So kann Brasilien von der WM profitieren

Egal, wo eine Fussball-Weltmeisterschaft stattfindet: Finanziell gewinnt am Ende vor allem die Fifa. Ein Schwellenland wie Brasilien kann jedoch auf andere positive Effekte hoffen.

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Brasilien kann einer Studie zufolge nicht mit einem grösseren wirtschaftlichen Aufschwung durch die bevorstehende Fussball-Weltmeisterschaft rechnen. Die WM bringe dem Gastgeberland bestenfalls eine gute Stimmung, urteilen die Autoren einer am Dienstag in Frankfurt veröffentlichten Analyse der Berenberg-Bank und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Der gesamtwirtschaftliche Effekt bleibe bei derartigen Grossereignissen dagegen vernachlässigbar gering.

Die direkten Gewinne schöpfe der als Monopolist auftretende Weltfussballverband Fifa nahezu komplett ab, so dass Gastgeber Brasilien auf sogenannte weiche Faktoren hoffen müsse. Diese seien aber gerade für Schwellenländer von grosser Bedeutung, sagte HWWI-Volkswirt Henning Vöpel: «Eine reibungslos organisierte WM kann ein wichtiges Signal an potenzielle Investoren sein. Intern kann die WM zumindest kurzfristig zu mehr Zusammenhalt und Stolz in der Bevölkerung beitragen.»

Hoffnung ist gross

Das fussballbegeisterte Brasilien, dem eine hohe Inflation, soziale Ungleichheit und Korruption zu schaffen macht, verbindet grosse Hoffnungen mit dem Ereignis, das am 12. Juni angepfiffen wird. Das Land schätzt die Tourismuseinnahmen im Zuge der WM auf 5,5 Milliarden Dollar – zum Vergleich: der Karneval in Rio spült jährlich 3,2 Milliarden Dollar in die Tourismuskasse.

«Die im Vorfeld eines Grossereignisses erstellten Kosten-Nutzen-Analysen überzeichnen regelmässig die positiven Effekte», erläuterte Vöpel. Dagegen stünden geschätzte zehn Milliarden Dollar an Investition für die Fussball-WM, die auch in der brasilianischen Bevölkerung massiv kritisiert werden. Es werden stattdessen mehr Ausgaben für Bildung und Gesundheit gefordert.

Aber auch die Kosten für die WM seien wirtschaftlich nur von geringer Bedeutung, so Berenberg-Volkswirt Quitzau: Die 10 Milliarden Dollar entsprächen etwa einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts – die öffentlichen Ausgaben für Bildung und Gesundheit machten rund 15 Prozent aus.

Werbung für Standort

Eine gut organisierte WM und ein entsprechender Erfolg der eigenen Mannschaft könne sicher Werbung für den Standort Brasilien sein und auch zu mehr Zusammenhalt und Stolz in der Bevölkerung beitragen – ähnlich habe Südafrika von der Fussball-WM profitiert. «Die Ausrichtung eines Grossevents ersetzt aber keine gute Wirtschaftspolitik», sagte Quitzau. Brasiliens Chancen auf den Titelgewinn seien jedenfalls grösser als eine schnelle Lösung seiner wirtschaftlichen Probleme. (rub/sda)

(Erstellt: 13.05.2014, 23:05 Uhr)

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Mit Geldstrafen gegen Flughafen-Chaos

Gut vier Wochen vor Beginn der Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien schlagen die Behörden Alarm. Zahlreiche Flughäfen werden nicht rechtzeitig zu Turnierbeginn fertig. Jetzt drohen den Fluggesellschaften hohe Geldstrafen. Mit den Bussen wollen die Behörden chaotische Zustände an den zum Teil noch unfertigen Flughäfen der Spielorte verhindern. Brasilianische und internationale Airlines und die Betreiber von Privatflugzeugen müssen etwa bei Verspätungen bis zu 40'000 Dollar Strafe zahlen, wie die Luftfahrtbehörde ANAC mitteilte. Auch andere Verstösse gegen die Start- und Landerechte sollen künftig strikt geahndet werden, etwa wenn die Airlines einen vorher reservierten Slot nicht nutzen. Slots sind Zeitnischen, die einer Fluggesellschaft den Start oder die Landung ihrer Maschine zu einer bestimmten Uhrzeit an einem bestimmten Ort erlauben. Brasilianische Piloten können bei Verstössen gegen die neuen Regeln für 180 Tage ihre Lizenz verlieren. Die Fluglinien riskieren sogar den Verlust aller Slots bis zum Ende der WM.


An den 88 Flughäfen Brasiliens werden während der WM vom 12. Juni bis 13. Juli rund 600'000 ausländische Touristen und drei Millionen brasilianische Fans erwartet. Es wird damit gerechnet, dass mindestens fünf der zwölf WM-Städte die versprochenen Erweiterungen ihrer Flughäfen nicht termingerecht abschliessen werden. (sda)

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