Tourismus steht harter Winter bevor
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Para-Hotellerie als Krisen-Gewinnerin
Der deutliche Rückgang der Anzahl Übernachtungen hat nicht alle Akteure der Tourismusbranche getroffen. Die Para- Hotellerie konnte trotz Krise in den letzten zwölf Monaten zulegen. Schweiz Tourismus spricht von einer Verlagerung.
Für das Segment der Para-Hotellerie (Campingplätze, Ferienwohnungen, Jugendherbergen, Bed & Breakfast und Gruppenunterkünfte) werde das ausserordentliche Niveau des Jahres 2008 gehalten, meldete Schweiz Tourismus am Montag. Gewisse Anbieter würden die sehr guten Vorjahreszahlen gar übertreffen.
Dazu zählen der führende Ferienwohnungs-Anbieter Interhome, aber auch Reka, die Schweizer Jugendherbergen sowie der führende Camping- Platz-Betreiber TCS. Sie alle rechnen 2009 laut Schweiz Tourismus mit leichten Zunahmen bei den Übernachtungen.
Konkrete Zahlen legte am Montag Interhome vor. Die Gruppe verzeichnet im Geschäftsjahr 2009 gegenüber dem Vorjahr 4 Prozent mehr Buchungen für Wohnungen und Häuser. Gleichzeitig wuchs auch das Angebot.
Laut Interhome stellen in der Krise mehr Ferienhaus- und - wohnungsbesitzer ihre Immobilien für Vermietungen zur Verfügung. Nicht überraschend hat sich im Krisenjahr ein Teil der Feriengäste laut Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid zur oft günstigeren Para- Hotellerie verlagert.
Eine nachhaltige Erholung ist erst Ende 2010 in Sicht. Im Winter rechnet das Seco mit einem Rückgang der Übernachtungen um 3,7 Prozent. Gewinnerin der Krise ist die Parahotellerie mit Ferienwohnungen und Campingplätzen.
Der erwartete Rückgang der Hotelübernachtungen in der Wintersaison von November 2009 bis April 2010 um 3,7 Prozent wurde vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Montag vor allem auf das erneut kräftige Minus von 5,1 Prozent der ausländischen Nachfrage zurückgeführt. Wie schon in früheren Krisen zeigt sich die Binnennachfrage mit einem Rückgang von nur 1,9 Prozent deutlich stabiler, wie Richard Kämpf vom Seco in Zürich festhielt. Hauptgrund für das Fernbleiben der Hotelgäste ist die steigende Arbeitslosigkeit, welche die Konsumentenstimmung und speziell die Tourismusnachfrage drückt.
Ende 2010 wieder Wachstum
Die Sommersaison 2010 wird noch die Ausläufer der Wirtschaftskrise spüren und bei den Hotelübernachtungen ein abgeschwächtes Minus von 1,7 Prozent bringen, wie das Seco auf Grund einer Prognose von BAK Basel Economics festhält. Gegen Ende 2010 dürfte der Schweizer Tourismus in die Wachstumszone zurückkehren. 2011 und 2012 werden wieder Wachstumsraten von 1,9 beziehungsweise 3,9 Prozent aufweisen.
Im abgelaufenen Tourismusjahr 2009 gingen die Hotelübernachtungen um 5,7 Prozent zurück. Ein ähnlich starker Einbruch wurde seit dem Zweiten Weltkrieg erst einmal, nämlich im Tourismusjahr 1995, registriert. Allerdings war es ein Rückgang auf hohem Niveau, war doch 2008 für die Schweizer Hotellerie ein Rekordjahr. Vor allem die ausländische Nachfrage hat letztes Jahr mit Minus 7,6 Prozent einen kräftigen Dämpfer erhalten.
Schweiz Tourismus setzt auf Hüttenzauber
Eigentliche Gewinnerin der Wirtschaftskrise ist laut Schweiz Tourismus die Parahotellerie. Der Ferienwohnungsanbieter Interhome, Reka, die Schweizer Jugendherbergen und der TCS als führender Campingplatzbetreiber gehen von einer leichten Zunahme der Übernachtungen 2009 gegenüber dem Vorjahr aus. Interhome konnte die Buchungen im Jahr 2009 um rund vier Prozent steigern, wie Interhome-Chef Simon Lehmann erklärte. Immer mehr private Besitzer melden sich, die ihre Ferienwohnung oder ihr Ferienhaus über Interhome vermieten möchten. Die Krise hat auch eine markante Veränderung des Portfolios von Interhome zur Folge. Angebote im Vier- und Fünfsternbereich legten dieses Jahr um elf beziehungsweise 51 Prozent zu.
Die Schweizer Bergbahnen haben laut Seco bisher der Krise getrotzt, bekommen sie aber im Tourismusjahr 2010 zu spüren. Nachdem 2009 das herausragende Vorjahresergebnis noch leicht übertroffen wurde, wird für 2010 ein Rückgang der Verkehrserträge um 5,8 Prozent erwartet.
Schweiz Tourismus setzt in der Wintersaison 2009/2010 auf gemütlichen Hüttenzauber als Oasen der Gastfreundschaft. Für die Marketingkampagne sollen knapp 21 Millionen Franken eingesetzt werden. Zielmärkte sind neben der Schweiz auch Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande, Spanien, Britannien, Nordamerika und Russland. (tan/ap)
Erstellt: 02.11.2009, 14:40 Uhr
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