Wirtschaft
Schlechte Noten fürs Grossraumbüro
Aktualisiert am 27.04.2010 36 Kommentare
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Wer in einem Grossraumbüro arbeitet, ist häufiger krank und unzufriedener, als jemand, dem ein kleines Büro zur Verfügung steht. Zudem sind die Grossraumbüro-Arbeitskräfte weniger produktiv. Das ergab eine Befragung des Seco und der Hochschule Luzern.
Befragt wurden 1230 Personen in 125 Betrieben, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag zu der Studie schreibt. Ermittelt wurde in der schweizerischen Befragung in Büros (SBiB) die Häufigkeit von Beeinträchtigungen aus der Umgebung. Erhoben wurden die Daten von März bis Mitte April 2009.
Lärm als grösste Beeinträchtigung
Die am häufigsten genannten Beeinträchtigungen aus der Umgebung waren Lärm im Raum, etwa durch Gespräche und Telefonate im Hintergrund, gefolgt von trockener oder schlechter Luft, Problemen mit der Temperatur, ungenügendem Licht und Zugluft.
Je grösser das Büro war, desto häufiger wurden Zugluft und trockene Luft sowie Lärm im Raum genannt. In grösseren Büros wurde die Temperatur als zu niedrig, in kleineren als zu hoch eingestuft. Räume mit Klimaanlagen kamen generell schlechter weg, als solche mit natürlicher Lüftung. Allgemein stuften die Befragten die Verhältnisse in kleinen Büros besser ein, als in den grossen.
Brennende Augen
Häufigste gesundheitliche Beeinträchtigung der Befragten am Arbeitsplatz waren gereizte, brennende oder juckende Augen, Konzentrationsschwierigkeiten, schwere Köpfe und Kopfschmerzen sowie Müdigkeit. Diese Symptome nannten Arbeitskräfte in kleinen Büros signifikant seltener als jene in Grossraumbüros.
Bei den arbeitsorganisatorischen Faktoren ergab die Studie ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen den Bürogrössen: In kleinen Büros waren die Angestellten generell zufriedener, unterbrachen die Arbeit weniger häufig und bewerteten die Attraktivität ihrer Arbeitsplatzes höher. Zudem gaben Personen in solchen Büros häufiger an, ihr Arbeitsplatz erlaube ihnen, produktiv zu sein.
Schalldämmende Trennwände
Grosse Büros verzeichneten mehr krankheitsbedingte Absenzen als kleine. Das ist gemäss Seco bezogen auf diesen wichtigen Kostenfaktor ein weiterer Nachteil für Grossraumbüros.
Das Seco kommt zum Schluss, dass in Grossraumbüros der grösste Konfliktfaktor der Lärm ist. Das sollte bei der Planung und beim Betrieb berücksichtigt werden, etwa durch eine schalldämmende Trennung oder speziell abgetrennte Arbeitsbereiche.
Auch technische Einrichtungen wie Beleuchtung und Lüftung sollten bedürfnisgerecht gestaltet werden. So könnten die Unternehmen mittel- und langfristig Kosten etwa wegen mehr Absenzen vermeiden, schreibt das Seco . (sam/sda/)
Erstellt: 27.04.2010, 11:48 Uhr
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36 Kommentare
Wenn jemand so heikel ist und nicht in einem Grossraumbüro arbeiten will, soll er den Job nicht annehmen. Aber die Leute hier sind ja Vollprofis, was Produktivität etc anbelangt Wirklich dramatisch ist - wessen Job im Grossraumbüro ist, dessen Job könnte schon heute woanders gemacht werden (Automatisierung oder Verlegung nach Indien etc). Aber man jammert wohl gerne in der Schweiz. Antworten
Grossraumbüros sind eigentlich eine Art Folter. Es braucht keine neue Studien, um zu wissen, dass jeder Mensch einen gewissen Grad an Intimität zwingend benötigt, um gut funktionieren zu können. Das weiss man schon seit Jahrzehnten. Aber da es die Wirtschaft zuwenig kostet, diese Glaspaläste winters zu beheizen und sommers zu kühlen, bleibt der "Büezer" auf der Strecke. Antworten
