Wirtschaft
Preise für Asienflüge im freien Fall
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 14.02.2012 110 Kommentare
So günstig sind Bangkok-Flüge aktuell. (Bild: TA-Grafik mr / Quelle: Anbieter)
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Das Angebot von Singapore Airlines im Januar war unschlagbar: Für 599 Franken konnte man mit der Airline über Singapur nach Bangkok fliegen – und wieder zurück. Schaut man sich an, wie dieser Preis zusammengesetzt ist, wird klar, wie wenig die Fluggesellschaft daran verdient hat: Der reine Flugpreis lag bei 120 Franken, 479 Franken waren Taxen und Gebühren wie Treibstoffzuschläge. Damit kostet die erste Nacht im Hotel unter Umständen mehr, als die reinen Flugkosten ohne Gebühren betragen.
«So wird der Markt kaputt gemacht», gibt das Branchenmagazin «Travel Inside» viel gehörte Aussagen von Branchenvertretern wieder. «Zu einem so tiefen Preis wurde Asien im Schweizer Markt noch nie angeboten», sagt Urs Hirt, Asienexperte bei «Travel Inside». «Eigentlich müsste sich der Preis eines Economy-Tickets nach Asien je nach Saison und Buchungsklasse zwischen 1200 und 1800 Franken bewegen.» Das Singapore-Angebot gabs nur für fünf Tage, und es löste einen regelrechten Run aus. Doch auch die aktuellen Tarife liegen weit unter den oben genannten Preisen, die man für Bangkok-Flüge üblicherweise zahlt. Swiss oder Thai Airways fliegen immer noch für gut 900 Franken nonstop in die thailändische Hauptstadt (siehe Tabelle unten).
Ab Lugano gilt ein Discounttarif
Wer zu einem Zwischenstopp bereit ist, zahlt bei Singapore, Emirates oder Qatar zwischen 788 und 883 Franken. Noch günstiger fährt, wer mit der Swiss ab Lugano nach Bangkok fliegt: Obschon die Strecke länger ist, werden dafür nur 706 Franken in Rechnung gestellt. Der Zubringerflug erfolgt im Flieger der noch kurze Zeit von UBS-Chef Sergio Ermotti präsidierten Darwin Airline.
Swiss-Sprecherin Myriam Ziesack begründet den Tiefpreis ab Lugano mit dem Marktumfeld: «Milano Malpensa ist als Konkurrenz in der Nähe und bietet günstige Umsteigeflüge an.» Aus demselben Grund seien auch Flüge ab Genf günstiger als jene ab Zürich. «Das sind fantastische Zeiten für Konsumenten», sagt Marcel Hausheer, Präsident des Schweizerischen Reisebüroverbandes. «Doch als Branchenvertreter macht mir das Angst.» Am St. Galler Touristikertag letzte Woche seien in den Pausengesprächen die «selbstzerstörerischen Preiskämpfe» das grosse Thema gewesen. Selbst nach Perth in Australien finde man derzeit Tickets für weniger als 1200 Franken.
Was das für die Reisebüros bedeutet, weiss Nick Gerber, Produktmanager bei Globetrotter in Bern. «Der mörderische Preiskampf der Airlines ist auf keine Weise nachhaltig – weder für sie noch für uns. Wenn die Flugpreise ins Bodenlose sacken, weil keine Airline einer anderen einen Passagier gönnt, wird unser Aufwand deswegen nicht kleiner. Im Gegenzug erhalten wir von den Airlines aber keine oder nur noch eine minime Entschädigung.»
«Unschönes Phänomen»
Auslöser des Preiszerfalls sind die massiven Überkapazitäten von und nach Asien. «Wenn eine Airline neu mit einer grossen A380 fliegt, verschwinden deswegen nicht zwei kleinere Flieger vom Flugplan», weiss Marcel Herter, Flugspezialist bei Hotelplan Suisse und Leiter der Fachgruppe Flug des Reisebüroverbands. Hinzu kämen höhere Frequenzen und zusätzliche Verbindungen via Mittleren Osten. Der schwache Dollar sorgt laut Herter zudem für eine Verschiebung der Touristenströme von Asien Richtung USA, und auch das Problem der fehlenden Passagiere in der rentableren Business-Klasse ist in seinen Augen noch nicht ausgestanden. All das führe zu einem unschönen Phänomen: Hotelplan Suisse etwa habe auf bestimmten Strecken bei den Passagieren einen zweistelligen Zuwachs, die Erträge erreichten aber nicht einmal das Niveau des Vorjahrs.
«Erosion der Erträge ist Thema»
Im Fachblatt «Travel Inside» kommen auch Vertreter von Fluggesellschaften zu Wort. «Es ist kein Geheimnis, dass alle Airlines nach Asien derzeit nicht immer eine volle Auslastung haben», sagt Anirudha Nagrath von Singapore Airlines. Die Aktion im Januar ab Zürich sei ein Testlauf gewesen, um die Auslastung zwischen Bangkok und Singapur zu verbessern.
«Die Erosion der Erträge ist bei allen Airlines ein Thema», sagt Kai Chung von Thai Airways, die Bangkok bereits seit Anfang Jahr zum Tiefpreis anfliegt. Die Aktion von Singapore habe die Nachfrage nur kurzfristig beeinflusst. Swiss-Marketingchef Thomas Benz spricht von einer grundsätzlich guten Nachfrage Richtung Asien. Nonstop und mit Zwischenstopps in Europa oder im Mittleren Osten gebe es aber ein Überangebot. «Die Airlines begegnen der Situation primär mit Promotionen. Neu ist, dass namhafte Fluggesellschaften Preisniveaus anbieten, die man im Markt Schweiz so noch nicht gesehen hat.»
Bei Peking, das seit Samstag neu im Flugplan der Swiss ist, dürfte sich das Preisproblem nicht stellen. Ausser der chinesischen Hainan Airlines fliegt niemand direkt in die Metropole. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.02.2012, 20:09 Uhr
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110 Kommentare
Ich fliege anfangs März von Zürich via London, Hongkong, Auckland nach Samoa. Für 1650.-- Hin- und Rückflug. Insgesamt knapp 28 Stunden reine Flugzeit. Mir gefällt das. Und das ewige "Genörgel" der Ökofreaks lässt mich kalt. Ist es doch oft nur er Neid dieser Leute. Antworten
So wird nicht nur der Markt, sondern vor allem unsere Umwelt kaputt gemacht. Wann gibt es endlich Gesetze gegen Dumping-Flugticket-Preise? CO2-Abgabe oder Lenkungsabgabe? Hier kann Eigenverantwortung nicht spielen, weil der einzelne null Einfluss darauf hat, was die anderen tun. Politiker, tut endlich was!!! Antworten
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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