Schwarz, schwärzer, 2016

Von wegen guter Start ins neue Jahr. Weltweit sackten die Börsen in der ersten Handelswoche massiv ab. Ein Negativrekord – seit über 20 Jahren.

Irgendwie bezeichnend für das Chaos an den Märkten: Eine Schneemann-Figur liegt auf dem Parkett der New Yorker Börse, während die Kurse sinken.

Irgendwie bezeichnend für das Chaos an den Märkten: Eine Schneemann-Figur liegt auf dem Parkett der New Yorker Börse, während die Kurse sinken. Bild: Reuters

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Zwei Tage fulminanter Kurseinbrüche am chinesischen Aktienmarkt haben die Anleger in dieser ersten Handelswoche 2016 weltweit in Alarmstimmung versetzt. Am Freitag drehten zwar einige Börsen zunächst ins Plus, doch unterm Schlussstrich stand ein Minus.

Allein in der ersten Handelswoche wurden gemäss «Financial Times» weltweit mehr als 2,3 Billionen US-Dollar vernichtet. Der FTSE All-Share Index verlor 5,7 Prozent. Das war der schlechteste Start in ein Handelsjahr seit 1994, dem Jahr, als der Index aufgesetzt wurde.

Verlauf des FTSE All-Share in diesem Jahr. (Quelle: Tradingeconomics.com)

Vor allem China hat den weltweiten Börsen einen schwierigen Auftakt in das Neue Jahr beschert. In Europa gingen die grossen Aktienmärkte am Freitag mit einem Verlust aus dem Handel, nachdem die chinesischen Börsen am Vortag um mehr als sieben Prozent eingebrochen waren. In Frankfurt hatte der Dax am Morgen zwar dank freundlicher Vorgaben zunächst die 10000 Punkte übertroffen, rutschte dann aber zum Handelsschluss um 1,3 Prozent auf 9849,34 Punkte ab.

Auch andere Börsen drehten nach dem zweiten Schreck in dieser Woche zunächst ins Plus, schlossen aber mit Verlusten. Der EuroStoxx 50, der die 50 grössten Aktiengesellschaften der Eurozone umfasst, verlor 1,66 Prozent auf 3033,47 Punkte. Der französische CAC 40 ging mit einem Minus von 1,31 Prozent aus dem Handel. In New York legte der Dow Jones-Index in den ersten Morgenstunden indes zunächst leicht auf 16 518,17 Punkte zu. Der Swiss Market Index (SMI) gab gestern 2,28 Prozent auf 8257,28 Punkte nach. Im Wochenvergleich ergab sich ein selten starkes Minus von 6,4 Prozent.

Es ging bachab für die 30 grössten Schweizer Titel im SMI. (Quelle: Tradingeconomics.com)

Am Montag und Donnerstag waren die Börsen in Shanghai und Shenzhen um je sieben Prozent eingebrochen, was weltweit Sorgen über den Zustand der chinesischen Wirtschaft weckte. Der chinesische Shanghai Composite Index legte nach dem erneuten Einbruch am Freitag zwar um 2 Prozent auf 3186,41 Punkte zu. Allerdings erreichte die chinesische Führung diesen Zuwachs nach Einschätzung von Experten mit Stützkäufen.

Staatliche Käufer hätten am Freitag «massiv interveniert», erklärte Analyst Angus Nicholson von der Firma IG. «Vor einer echten Erholung werden die Märkte abwarten, wie sehr die chinesische Regierung sich nächste Woche dafür einsetzt, den Aktienmarkt und die Währung zu stützen.»

Handel unterbrochen – gleich an zwei Tagen

Nach den Kurseinbrüchen vom Montag und Donnerstag hatte ein neuer Schutzmechanismus zum Abbruch des Handels geführt. Am Freitag setzte die chinesische Börsenaufsicht diesen Automatismus aus, weil er für Panikverkäufe mitverantwortlich gemacht wurde.

Erholung in turbulenten Zeiten: Ein chinesischer Aktionär hält vor einer Kurstafel in Peking ein Nickerchen. (Foto: Getty Images; 8. Januar 2016)

Der Kurssturz am Donnerstag war auch damit erklärt worden, dass Peking eine Abwertung der Währung Yuan zulässt. Dies wurde als Zeichen gedeutet, dass die chinesische Konjunktur schwächer ist als gedacht und über eine Abwertung angekurbelt werden soll.

Unabhängig von der Skepsis einiger Experten sorgten die positiven Vorgaben der chinesischen Börsen am Freitag für eine Stabilisierung der Kurse auch in anderen Ländern. Der japanische Nikkei-Index in Tokio verlor zwar 0,4 Prozent, der südkoreanische Kospi-Index stieg aber um 0,7 Prozent und der Hang Seng in Hongkong um 0,6 Prozent.

Vertrauen in China «beschädigt»

Kursschwankungen gibt es in China schon seit Monaten immer wieder, obwohl die Regierung gegenzusteuern versucht. Dazu sollte auch der umstrittene Schutzmechanismus dienen, der Anfang des Jahres in Kraft trat und dann gleich zweimal genutzt werden musste. Der Handel wurde dabei für 15 Minuten ausgesetzt, wenn ein wichtiger Index um fünf Prozent fiel. Bei einem Minus von sieben Prozent, wurde der Handel für den ganzen Tag gestoppt. Experten glauben, dass Anleger deshalb besonders rasch versuchten, Papiere um jeden Preis los zu werden.

Dass der Mechanismus gleich wieder ausgehebelt werden musste, kam bei Beobachtern aber auch nicht gut an. «Das Vertrauen in die chinesische Fähigkeit, die Kapitalmärkte zu managen, ist nur noch weiter beschädigt worden», schrieb Nicholson. (spu/sda)

(Erstellt: 09.01.2016, 10:38 Uhr)

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