Wirtschaft

Tessiner Bankiers drohen Italien mit Sanktionen

Aktualisiert am 14.10.2009

Die Tessiner Bankiers wollen der italienischen Offensive auf ihren Finanzplatz nicht tatenlos zusehen. Claudio Generali, der Präsident der Tessiner Bankiervereinigung (ABT), plädiert dafür, den Geldhahn für Italien zuzudrehen.

Das Tessin solle den Beitrag aus der Quellensteuer für Grenzgänger, der an Italien überwiesen werde, reduzieren, sagte Generali am Mittwoch gegenüber dem Radio der italienischsprachigen Schweiz (Rete 1). Diese Massnahme würde in den italienischen Grenzgebieten zu einem Aufschrei führen und die dortigen Politiker veranlassen, in Rom zu intervenieren.

Die Tessiner Bankiers stören sich daran, dass die italienische Steueramnestie von «verbalen Raketen» begleitet wird, wie Generali sagt. Der Bund müsse in Rom auf diplomatischer Ebene gegen diese Verunglimpfungen intervenieren.

Beim Staatsrat vorgesprochen

Vertreter der ABT sprachen am Mittwoch zusammen mit der Stadtregierung von Lugano beim Tessiner Staatsrat vor. Bei dem Treffen ging es darum, eine Strategie gegen die italienische Steueramnestie zu entwickeln.

Ob die Tessiner Regierung aktiv wird, bleibt abzuwarten. Auf Anfrage wollte sich kein Regierungsmitglied zum Inhalt der Gespräche und zum weiteren Vorgehen äussern.

Viele der 15'000 Angestellten des Tessiner Finanzplatzes sind beunruhigt, weil der italienische Finanz- und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti erklärt hatte, Ziel der Offensive sei es, «den Bankenplatz Lugano trockenzulegen».

Wie viele italienische Kunden ihre im Tessin versteckten Gelder legalisieren werden, ist schwer zu prophezeien. Die Schätzungen schwanken zwischen 20 und 50 Prozent.

Lega fordert Strafsteuer für Steuersünder

Giuliano Bignasca - der Lega-Präsident ist Mitglied der Luganeser Stadtregierung - geht davon aus, dass rund 40 Milliarden Franken vom Tessiner Finanzplatz abgezogen werden.

Bignasca hatte am Sonntag in seinem Parteiblatt eine Strafsteuer für reuige Steuersünder gefordert. Er plädierte dafür, dass Italiener, die von der Steueramnestie Gebrauch machen, hierzulande eine Strafsteuer bezahlen müssen.

Der Kanton Tessin solle zehn Prozent des abgeführten Betrages einziehen, forderte Bignasca. Seiner Rechnung zufolge würden damit rund vier Milliarden Franken in die Kassen des Kantons fliessen. (sam/sda)

Erstellt: 14.10.2009, 15:10 Uhr

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