Wirtschaft

So steht es um den Einkaufstourismus

Aktualisiert am 09.01.2013 169 Kommentare

Das dominierende Thema im Schweizer Detailhandel sind die wachsenden Einkäufe von Herr und Frau Schweizer im billigeren Ausland. Doch der Einkaufstourismus funktioniert laut einer Studie nicht nur in eine Richtung.

1/5 Einzugsgebiete grenznaher Supermärkte im Lebensmittelbereich. Die Farben kennzeichnen Autofahrzeiten. Von dunkelrot: weniger als 10 Minuten, bis hellgelb: mehr als 60 Minuten. (Grafik: Credit Suisse, Quellen BfS, Geostat, DDS, CS Economic Research)

   

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Trotz Frankenstärke konnte sich der Detailhandel im letzten Jahr insgesamt vom Negativtrend im Jahr 2011 erholen, schreibt die Credit Suisse (CSGN 29.13 1.11%) (CS) in ihrer neusten Branchenstudie. Die Autoren des «Retail Outlook 2013» gehen gar von einem real beachtlichen Wachstum von über 3 Prozent aus (nominal knapp 1 Prozent).

Angesichts des «grassierenden Einkaufstourismus» und der in der Geschichte des Schweizer Detailhandels «einmaligen» Preiserosion sei dieses Wachstum bemerkenswert. Denn die Preise gingen wie bereits in den drei vorangehenden Jahren erneut zurück, und zwar um «weit über 2 Prozent». 2013 soll damit aber weitgehend Schluss sein.

Wachstum von rund 25 Prozent

Trotz sinkender Preise im Inland kauften die Schweizer 2012 erneut massiv mehr Waren im grenznahen Ausland ein. Gestützt auf die Daten der deutschen Zollämter in Singen und Lörrach schätzen die Experten der CS einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 27 Prozent. Die Autoren gehen davon aus, dass knapp drei Viertel der Schweizer Bevölkerung mit dem Auto in 60 Minuten oder schneller einen ausländischen Supermarkt erreichen kann, 31 Prozent sogar in 30 Minuten. Mit Ausnahme der Agglomerationen Bern und Luzern befänden sich die grössten Ballungszentren der Schweiz im «Sog» der grenznahen Supermärkte.

Insgesamt könnte sich das Volumen des Einkaufstourismus im letzten Jahr auf 5 bis 6 Milliarden Franken belaufen haben. Mehr als die Hälfte dieses Kaufkraftabflusses sei nach Deutschland geflossen. Im Jahr davor lag die Schätzung noch bei 4 oder 5 Milliarden. Die Autoren verweisen aber auf die dünne Datenlage, auf der die Schätzungen beruhen.

Nachteil Ladenöffnungszeiten

So rechnete die IG Detailhandel im letzten Jahr mit Schweizer Einkäufen im grenznahen Ausland von 6 bis 8 Milliarden Franken. Die Interessengemeinschaft des Detailhandels ist dabei, mittels einer Studie das Volumen genauer abzuschätzen.

Im Nachteil seien die Schweizer Anbieter gegenüber dem Ausland auch bei den Ladenöffnungszeiten, insbesondere am Wochenende, schreiben die Ökonomen. Allerdings seien Einkäufe in der Nähe nach wie vor ein grosses Kundenbedürfnis. Aufgrund der steigenden Preise im Ausland und des stabilen Eurowechselkurses dürfte sich der Einkaufstourismus 2013 auf hohem Niveau stabilisieren, heisst es.

Touristen und Zuwanderer sorgen für Wachstum

Die CS-Experten weisen darauf hin, dass Einkaufstourismus nicht nur in eine Richtung funktioniert. So sei das Wachstum bei der Warengruppe Uhren und Schmuck im Schweizer Detailhandel seit Jahren überdurchschnittlich: Besonders in Luzern und Genf werden die Uhrenläden von ausländischen Touristen gestürmt.

Der grösste Wachstumstreiber des hiesigen Detailhandels sei aber die Zuwanderung. Ihr Wachstumsbeitrag liege vermutlich über den 1,1 Prozent des Bevölkerungswachstums, da mit dem Umzug zusätzliche Ausgaben verbunden seien. Die Schweizer Händler dürfen, auch wegen der anhaltenden Einwanderung, auch in diesem Jahr auf einen Umsatzanstieg hoffen. Laut der Studie wird das Wachstum mit rund 1,5 Prozent dem Durchschnitt der letzten Jahre entsprechen.

So budgetieren denn auch 62 Prozent der befragten Detailhändler und Lieferanten für 2013 einen Umsatzanstieg. Nur knapp die Hälfte geht auch von steigenden Gewinnen aus. Das ist laut Studie ein Zeichen dafür, dass die Preissenkungen der letzten Jahre auf den Margen lasten. (rub)

Erstellt: 09.01.2013, 11:08 Uhr

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169 Kommentare

Fabian Zeiter

09.01.2013, 11:21 Uhr
Melden 754 Empfehlung 76

Ich müsste nicht ins Ausland einkaufen zu gehen, wäre mein alter Job nicht mit einem weniger verdienenden Ausländer neu besetzt worden.
Globalisierung, resp. bilaterale Verträge, funktionieren in beide Richtungen. Nicht nur kann die Schweizer Wirtschaft uns Schweizer Arbeitsnehmer mit Ausländer ersetzen, auch wir können die Schweizer Wirtschaft mit ausländischer Wirtschaft ersetzen.
Verlierer ist zwar die Schweiz, doch es war ganz klar die Wirtschaft, welche damit angefangen hat.
Antworten


Kurt Koller

09.01.2013, 11:21 Uhr
Melden 413 Empfehlung 50

Gebetsmühlenartig wird immer wieder erwähnt, was wir alles der Zuwanderung zu verdanken haben. Auch Bevölkerungswachstum dank Zuwanderung etc.! Antworten



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