Trendwende bei Hypozinsen: Banken schlagen um 20 Prozent auf

Es ist das mutmassliche Ende einer historischen Talfahrt: Die Hypothekarzinsen sind innerhalb eines Monats bis zu 20 Prozent angestiegen. Analysten erwarten eine zusätzliche Teuerung.

Immer noch tief: Hypozinsen in der Schweiz.


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Zwei Jahre kannten die Hyposätze nur eine Richtung: nach unten. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres gab es Festhypotheken für zehn Jahre erstmals in der Geschichte für unter 1,5 Prozent. Ein Eigenheim war nie günstiger zu realisieren. Entsprechend deutlich wurde die Warnung vor einer Überhitzung des Immobilienmarktes.

Jetzt haben die Banken offenbar die Notbremse gezogen. Still und leise haben sie seit Anfang Jahr die Hyposätze erhöht: Die Kredite für Immobilien schlugen innert kürzester Zeit um bis zu 20 Prozent auf, wie ein Bankenvergleich der Zeitung «Der Sonntag» zeigt.

Langfristige Hypotheken: Nicht mehr unter 2 Prozent

Seit Anfang 2013 ist erstmals eine Gegenbewegung zu beobachten, und zwar deutlich. Der Durchschnittssatz für 5-jährige Festhypotheken betrug vorgestern Freitag 1,661 Prozent, vor einem Monat waren es noch 1,398 Prozent gewesen. Das ist zwar im langfristigen Vergleich immer noch sehr wenig. Aber: Es ist ein Anstieg innert Monatsfrist um 19 Prozent. Daniel Kalt, Chefökonom der UBS, relativiert: «19 Prozent Anstieg klingt nach viel. Doch betrachtet man das Niveau der letzten Jahre, sind wir immer noch auf einem sehr tiefen Zinssatz.»

Auch langfristige Hypotheken, die momentan sehr beliebt sind, haben aufgeschlagen. War es im Dezember noch ein Leichtes, für 10-jährige Hypotheken Sätze von unter 2 Prozent auszuhandeln, bietet nun keine namhafte Bank mehr Zinsen unter dieser Marke an (siehe Grafik). Mit Ausnahme der Onlinebank Swissquote, wo es 10-jährige Hypotheken noch immer für 1,81 Prozent gibt. Bei den Grossbanken CS und UBS, bei den Kantonalbanken und auch bei den Raiffeisen-Banken sind es jetzt aber meist zwischen 2,3 und 2,5 Prozent, gemäss den neusten Richtsätzen.

Weitere Erhöhung wird vermutet

Ökonomen stellen fest, dass die Banken die Gunst der Stunde nutzen und ihre Margen erhöhen. Das hat auch mit dem Druck zu tun, den die Finanzmarktaufsicht (Finma) und die Nationalbank auf die Geschäftsbanken ausüben: Sie monieren seit zwei Jahren, dass der Immobilienmarkt zu überhitzen drohe. Die Nationalbank erwägt zudem, beim Bundesrat die Aktivierung des sogenannten Kapitalpuffers zu beantragen. Das würde die Hypotheken nochmals verteuern. Doch auch ohne diese Massnahme gehen die Analysten der CS davon aus, dass die Sätze bis Ende Jahr um weitere 0,3 bis 0,6 Prozentpunkte steigen könnten.

Auch Kalt von der UBS kann sich vorstellen, dass sich das Niveau weiter nach oben verschieben wird. Dabei sei vieles von der Entwicklung der Eurokrise und deren Auswirkung auf den Franken-Kurs abhängig: «Die Regierung um Merkel wird jetzt keine Risiken eingehen und sich wohl bis zu den Bundestagswahlen im September durchwursteln», sagt Kalt. Eine leichte Erholung des Euroraums sei deshalb wahrscheinlich, was sich auch auf die hiesigen Hypozinsen auswirken werde.

Die Banken raten deshalb, die Gunst der immer noch tiefen Zinsen zu nutzen und die Hypotheken langfristig anzubinden: «Will jemand auf Nummer sicher gehen, sollte er nun versuchen, die Zinsen möglichst lange anzubinden. Sie befinden sich immer noch auf einem historisch tiefen Niveau», sagt Kalt. (mrs)

(Erstellt: 10.02.2013, 09:46 Uhr)

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