«Sonst hänge ich den Job an den Nagel»

Privatbankier Konrad Hummler greift in die Debatte um gestohlene Kundendaten ein und sagt, wo für ihn das Entgegenkommen gegenüber dem Ausland ein Ende hat.

Bis hier und nicht weiter: Konrad Hummler will keinen automatischen Informationsaustausch.

Bis hier und nicht weiter: Konrad Hummler will keinen automatischen Informationsaustausch.
Bild: Keystone

«Diese Panik ist Wahnsinn. Was ist schon passiert?», fragte Hummler. Deutschland spreche von 1500 Bankdatensätzen. Ob es die gebe, und wenn, in welcher Qualität, wisse niemand. Trotzdem bringe die Landesregierung von sich aus den Informationsaustausch ins Spiel. «Bern hat den Kopf verloren», sagte Konrad Hummler im Interview der «SonntagsZeitung». Der Bundesrat habe keine kohärente Position. «Das macht uns angreifbar und hat zum Dammbruch geführt», kritisierte Hummler. Die Drohung einer UBS-Schliessung in Amerika sei leer gewesen. Das wäre wie eine Atombombe auf ein Papierschiffchen gewesen, wie Hummler sagte. Jedenfalls mache das Ende des Steuergeheimnisses den Grossbanken am wenigsten zu schaffen. Die könnten Schwarzgeld immer noch in Singapur oder sonstwo verstecken.

Um aus der Datenklau- und Erpressungsspirale herauszukommen, falle ihm auch nur die Abgeltungssteuer ein. Wer vom automatischen Informationsaustausch schwafle, habe hingegen keine Ahnung. Bei der Abgeltungssteuer treibe die Schweiz die Steuer ein, dafür würden die Taten des Kunden verjähren. So einfach wäre das, sagte Hummler. Doch offenbar freuten sich dunkle Kräfte über die Kriminalisierung ihrer Bürger. Dabei gehe es auch um Vermögen aus den Kriegsjahren. «Wollen wir etwa Gelder, die vor den Nazis versteckt wurden, heute kriminalisieren?», frage Hummler. Er akzeptiere Amtshilfe bei Steuerhinterziehung und sonst nichts. «Nie werde ich bereit sein, den Status eines Steuerzahlers zu überprüfen. Sonst hänge ich den Job an den Nagel», sage Hummler.

Zur Frage, ob es andere Bundesräte brauche, um den von der EU verlangten gläsernen Bankkunden abzuwenden, sagte Hummler: «Ich bin kein Freund vom Köpferollen. Doch jetzt nimmt die Substanz des Finanzplatzes Schaden, und niemand ganz oben ruft 'Mannschaft daher, sammeln!'.» Damit habe er allmählich echte Mühe. Statt in Ruhe die Lage zu analysieren, reagiere der Bundesrat wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen.

Abgeltungssteuer kommt nicht gut an

Laut einem Bericht der «SonntagsZeitung» hatte Bundesrat Hans-Rudolf Merz Deutschland die Abgeltungssteuer vorgeschlagen. Diese Steuer auf ausländischen Vermögen ist als Alternative zur Aufgabe des Bankgeheimnisses gedacht. Die Deutschen setzen aber darauf, dass die Schweiz ­unter dem EU-Druck sowieso den automatischen Austausch von Bankkunden-Informationen übernehmen muss.

Nun fordern  Politiker, die unversteuerten Schwarzgelder auf Schweizer Banken müssten nach dem Liechtensteiner Vorbild legalisiert werden. Nach der Linken ist auch SVP-Stratege Christoph Blocher für diese Lösung. Und CVP-­Präsident Christophe Darbellay bezeichnet das gegenüber der «SonntagsZeitung» als «klugen Ausweg aus dem Schlamassel».

(cpm/ap)

Erstellt: 07.02.2010, 18:15 Uhr


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