Stirbt der Skifahrer aus?

Laut Klimaforschern soll die Durchschnittstemperatur bis Ende Jahrhundert um bis zu fünf Grad ansteigen. Der Wintersport dürfte es künftig schwer haben. Die Skigebiete bereiten sich entsprechend vor.

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Der Schnee ist da – in Massen, und das rechtzeitig zum Start der Wintersaison. Doch in den letzten Jahren war das nicht immer der Fall, und in den kommenden Jahren soll es vermehrt zu Schneemangel im Winter kommen. Laut Klimaforschern wird die Durchschnittstemperatur bis Ende dieses Jahrhunderts in der Schweiz um vier bis fünf Grad steigen. Die Skigebiete werden zunehmend unter Schneemangel leiden und somit unter ausbleibenden Wintersportgästen.

«Vor allem Skigebiete in tieferen Lagen müssen sich fragen, ob es sich lohnt, weiter in ihren Betrieb zu investieren.» Dies sagt Christophe Clivaz, Professor für Tourismuspolitik am Institut Universitaire Kurt Bösch (IUKB) bei Sion VS, gegenüber der «Tribune de Genève» (Artikel online nicht verfügbar). Wenn die stadtnahen Skigebiete keinen Schnee mehr hätten, würden die Städter noch weniger Ski fahren. «Viele Kinder erlernen den Wintersport nicht mehr – sogar solche aus dem Wallis», zeigt sich Clivaz besorgt.

Kunstschnee allein bringt noch keine Gäste

Was sollen die Skigebiete also tun, wenn das «weisse Gold» vermehrt ausbleibt? Zum Beispiel den Sommertourismus ausbauen, um neue Kundensegmente zu erschliessen. Dies schlagen Tourismusregionen aus der Schweiz, ihren Nachbarländern und Slowenien vor, die bei einem Projekt der Europäischen Union (siehe Box) teilnahmen. In diesem erarbeiteten die Teilnehmer Lösungsvorschläge für Zeiten mit Schneemangel. Die Schweiz war mit den Tourismusregionen Aletsch, Obere Surselva und Heidiland/Pizol vertreten. Bei der kürzlichen Präsentation der Vorschläge in Bern lautete der allgemeine Tenor, dass es mit Kunstschnee allein nicht getan sei. Es brauche mehrere Lösungsansätze.

So haben die am Projekt Beteiligten weitere Vorschläge eingebracht. Sie sind jedoch wenig spektakulär: Sie reichen von der Verbesserung des Wellness- und Veloangebots über sicherere Wanderwege bis hin zur Nutzung von Staumauern für Kletterer. Zudem sollen die Skiregionen stärker zusammenarbeiten, sind sich Vertreter aus der Surselva einig. Damit sind sie bereits daran, den Worten Taten folgen zu lassen: Das gemeinsame Skigebiet mit Andermatt, das im Zuge von Samih Sawiris’ Resort in Andermatt geplant ist, ist in Weiterentwicklung.

Noch viel Entwicklungspotenzial im Sommertourismus

Etwa im Aletschgebiet wurden konkrete Massnahmen erarbeitet, wie die Branchenzeitung «Hotelrevue» berichtet. So soll bei der Kunstschneeproduktion die Wasser- und Energieeffizienz verbessert werden – mittels Computerprogrammen, die sich auf Wetterprognosen und Gästeaufkommen stützen. Zudem sollen entlang dem Aletschgletscher ein Themenpfad mit kulinarischen Attraktionen gestaltet und ein Infoprogramm für Primarschulen angeboten werden.

«Die Verantwortlichen vor Ort wollen den Wintertourismus beibehalten, aber gleichzeitig die Besucherzahlen beim Sommertourismus steigern», sagt Professor Clivaz in der «Tribune de Genève». Auch wenn nicht alle Beteiligten an den Sommertourismus glaubten, gebe es hier noch viel Entwicklungspotenzial. «Schauen Sie etwa den Erfolg der Suonen-Wanderwege im Wallis an.» (or)

(Erstellt: 11.12.2012, 16:50 Uhr)

Das EU-Projekt zum Klimawandel im Alpenraum

Das europäische Projekt Clim-Alp-Tour befasst sich seit 2008 mit der Frage: Wie soll und kann sich der Tourismus in den Alpen dem Klimawandel anpassen? Destinationen, Hochschulen sowie öffentliche und private Institutionen erarbeiteten dazu in Workshops Lösungsvorschläge.

Beteiligt an diesem Projekt der Europäischen Union waren 21 Tourismusregionen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Slowenien. Aus der Schweiz nahmen die Regionen Aletsch, Obere Surselva und Heidiland/Pizol teil, ebenso die Institutionen HTW Chur, die Hochschule für Technik Rapperswil, die Fachhochschule Westschweiz HES-SO und das Institut Universitaire Kurt Bösch (IUKB) bei Sion. Die Schweiz beteiligte sich mit 250'000 Franken am Projekt, finanziert von Bund und Kantonen.

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