Schweizer «Superzyklus» bald am Ende

Die Ökonomen der Credit Suisse senken die Wirtschaftsprognosen drastisch – und begründen ihre Einschätzung.

War massiv an der starken Konjunktur der letzten Jahre beteiligt: Die Bauwirtschaft.

War massiv an der starken Konjunktur der letzten Jahre beteiligt: Die Bauwirtschaft. Bild: Keystone

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Nach der Stagnation der Schweizer Wirtschaft im zweiten Quartal senkt die Credit Suisse ihre Prognosen für das Konjunkturwachstum. Für das laufende Jahr rechnen die Ökonomen noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandproduktes (BIP) um 1,4 Prozent.

Bislang waren die Auguren von 2,0 Prozent Wachstum ausgegangen. Auch für das nächste Jahr ist die Grossbank pessimistischer: Die BIP-Prognose werde von 1,8 auf 1,6 Prozent zurückgefahren, teilte die CS am Dienstag vor den Medien in Zürich mit.

Der so genannte «Superzyklus» aus tiefen Zinsen, einem Immobilienpreisboom und hohen Einwanderungsraten laufe aus. Und die Binnenwirtschaft verliere an Dynamik, hiess es weiter. Die Erholung der Schweizer Exportwirtschaft sei zu verhalten, als dass sie den eingebüssten Schwung der Binnenwirtschaft genügend kompensieren könne.

Auch Bakbasel korrigiert BIP-Prognosen nach unten

Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut Bakbasel hat die Prognosen für die Schweizer Konjunktur deutlich zurück genommen. Die Basler begründeten dies mit den vielfältigen Unsicherheiten, die von geopolitischen Spannungen bis zur Masseneinwanderungsinitiative reichten.

Die Risiken trübten die Stimmung und verleiteten zahlreiche Wirtschaftsakteure zu einem eher zögerlichen Verhalten, was die konjunkturelle Erholung behindere, schreibt Bakbasel im Communiqué vom Dienstag.

Für 2014 rechnet Bakbasel daher noch mit einer Zunahme des Bruttoinlandproduktes (BIP) um 1,4 Prozent. Bisher ging das Institut von 2,0 Prozent aus. Die Prognose für 2015 wird von 2,3 auf 1,9 Prozent gesenkt. Verhaltener als bisher sei der Ausblick insbesondere für die Exporte und Ausrüstungsinvestitionen.

Vor allem der wichtigste Schweizer Handelspartner, die Eurozone, enttäusche. In Italien und Frankreich wirkten die schwachen Fundamentaldaten und die unzureichende Reformwilligkeit wieder verstärkt negativ auf das Wachstum. Dazu komme, dass die bis anhin sehr robuste deutsche Wirtschaft ebenfalls an Schwung verloren habe und viele Schwellenländer weiterhin schwächelten.

Unberechenbarer

Der Risikomix sei insgesamt heterogener und unberechenbarer als noch vor kurzem, hält Bakbasel fest. So hätten sich insbesondere die geopolitischen Spannungen mit dem Konflikt in der Ukraine massiv zurückgemeldet. Dazu kämen die Konfliktherde im arabischen, aber auch im asiatischen Raum.

Zudem bestünden ökonomische Risiken wie die Gefahr sich verfestigender deflationärer Tendenzen in der Eurozone oder Befürchtungen, dass der anstehende Richtungswechsel in der US-Geldpolitik misslinge. Und neben den vielschichtigen globalen Unsicherheiten spielten auch Schweiz-spezifische Risikofaktoren, wie die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative, eine Rolle.

Der schwächere Konjunkturausblick bleibt laut Bakbasel nicht ganz ohne Konsequenzen auf dem Arbeitsmarkt. So werde die Arbeitslosigkeit in der Schweiz bis Ende 2015 von derzeit saisonbereinigt 3,2 Prozent nur minimal auf rund 3,1 Prozent zurückgehen.

Gleichzeitig bleibe der Inflationsdruck gedämpft und der Euro werde sich auch 2015 nur unwesentlich über dem von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gewährten Mindestkurs von 1,20 Fr. bewegen. (cpm/sda)

(Erstellt: 09.09.2014, 10:16 Uhr)

Arbeitgeber für das vierte Quartal optimistisch

In der Schweiz dürften im vierten Quartal zusätzliche Stellen geschaffen werden. Dies besagt der Arbeitsmarktbarometer des Stellenvermittlers Manpower. Sechs Prozent der befragten Arbeitgeber rechnen mit einem Anstieg ihrer Beschäftigtenzahlen.

Sinkende Beschäftigungszahlen im eigenen Betrieb erwarten nur drei Prozent der 752 Arbeitgeber in der Schweiz, welche durch Manpower befragt wurden. 89 Prozent gehen von keiner Veränderung aus und zwei Prozent antworteten, sie wüssten es nicht.

Die Autoren des Manpower Arbeitsmarktbarometers bezeichnen die Stimmung der Arbeitgeber für das vierte Quartal als «vorsichtig optimistisch». Für das dritte Quartal hatten ebenfalls drei Prozent mit einem Rückgang, aber nur fünf Prozent mit einer Zunahme ihrer Belegschaft gerechnet.

Weder die geopolitischen Turbulenzen und die damit verbundene Abkühlung der Weltwirtschaft noch die Unsicherheiten bezüglich der künftigen Regelung der Zuwanderung hätten den Optimismus der Schweizer Arbeitgeber getrübt, heisst es in einer Medienmitteilung von Manpower vom Dienstag.

«Die Talentknappheit ist für die Schweiz vorläufig weiterhin eine grössere Herausforderung als fehlende Arbeitsplätze», lässt sich Patrick Maier, der Chef von Manpower Schweiz in der Mitteilung zitieren.


Vor allem die Arbeitgeber in der Nordwestschweiz zeigten sich zuversichtlich. Ebenfalls optimistisch sind die Arbeitgeber im Kanton Zürich und in der Ostschweiz.

Düsterer ist die Stimmung dagegen in der Genferseeregion, im Tessin und in der Zentralschweiz. In diesen Regionen rechnen mehr Arbeitgeber mit sinkenden Beschäftigungszahlen in ihrem Betrieb als mit steigenden. Dies trifft auch auf den Espace Mittelland zu, wenn auch weniger deutlich als in den anderen drei Regionen.

Nach Branchen unterteilt, sind die Arbeitgeber im Baugewerbe am zuversichtlichsten. Auch im Verkehr- und Nachrichtenwesen, bei den Banken und Versicherungen, im Immobilien- und Dienstleistungssektor sowie im Gastgewerbe herrscht Optimismus. Mit sinkenden Beschäftigungszahlen rechnen die Arbeitgeber im Handel und in der Land- und Forstwirtschaft. (sda)

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