumen von 1750 Milliarden Dollar erworben.

Die wichtigsten Fragen bei dieser Geldvermehrung:

  • Was weiss die Notenbank über die Folgen? Ben Bernanke hat das Manöver mit einem Golfspieler verglichen, der einen neuen Schläger einsetzt und sich langsam, Schlag für Schlag, an das Loch herantastet, ohne zu wissen, wann er zu weit schlägt und ob er dabei grösseren Schaden anrichtet. Das traditionelle Instrument der Senkung der Leitzinsen ist erschöpft; die realen Zinsen liegen heute fast bei null Prozent, ohne dass die Kreditvergabe der Banken genügend angekurbelt worden wäre.

  • Hat die Notenbank ihre Ziele erreicht? Nein. Die Wirtschaft steckt in einer Liquiditätsfalle. Die Teuerung liegt bei nur 1 Prozent, rund die Hälfte unter der angepeilten Marke. Von einer Vollbeschäftigung ist man noch viel weiter entfernt: Offiziell sind 9,6 Prozent der Amerikaner ohne Stelle, inoffiziell sind es doppelt so viele. Diese Zahl wird im Frühling 2011 wieder auf 10 Prozent steigen, errechnete Goldman Sachs.

  • Wie viel Geld ist im Spiel? Äusserungen von Notenbankern deuten darauf hin, dass Staatspapiere für zunächst rund 500 Milliarden Dollar gekauft werden, verteilt über sechs Monate. Die Wirkung entspricht gemäss dem New Yorker Notenbanker William Dudley einer Senkung der Leitzinsen um 0,5 bis 0,75 Prozent. Goldman Sachs ist weniger optimistisch und beziffert den Effekt auf nur etwa die Hälfte davon.

  • Wie gross ist die Gefahr einer Inflation? Paradox: Die Notenbank will eine etwas höhere Inflation. Die ungewöhnlich lange Phase der wirtschaftlichen Stagnation hat eine äusserst negative Konsumentenstimmung verursacht. Anders als in den letzten 30 Jahren gewohnt, weigern sich die US-Haushalte nun, in grösserem Umfang einzukaufen und längerfristige Anschaffungen zu tätigen. Die Sparquote ist, für die USA ungewöhnlich, auf gegen 5 Prozent gestiegen. Weil die Konsumenten glauben, dass die Preise morgen nicht höher sind als heute, haben sie keinen Grund, wieder rasch bedeutend mehr zu kaufen und zu investieren. Viele Leute bekommen keine günstigen Kredite mehr. Die lahme Nachfrage schadet vor allem Firmen mit hohen Schulden. Chrysler und GM mussten deswegen Bankrott anmelden – obwohl immer höhere Rabatte geboten wurden. Erst wenn die Preise etwas anziehen und die Konsumenten annehmen müssen, dass sie heute billiger als morgen einkaufen können, wird die Nachfrage steigen. Die Teuerung zieht an.

  • Gibt es Widerstand gegen Bernankes Politik? Die Gouverneure der Notenbank sind wegen der quantitativen Lockerung uneins. Drei der zwölf Regionalfilialen widersprechen dem Vorgehen. Sie werden in den kommenden Monaten auch drei der fünf frei werdenden Sitze mit Stimmrecht übernehmen. Das verspricht Hochspannung. Der schärfste Kritiker ist Thomas Hoenig, Chef der Filiale in Kansas City. Er bezeichnet die Pläne als «Pakt mit dem Teufel», weil eine Teuerungsspirale drohe. Er verweist auf die anziehenden Rohstoffpreise.

  • Wie gross ist die Erfolgschance für Bernanke? Entscheidend für den Erfolg ist nicht nur, wie viel die Notenbank an zusätzlichen Stützungsmassnahmen beschliesst, sondern ebenso, ob die Finanzmärkte und Konsumenten daran glauben, dass die Aktion Erfolg haben kann. Es geht um viel Psychologie, die kaum zu berechnen ist. Hoenig befürchtet, dass die massiven Interventionen seit 2008 dem Ansehen der Notenbank geschadet haben und zu einem Misserfolg führen. Doch die schwierigste Aufgabe wartet noch: Es geht darum, die mit Hochdruck eingepumpten Mittel exakt dann wieder abzusaugen, wenn die Wirtschaft aus eigenen Kräften wieder zu florieren beginnt. Nur wenn dies gelingt, kann sich die Notenbank als Retterin in der Not verstehen.
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.10.2010, 17:11 Uhr

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7 Kommentare

Max Meier

30.10.2010, 17:50 Uhr
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Da muss man nicht nach vernünftigen Argumenten suchen, denn die gibt es nicht. Das ist reine Panik und hoffen, dass das Unausweichliche nicht kommen möge oder einfach erst dann, wenn die bestehenden Versager einen goldenen Abgang gemacht haben. Zugute halten muss man ihnen allerdings, dass sie nur die Früchte ihrer Vorgänger geerntet haben, die dieselben Fehler begangen haben. Quo vadis terra? Antworten


Martin Lopez

30.10.2010, 18:16 Uhr
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Die FED als US-Notenbank zu bezeichnen ist schon ziemlich komisch. Denn wäre es eine staatliche Institution, dann müsste sich der Staat nicht bei sich selber verschulden. Die Realität ist, die FED ist ein privates Bankenkartell. Je länger die Phase andauert und je schlechter es den Bürgern geht, umso mehr hat die FED ihr Ziel erreicht und die Bürger enteignet. JFK druckte eigenes Geld - Mit Folgen Antworten



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