Wirtschaft

Schulden machen – und dafür belohnt werden

Aktualisiert am 30.12.2011 33 Kommentare

Während Italien Zinsen für seine Anleihen an der absoluten Schmerzgrenze bezahlen muss, erhält Dänemark noch Geld dafür, dass es Schulden macht. Verkehrte Welt?

1/4 Wer dem dänischen Staat Geld leiht, muss sogar noch draufzahlen: Dänische Krone. (Bild: Dänische Zentralbank)

   

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Dänemark übernimmt Ratspräsidentschaft

Für ein halbes Jahr übernimmt Dänemark am 1. Januar die rotierende EU-Ratspräsidentschaft. Das Land will in den sechs Monaten möglichst vermittelnd wirken und Lösungen für die wirtschaftlichen Probleme finden. Angesichts der andauernden Schuldenkrise, die praktisch alle anderen EU-Themen überschattet, werden die Beziehungen Schweiz-EU für die dänische EU-Ratspräsidentschaft keine prioritäre Rolle spielen. Am ehesten dürften die verschiedenen Steuerthemen das eine oder andere Mal auf der Tagesordnung einer Arbeitsgruppe oder des EU-Finanzministerrats stehen. Zu anderen Themen wie ein neues bilaterales Paket oder Gespräche über weitere finanzielle Hilfe für wirtschaftlich und sozial benachteiligte EU-Staaten äussern sich dänische EU-Diplomaten vorsichtig. Die Laufzeit der Schweizer «Kohäsionsmilliarde» endet Mitte 2012. Verschiedentlich hatte die EU durchblicken lassen, dass sie sich von der Schweiz weitere Unterstützung erhofft. (sda)

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Schuldscheine vom Staat für knapp 2,32 Milliarden dänische Kronen – rund 370 Millionen Franken – platzierte die dänische Zentralbank gestern bei Investoren. Das Besondere daran: Bei zwei der drei Emissionen – alles Papiere mit kurzer Laufzeit – lag der Zins unter null. Konkret heisst das: Wer dem dänischen Staat Geld ausleiht, muss dafür noch bezahlen. Und für den Staat heisst es: Er erhält Geld dafür, dass er Schulden macht.

Zwar lag der sogenannte Negativzins mit 0,21 Prozent respektive 0,07 Prozent nahe an der Nullgrenze. Was für ein Kontrast aber zu Italien, das zwar in den letzten Tagen eine leichte Linderung der zu zahlenden Zinsen erfuhr, aber immer noch weit über dem erträglichen Mass liegt.

Die «Wunderzinswelt»

«Es war die erste Auktion mit negativen Zinsen, die wir bisher hatten», sagte Ove Jensen, Zuständiger für das Schuldenmanagement der Zentralbank. Die Anleger würden auf Qualität schauen, wichtig sei, dass man sein Geld zurückerhält. Damit spielt der Zentralbanker auf die Eurokrise und die hohen Staatsschulden an. Dänemark, das auf eine Teilnahme am gemeinsamen Währungsraum verzichtet hat, verfügt mit seiner beibehaltenen Krone inzwischen über eine Ausweichwährung zum verschmähten Euro.

«Was wir hier sehen, ist eine Wunderzinswelt», sagt Gion Reto Capaul von der Anleihenberaterfirma Visual Finance. Wenn ein Gläubiger noch dafür bezahlen müsse, dass er dem Schuldner Geld ausleihen dürfe, sei das ein Zeichen dafür, dass «das System durcheinandergeraten ist». Auch von der Finanzpresse wurde die Angelegenheit mit Verwunderung aufgenommen: «Dänemark stellt den Finanzmarkt auf den Kopf», titelt die «Financial Times Deutschland».

Negativzins auch in der Schweiz

Ganz so neu ist die Sache allerdings auch wieder nicht. Für sogenannte Geldmarktbuchforderungen wurden im letzten Herbst auch in der Schweiz negative Zinsen erreicht. Aufs Jahr hochgerechnet sogar bis zu 0,75 Prozent. «Das ist ein Novum in der Schweiz», sagte damals allerdings auch Philipp Rohr, Sprecher der eidgenössischen Finanzverwaltung zur Wirtschaftsnachrichtenagentur AWP. Hinter den damaligen Investoren vermutete die Finanzverwaltung Pensionskassen, Versicherungen und Privatanleger – auch ausländische. Dass Gläubiger den Schuldnern noch eine Prämie dafür bezahlen, dass sie ihnen Geld ausleihen dürfen, das kennt Capaul von der grossen Weltwirtschaftskrise im letzten Jahrhundert.

Der Begriff Negativzinsen kam in den letzten Monaten in der Schweiz auch im Zusammenhang mit möglichen Massnahmen gegen die Frankenstärke aufs Tapet. Die Idee dahinter: Investoren sollen von Franken-Anlagen abgeschreckt werden, indem darauf ein «Strafzins» erhoben wird. Kritiker warfen allerdings in die Debatte, dass diese Massnahme kaum Wirkung entfalten würde, weil ein grosser Teil des Frankenhandels gar nicht in der Schweiz stattfinde. Letztmals hatte die Schweiz in den 70er-Jahren Negativzinsen auf den Franken-Investments erhoben. (cpm)

Erstellt: 30.12.2011, 13:43 Uhr

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33 Kommentare

Nadine Binsberger

30.12.2011, 13:57 Uhr
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Negative Zinsen sind viel logischer als positive. Angenommen, wir alle würden unser Einkommen "sparen" (mit pos.Zinsen) statt ausgeben, würde die Wirtschaft sofort crashen. Wenn wir unser Geld aber ausgeben, dann fördern wir die Wirtschaft und erhalten Arbeitsplätze. Das Problem ist dann eher ein ökologisches: ist es wirklich wünschenswert, den Konsum zu fördern? Gar keine Zinsen wäre optimaler. Antworten


willi aerne

30.12.2011, 14:12 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Das Beispiel beweist, dass die eigentliche Währung eben nicht die Währung selbst, sondern das Vertrauen in diese ist. Antworten



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