Sunrise und Orange mit Einheitsnetz?

Von Angela Barandun. Aktualisiert am 21.10.2009 12 Kommentare

Die beiden Anbieter nähern sich bei der Zusammenlegung ihrer Handynetze. Damit könnten sie Dutzende von Millionen Franken sparen. Bis zu 2000 Antennen in der Schweiz würden überflüssig.

Sendemast hinter einem Einfamilienhaus in Bassersdorf.

Sendemast hinter einem Einfamilienhaus in Bassersdorf. (Bild: Keystone)

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Sunrise und Orange führen seit Anfang Jahr «konkrete Gespräche» über eine Zusammenarbeit. Dabei geht es allerdings nicht um eine Fusion, wie seit Jahren immer wieder spekuliert wird, sondern um die Zusammenlegung der Netze. Das bestätigte Olaf Swantee, der beim Orange-Konzern für das weltweite Mobilfunkgeschäft verantwortlich ist, an einer Branchenveranstaltung in Biel. Seit Beginn der Gespräche habe man «klare Fortschritte» erzielt, sagt Swantee. Gleichzeitig erteilte er den seit Jahren immer wieder kursierenden Fusionsgerüchten eine Absage: «Für einen vollständigen Zusammenschluss gibt es derzeit keine Pläne.»

Dabei ist die Aussicht auf ein gemeinsames Netz schon spektakulär genug. Dadurch würde eine grosse Zahl von Mobilfunksendern überflüssig, sagt Sunrise-Chef Christoph Brand: «Wir sprechen von rund 2000 Antennen, die im ganzen Land eingespart werden könnten.» Heute verfügt Sunrise über knapp 3500 Sender, bei Orange sind es etwa 4000. Mit einem gemeinsamen Netz könnte man also mehr als jede vierte Antenne einsparen. Die meisten davon wahrscheinlich auf dem Land; in den Städten stossen viele Antennen bereits heute an ihre Kapazitätsgrenzen.

Ersparnis dank Einheitsnetz

In Agglomerationen ist der Bau einer neuen Antenne aufgrund der Gegenwehr der Bevölkerung oft langwierig und mühsam. Sunrise, die kürzlich den Bau «Hunderter neuer Antennen» angekündigt hat, könnte sich das dank einem Einheitsnetz vielleicht ersparen.

Ein gemeinsames Netz würde gleichzeitig die Kosten für den Betrieb senken. Heute haben Sunrise und Orange einen Wettbewerbsnachteil, weil sie eine viel schlechtere Kostenstruktur aufweisen als die Swisscom. Letztere kann den Aufwand, den ein lückenloses Handynetz verursacht, auf über fünf Millionen Kunden verteilen. Sunrise und Orange haben ähnlich hohe Kosten, aber dreimal weniger Kunden.

Gemäss Christoph Brand ist das Sparpotenzial enorm. Es gehe um Dutzende von Millionen von Franken. «Unsere Kosten würden im hohen zweistelligen Prozentbereich sinken», sagt Brand. In einer Studie der Beratungsfirma A. T. Kearney ist sogar von einer Ersparnis von bis zu 60 Prozent die Rede – bezogen auf Europa. Die Schweiz ist allerdings auch hier ein Spezialfall: Aufgrund der strengen Strahlenschutzbestimmungen bestehen die Handynetze aus mehr, dafür schwächeren Antennen als üblich. Zudem werden Antennenstandorte in der Schweiz aufgrund einer gesetzlichen Vorgabe zum Teil bereits gemeinsam genutzt.

Kostendruck drängt Anbieter

Die Kostenersparnis dürfte für Sunrise und Orange der Hauptgrund für eine Zusammenarbeit sein. Nicht nur, was die laufenden Kosten betrifft, sondern vor allem in Hinblick auf die nächste Generation von Mobilfunknetz. Heute ist nicht klar, ob die internationalen Mutterkonzerne von Sunrise und Orange bei der aktuellen Marktsituation bereit sind, noch einmal Hunderte von Millionen, vielleicht gar Milliarden Franken in ein neues Handynetz zu investieren. Bei einer gemeinsamen Finanzierung wären die Chancen deutlich realistischer.

Auch in Resteuropa geht die Entwicklung in diese Richtung. Vodafone hat im Frühling bekannt gegeben, sein Netz in Deutschland, Spanien, Irland und Grossbritannien mit der spanischen Telefónica zusammenzulegen. Orange plant in England zudem ein Zusammengehen mit T-Mobile, was auch zu einem Einheitsnetz führen würde.

Erster Schritt bereits gemacht

Die Zusammenarbeit war bereits letzten Sommer von den Regulierungsbehörden angestossen worden. Marc Furrer, Chef der Kommunikationskommission (Comcom) und Martin Dumermuth, Chef des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom), hatten wiederholt betont, dass die Hindernisse bei den Handykonzessionen, die derzeit eine solche Zusammenlegung verhindern, leicht beseitigt werden könnten. Dem TA sagte Dumermuth: «Wenn die Mobilfunkbranche das wünscht, wäre das kein Problem.» Damals hatte sich Orange noch quergestellt: «Als wirklich erfolgversprechend erachten wir nur den Zugang aller zu allen Netzen.»

Obwohl ein gemeinsames Netz nicht zum ersten Mal diskutiert wird, sagt Brand: «So weit wie jetzt waren wir noch nie.» Trotzdem betonen beide Parteien, dass noch nichts entschieden ist. Ein halber Schritt auf dem Weg zum gemeinsamen Netzt ist indes schon seit einer Weile getan. Orange und Sunrise haben den Unterhalt ihrer Handynetze an den gleichen Partner ausgelagert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2009, 06:40 Uhr

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12 Kommentare

Martin Waeber

21.10.2009, 11:26 Uhr
Melden

@ Tom Müller. Bei Mobilnetz trifft diese Aussage ("noch von PTT erstellt ...") nicht zu. Antworten


Cedric Gehrer

21.10.2009, 10:58 Uhr
Melden

Würd mich ja ernsthaft wundern, wenn die Weko das durchwinkte... Das Problem in der Schweiz ist nicht die übermächtige Swisscom, sondern die Politik, die die Swisscom aus falschverstandenem Heimatschutz so übermächtig belässt!! Anstatt endlich ein zeitgemässes Telekom-Recht zu erlassen, lässt man die Swisscom sich ihre Konkurrenten weiterhin mit jahrelangen Verfahren vom Leib halten. Antworten



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