Zudem benützen viele Mitarbeiter in Grossraumbüros oft Mini-Kopfhörer, um sich mit Musik etwas abzuschotten. Ein zukünftiger Gehörschaden ist dabei sehr wahrscheinlich wie eine Studie gezeigt hat. Grossraumbüros sind finanziell eben viel interessanter, besonders wenn der Mitarbeiter nicht einmal mehr einen fest zugewiesenen Arbeitstisch hat, sondern nur noch ein Schliessfach oder ein Trolley. Antworten
Grossraumbüro beim führenden Telecomanbieter in einem Neubau bei Bern(HQ). Das Konzept wurde als neuste Errungenschaft angepriesen. 40 Leute in einem Raum mit verschiedenen Arbeitsgebieten/Gruppen/Chefs. Probleme: Fenster dauernd offen(Zugluft), Lärm, Geläuf, Raucher nebst Pause mehrmals im Raucherraum, Mobbing und kein zuständiger Chef zur Problemlösung. Hat überhaupt nicht funktioniert. Antworten
Das weiss ich schon seit 10 Jahren als ich das Vergnügen hatte, mit 8 anderen Leuten in einem Raum zu sitzen. Seit ich alleine bin, bin ich produktiver, konzentrierter, zufriedener, weniger erkältet und surfe erst noch mehr auf dem Netz. Was will man mehr? Anständige Leute arbeiten besser, wenn ihnen vertraut wird. Antworten
Da geht anscheinend einiges an Arbeitsmoral und Freude am Job verloren (und damit auch Arbeit im Interesse der Firma), wenn Menschen in Grossraumbüros arbeiten. Persönlich fand ich Einzelbüros mühsam, Massenbüros ebenso. 4 – 6 Menschen die miteinander auskommen und zusammen arbeiten sind effizient (es wird miteinander geredet, statt gemailt etc.). Also, Arbeitgeber, bitte umdenken.. Antworten
@Ursula Haass: ich tippe auf jene mit 5 Buchstaben, ich habe jedenfalls dort gearbeitet und das von wegen nur noch Grossraumbüros und dazu noch sehr teuer passt genau, am schlimmsten waren die Grossraumbüros mit dem tac-tac-tac-tac-tac auf dem harten Boden, 2 Minuten später wieder retour tac-tac-tac-tac-tac, und schon die Nächste... Antworten
Grossraumbüros sind schrecklich, keine Frage. Das weiss ich aus eigener leidlicher Erfahrung. Das schlechteste Argument gegen diese Büros ist aber das der Privatsphäre. Ich bin ja auf der Arbeit und nicht zu meinem Privatvergnügen in einer mir persönlich möglichst genehmen Umgebung. Da kann halt nicht jeder Bilder aufhängen, Zeitung lesen, essen, Nasebohren und die Füsse hochlegen, wie er will. Antworten
Grossraumbüros, wie ich sie von UBS in ZH-Altstetten kenne, wie sie aber überhaupt bei Grossfirmen verbreitet sind, sind das Allerletzte, das weiss jeder durchschnittlich Intelligente, nicht Gehirngewaschene Arbeitnehmer schon lange. Archipel Gullag lässt grüssen. Antworten
Nun ja, für die Erkenntnis, dass Grossraumbüros für Angestellte unangenehm sind, hätte es weiss Gott keine teure Studie gebraucht. Eigentlich können sich nur beziehungsunfähige Individuen in einer solchen Umgebung wohl fühlen. Die Missachtung der Privatsphäre in Grossraumbüros kommt der Missachtung des Menschenrechts auf Privatheit gleich. Antworten
Ich kann dies alles nicht ganz nachvollziehen. Habe bei einem Unternehmen mit excellenter Unternehmenskultur in einem Grossraumbüro gearbeitet. Auf Grund dieser Kultur hatten wir untereinander ein ausgezeichnetes Verhältnis. Rauch- und Kaffeepausen konnte man selbst wählen, ich habe mich pudelwohl gefühlt und hatte nie das Bedürfnis nach einem Einzelbüro, im Gegenteil. Antworten
Angesichts anzustrebender guter Quartalszahlen, der Erfordernisse des Markts (Effizienz, Wettbewerb, Leistungsprimat) sind Grossraumbüros wirtschaftlich notwendig. Die Planer derselben sowie das oberste Kader hat sich selbstverständlich aus Gründen der Corporate Governance in eigenen, individuellen Arbeitsräumen zu platzieren. Man lese nur die zahlreichen, hochqualifizierten HSG-Studien! Antworten
