Schneller als erwartet

Die Einführung von Negativzinsen durch die Nationalbank hat zwei konkrete Gründe. Sie droht ein weiteres Problem der Schweiz zu verschärfen. Geldpolitisch ist nun nur noch ein letzter Schritt möglich.

Bleibt die Frage, was die Zinssenkung unter null bewirkt: Schweizerische Nationalbank in Bern (Archivbild).

Bleibt die Frage, was die Zinssenkung unter null bewirkt: Schweizerische Nationalbank in Bern (Archivbild). Bild: Keystone

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Schon letzte Woche war klar: Wenn weiterer Aufwärtsdruck auf den Schweizer Franken entsteht und damit auf die Nationalbank, etwas dagegen zu tun, dann werden sie eingeführt: Negativzinsen. Das ist nun geschehen – schneller noch als erwartet.

Man muss nicht weit suchen, um den unmittelbaren Grund zu finden. Da ist einerseits die sich wieder verschärfende Eurokrise angesichts der Gefahr einer politischen Destabilisierung in Griechenland und anderseits die Rubelkrise der letzten Tage. Beides hatte weltweit eine Flucht in Sicherheiten zur Folge. Als besonders sicherer Hafen gelten nach wie vor Anlagen in Schweizer Franken. So lag der Preis des Euro in Franken schon in den letzten Tagen nur noch weniger als einen Zehntel Rappen über der von der Nationalbank gesetzten Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro.

Die technische Umsetzung der Negativzinsen ist relativ einfach. Wie schon die Europäische Zentralbank belastet die Nationalbank die Einlagen der Banken auf ihren Girokonten mit einer Gebühr. Auf 0,25 Prozent der Einlagen soll sie sich belaufen. Konsequenterweise senkt sie auch ihr Zielband für den Leitzins (den Dreimonats-Libor). Die untere Grenze ist neu Minus 0,75 Prozent und die obere 0,25 Prozent. Doch spielt die obere Grenze ohnehin schon lange keine Rolle mehr, da der tatsächliche Libor seit Jahren bei Null Prozent klebt.

Bleibt die Frage, was die Zinssenkung unter Null bewirkt. Die Idee ist, Geldzuflüsse in die Schweiz weniger attraktiv zu machen. Die Banken werden die höheren Kosten, die sie selbst für das Halten von Geld bezahlen müssen, an den Markt weitergeben, das heisst an andere Banken und ihre Geschäftskunden. Kurz: Das Zinsniveau in der Schweiz wird weiter sinken. Die erste Reaktion auf den Devisenmärkten zeigt, dass die Massnahme im Sinne der Zielsetzung zu wirken scheint. Bis 9 Uhr ist der Europreis auf 1.208 angestiegen.

Die noch tieferen Zinsen drohen aber das andere Problem der SNB und der Schweiz insgesamt wieder zu verschärfen, die steigende Verschuldung über Hypotheken und in der Folge jenes von steigenden Preisen von Immobilien. Gut möglich, dass die Nationalbank auch eine weitere Erhöhung des Eigenkapitalpuffers für die Ausleihungen der Banken beantragt.

Die Entscheidung der zu Negativzinsen macht einmal mehr klar, dass es für die Nationalbank keine ideale Geldpolitik mehr gibt, so lange die Weltwirtschaft von Krisen verschiedener Art durchgeschüttelt wird. Die grösste Rolle spielt dabei nach wie vor die prekäre Lage in Europa. Sollte sich die Lage dort weiter verschärfen, wie auch die geopolitischen Spannungen, dann könnten sich selbt die Negativzinsen als ungenügend erweisen. Der letzte Schritt wären dann wohl nur noch Eingriffe in den freien Kapitalverkehr. Doch so weit sind wir zum Glück noch nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 18.12.2014, 09:40 Uhr)

Umfrage

Die Nationalbank führt Negativzinsen ein. Sind Sie dafür?

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Nein, diese Zinspolitik bestraft Anleger.

 
52.3%

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