Wirtschaft
Schweizer Finanzblasen-Experiment gelingt
Aktualisiert am 03.05.2010 25 Kommentare
Seine Prognosen haben sich bewahrheitet: Didier Sornette.
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Vor dem heutigen Tag war dem ETH-Professor Dider Sornett mulmig. «Ich spüre schon einen Druck, dass uns das gelingt», sagte der Professor gestern, der seit vier Jahren in Zürich lehrt. Es ist der Tag, an dem über Sornettes berufliches Schicksal entschieden wird. Wird er sich blamieren? Nein, sein Finanzblasen-Experiment ist geglückt. Der Physiker, der an der ETH Zürich das Financial Crisis Observatory leitet, hat mit Computermodellen womöglich zwei Hypothesen bewiesen.
- Blasen in Finanzmärkten lassen sich früh erkennen.
- Es ist möglich, vorauszusagen, wann eine Blase platzt.
Heute hat der Franzose Prognosen über die Entwicklung dreier Spekulationsblasen veröffentlicht, die er im November verschlüsselt hat. Sie waren auf einem Computer abgelegt, zu dem niemand Zugang hatte.
Wie Professor Didier Sornette vor den Medien sagte, haben sich die Vorhersagen bewahrheitet. So hat das Forscherteam etwa vorausgesagt, dass es innerhalb eines gewissen Zeitfensters mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Veränderung bei der Entwicklung des Goldpreises käme.
Tatsächlich ist der Preis für Gold innerhalb des vorhergesagten Zeitfensters in zwanzig Tagen um 11 Prozent gefallen. Auch beim brasilianischen Aktienindex Bovespa brach die Wachstumsrate wie vorhergesagt innerhalb eines gewissen Zeitraums ein. Kurz nach dem Zeitfenster fiel der Index innert eines Monats gar um elf Prozent.
Beim dritten untersuchten Titel, einem Anleihen-Index von Merill Lynch, ist die Luft bereits vor dem vorhersagten Zeitfenster aus der Blase gewichen. Gemäss Sornette ist das Zerplatzen die extremste Form, wie eine Spekulationsblase verschwindet.
Seine Prognosen stimmten schon einmal
Es ist nicht das erste Mal, dass Sornette einen Volltreffer landet. Er hatte schon einmal richtig gelegen. 2004 prognostizierte Sornette, die Immobilien-Blase in den USA werde sich bis Mitte 2006 aufblähen. Und so kam es auch.
Sein Experiment könnte die Welt verändern: Wenn man Spekulationsblasen frühzeitig erkennt, wird die Welt auch viel seltener von Wirtschaftskrisen erschüttert.
Nach Sornettes Theorie entstehen Finanzblasen ähnlich wie Erdbeben oder epileptische Anfälle. Es handelt sich um sich selbst verstärkende Prozesse – bis es zur Explosion kommt. Bei Spekulationsblasen steigen die Preise weit über die reale Wertentwicklung hinaus. Der Franzose will sie daran identifizieren, dass sie nicht einfach hohe Wachstumsraten vorweisen, sondern auch die Raten selbst stark ansteigen. Das Prinzip sei ein sich selbst verstärkender Prozess. Es knalle nicht aus heiterem Himmel. Der Forscher spricht von «super-exponentiellen» Zuwächsen, die seine Computer unter all den normalen Ausreissern ausfindig machen sollen.
Experiment wird wiederholt
«Wir wollen einen Paradigmenwechsel in der Ökonomie herbeiführen», sagt er gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Spiegel» vor einigen Monaten. «Gelingt es, wäre es eine Revolution, so bedeutsam wie der Darwinismus für die Biologie oder die Quantenmechanik für die Physik.»
Der erstmals durchgeführte Versuch des Finanzkrisen-Beobachtungszentrums der ETH Zürich soll nun wiederholt werden. «Wir werden das Experiment fortsetzen», sagte Sornette. Demnächst würden fünf bis zehn weitere Titel ausgesucht, bei welchen innerhalb eines gewissen Zeitraums ein «regime shift» zu erwarten sei. (bru)
Erstellt: 03.05.2010, 13:14 Uhr
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