Wir sind vor einem Jahr von einem 15 Personen ("Klein"büro) in ein 70-100 Personen Büro gezogen - ich finds bis heute mühsam. Geäuschpegel ist hoch, Privatsphäre nicht vorhanden, rechts und links 1 m bis zum nächsten Kollegen, wenn jemand am Mittag Desklunch macht riechts überall nach essen. Es ist wie eine Batteriehaltung für Hühner. Ich erwarte kein Einzelbüro - aber so 6 Pers. pro Raum wäre gut Antworten
@Urs Brunner, @Eli Says: Das ist doch genau der Punkt. Wenn vorwiegend Kadermitglieder in Einzelbüros arbeiten, dann ist es nicht erstaunlich wenn herauskommt, dass Leute in kleinen Büros glücklicher mit den Arbeitsbedingungen sind. Es wäre interessant z uwissen, ob dieser Zusammenhang mituntersucht wurde. Antworten
Als Ex-Mitarbeiterin einer CH-Grossbank, kann ich sämtliche Erkenntnisse der Studie bestätigen: Null Privatsphäre, ständige Bespitzelung anderer Arbeitskollegen (Gestapo lässt grüssen), vergiftetes Klima aufgrund diverser Belastungen wie Lärm oder Temperaturempfindlichkeiten und brennende Augen. Ein Arbeitsumfeld, das der blanke Horror ist. Aber: Hauptsache bei den Mitarbeitern Kosten senken. Antworten
Ich kenne div. Angestellte, die in einem neuen (sehr teuren) Grossraumbüro in einer bekannten Pharmafirma arbeiten. Da ist die Bistro- und Kaffeebar direkt im Raum. Und da jeder seine kleinen Pausen machen kann, wann er möchte (soll die Motivation fürs Arbeiten steigern), kann man sich vorstellen, wie gross das Leid derer, die arbeiten und sich konzentrieren müssen, ist. Antworten
So viel ich weiss, wird doch der Tages-Anzeiger auch in einem Grossraumbüro Untertage (UG1) produziert. Kaum Tageslicht (ausser einem Schacht), mieserable Luft (x Drucker und Plotter) und dauernder Lärm (ca. 40 Leute). Und das alles aus Kostengründen.... Antworten
Welch bahnbrechende Erkenntnisse ! Hat man doch Jahrzehnte die Volièren- Arbeitsplätze durch die Wissenschaft hochgejubelt. Gute Kontrolle und Uebersicht des Chefs über die Mitarbeiter. Die guten Klimabedingungen tragen zu guter Arbeitsleistung bei, kurze Kommunikationswege und auch die dadurch entstehenden sozialen Kontakte seien nur von Vorteil. Die Gesprächskultur sei diszipliniert. Geschwätz? Antworten
Wundern wird das kaum jemanden. Jeder, der schon mal in einem Grossraumbüro gearbeitet hat, weiss dass das Mist ist. Aber man kriegt halt mehr Mitarbeiter auf der gleichen Fläche unter, spart also Kosten. Was mich dabei am meisten ärgert ist, dass dann auch noch bei Schall- und Sichtschutz gespart wird. Cubicles wie in USA sind zwar auch nicht schöner, aber auf jeden Fall ruhiger. Antworten
Toll, was so hochdekorierte Leute herausfinden! Aber zuerst mussten ja alle den Quatsch aus den USA übernehmen - die Arbeitenden haben dies schon lange gewusst. Notabene konnte man mit den Kleinbüro's elegant die Frage "Raucher-Nichtraucher" lösen - dies war schon in den 70er ein Thema! Und - man brauchte keine gesetzlichlen Regelungen wie heute. Antworten
Als Einrichtungsplaner kann ich zwar die Problematiken welche im Artikel genannt werden bestätigen. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass es viele Situationen gibt, wo ein Grossraumbüro dir richtige Lösung ist. Je nach Arbeit gibt es unterschiedliche Arten von Büros die sich eignen, dies gilt es zu beachten. Zudem sollte die Möbilierung sorgfälltig gewählt werden (Trennwände, Schallelemente, etc.). Antworten
Es erstaunt schon, dass solche Erkenntnisse erst heute bekannt sind? Jedem 'Normalo', ohne jegliches Studium, ist es klar, dass ein Grossraumbüro nie zur Produktivität und zur Zufriedenheit beigetragen hat. Mehr als 2-4 Mitarbeiter in einem Büro ist unzumutbar wenn man mit dem 'Kopf' arbeiten muss. Hat das SECO die letzen 30 Jahre gepennt? Antworten




peter ess
was mich immer wieder erstaunt, ist mein 'Gefuehl' dass die Grossraumbueros in England viel leiser sind als die in den USA oder in der CH. Antworten