Wirtschaft
Nächster Schlag für die Euroretter
Aktualisiert am 17.01.2012 14 Kommentare
Der nächste Schock: Der Rettungsfonds verliert seine Top-Bonität. (Video: Reuters )
Dossiers
Artikel zum Thema
- Video: Chefanalyst von S&P erklärt sich
- Moody's verschont Sarkozy – aber nur bis März
- «Eine doppelte Schmach für Sarkozy»
- Talfahrt setzt Pensionskassen zu
- US-Notenbank hält sich alle Türen für weitere Interventionen offen
- Bundesrat vertröstet auf die nächste Woche
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Drei Tage nach der Herabstufung Frankreichs und Österreichs hat die Ratingagentur Standard & Poor's auch dem Euro-Rettungsschirm EFSF seine Spitzenbonität genommen. Die amerikanische Agentur stufte den Fonds vom Toprating AAA auf AA+ herab. Das ist ein weiterer Rückschlag für die Eurozone im Kampf gegen die Schuldenkrise. Denn die Aufnahme von Krediten, mit dem der Fonds Rettungsprogramme für Wackelkandidaten finanziert, könnte nun teurer werden.
S&P teilte indes mit, der EFSF könne die Top-Bonität zurückbekommen, wenn er seine Anleihen künftig besser absichert. Dazu müssten Barreserven aufgewendet werden. Diesen Schritt müssten die Euro-Finanzminister beschliessen.
Moody's und Fitch bleiben dabei
Das Vorgehen durch S&P war erwartet worden, nachdem die bisherigen AAA-Staaten Frankreich und Österreich herabgestuft worden waren. Denn die Ausleihsumme des Fonds, die durch AAA-Garantien abgesichert ist, könnte durch den Verlust französischer und österreichischer Garantien von 440 auf 270 Milliarden Euro schrumpfen.
Allerdings werden beide Länder - und auch der EFSF selbst – von den zwei anderen grossen Ratingagenturen Moody's und Fitch nach wie vor mit AAA bewertet. Deswegen dürfen Grossanleger wie Versicherungen und Pensionsfonds auch weiter EFSF-Anleihen zeichnen.
Für Spanien oder Italien würde es knapp
Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker erklärte daher, «die Ausleihsumme wird durch die S&P-Entscheidung nicht reduziert». Der Fonds habe ausreichende Mittel für seine laufenden Programme für Irland und Portugal (gut 40 Milliarden Euro) sowie für ein geplantes zweites Rettungsprogramm für Griechenland (insgesamt 130 Milliarden Euro). Allerdings würden die Mittel des Schirms knapp, wenn auch die Sorgenkinder Italien und Spanien an den Eurotropf gelegt werden müssen.
Zur Vorbereitung darauf wird der permanente Rettungsfonds ESM zwar auf Juli vorgezogen, wie Juncker betonte. Und der ESM ist wegen seines eigenen Kapitalstock von mindestens 80 Milliarden Euro nicht mehr so abhängig von der Bonität seiner Mitgliedsstaaten. Doch bis zum Aufspannen des neuen Schirms dauert es noch ein halbes Jahr – es bleibt also ein Wettlauf mit der Zeit.
S&P beeindruckt Märkte kaum
EZB-Chef Mario Draghi sagte am Abend, Politik und Investoren müssten sich unabhängiger von den Ratingagenturen machen. «Wir müssen uns fragen, wie wichtig diese Bewertungen für den Markt, für Regulatoren und Anleger sind», sagte er vor einem EU-Parlamentsausschuss in Brüssel.
Seine Botschaft scheint indes schon angekommen zu sein. Auf die Herabstufung Frankreichs, Österreichs und sieben weitere Eurostaaten in der Nacht zum Samstag reagierten die Märkte heute kaum. Frankreich gelang es sogar, mehrere Milliarden Euro zu günstigeren Zinsen als vor der Herabstufung aufzunehmen. (ami/sda)
Erstellt: 16.01.2012, 22:14 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
14 Kommentare
Ein Theater spielt sich ab, einzig mit dem Ziel, die Fehlinvestitionen der Banken nicht anzuerkennen so lange wie möglich um Zeit zu haben, die Verluste der breiten Masse unterzujubeln; entweder durch schwächere Staatsleistungen und/oder durch Verlust der Kaufkraft bei Ausweitung der Bilanzen der Zentralbanken (z.B. SNB 3fach in 5 Jahren). Dies verletzt das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit. Antworten
Man könnte sich fragen, ob die Eurokrise nicht schon vor langer Zeit vorausgesehen oder -geahnt wurde und die EU deshalb eilends erweitert wurde, damit man die absehbare Pleite der alten EU-Staaten auf möglichst viele andere verteilt werden kann. Antworten
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 22:09Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 12:15Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 10:16UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Bitte warten

