Wirtschaft
US-Notenbank schichtet ihre Anleihen um
Aktualisiert am 21.09.2011 21 Kommentare
Wall Street schliesst schwächer
Die Wall Street hat Aussagen der US-Notenbank Fed heute negativ aufgenommen und ihre Verluste deutlich ausgeweitet. Der Dow Jones Industrial schloss 2,49 Prozent tiefer bei 11 124,84 Punkten.
Für den breiter gefassten S&P 500 ging es um 2,94 Prozent auf 1166,76 Punkte bergab. An der Technologiebörse Nasdaq fiel die Entwicklung dank guter Zahlen von Technologieunternehmen etwas weniger schlimm aus: Der Composite-Index sank um 2,01 Prozent auf 2538,19 Punkte und der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 1,64 Prozent auf 2258,30 Punkte.
Die Währungshüter hatten den Leitzins wie erwartet bei null bis 0,25 Prozent belassen und bekräftigt, dass dieser wie bereits im August angekündigt mindestens bis Mitte 2013 auf einem «äusserst niedrigen Niveau» bleiben solle.(sda)
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Die US-Notenbank Fed setzt ihre Politik des günstigen Geldes fort, um die schwächelnde US-Konjunktur anzukurbeln. Sie werde bis Mitte kommenden Jahres 400 Milliarden Dollar in die Hand nehmen, um lang laufende Anleihen zu erwerben, teilte die Federal Reserve heute in Washington mit.
Parallel sollen aus der auf gut 2,9 Billionen Dollar aufgeblähten Bilanz der Fed kurz laufende Treasuries mit Laufzeiten unter drei Jahren im selben Umfang verkauft werden.
Fed-Chef Ben Bernanke will mit dem an die sogenannte «Operation Twist» der Notenbank von 1961 angelehnten Schritt die langfristigen Zinsen senken. Dadurch werden - so das Kalkül - Kredite tendenziell billiger. Dies soll Wirtschaft und Konsumenten helfen. Wall Street und Devisenmarkt goutierten die Aktion der Zentralbank zunächst. Im Handelsverlauf drehte der Leitindex Dow Jones jedoch wieder ins Minus. Die Rendite der zehnjährigen US- Staatsanleihe fiel auf das tiefste Niveau seit mehr als 60 Jahren.
Leitzins unverändert
Ihren Leitzins beliessen die Notenbanker bei der auf zwei Tage verlängerten Sitzung des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses wie erwartet bei 0 bis 0,25 Prozent. Die wirtschaftliche Lage bleibe schwach, vor allem der Arbeitsmarkt bereite weiterhin Sorgen, hiess es im Begleitkommentar zu dem Beschluss.
Die Achillesferse der US-Wirtschaft bleibt der Häusermarkt, wo die Krise 2007 begonnen hatte. Zusätzlich zu «Twist II» will die Fed deshalb auslaufende hypothekenbesicherte Anleihen und andere Immobilienpapiere in ihren Beständen wieder ersetzen.
Bei ihren neuen Anleihekäufen peilt die Fed vor allem Treasuries mit Laufzeiten zwischen sechs und 30 Jahren an. Abgewickelt werden sollen die Geschäfte wie immer von der New Yorker Filiale der Notenbank.
Die historische erste Operation Twist fand 1961 statt: Auch damals «drehte» die Fed ihr Anleihedepot auf längere Laufzeiten. An den Finanzmärkten war mit der «Operation Twist II» gerechnet worden. Eine echte weitere geldpolitische Lockerung - im Fachjargon QE3 genannt - war zuletzt hingegen als nicht mehr besonders wahrscheinlich erachtet worden.
Hohe Risiken
Der weitere massive Ankauf von Staatsanleihen birgt einerseits hohe Risiken. Andererseits sorgten bereits Spekulationen auf QE3 (Quantitative Easing 3) für heftigen politischen Gegenwind für Fed- Chef Bernanke. Dass die Fed handeln musste, stand jedoch selbst bei vielen Kritikern von Bernankes Kurs ausser Frage. Allerdings stimmten wie bereits bei der letzten FOMC-Sitzung drei Notenbanker gegen den Beschluss.
Anfang August hatte die Fed erklärt, sie werde wohl für zwei Jahre ihren Leitzins bei faktisch null Prozent belassen. Dieses Mal bekräftigte Bernanke dieses Versprechen, welches bei vielen Fachleuten und in der Politik für Kopfschütteln gesorgt hatte.Die Fed stemmt sich mit ihren Massnahmen gegen eine sich abzeichnende deutliche Abkühlung, wenn nicht gar eine neue Rezession in den USA in den nächsten Monaten.
Hinzu kommt der schwache Arbeitsmarkt. Derzeit finden gut 14 Millionen US-Amerikaner, die arbeiten wollen, keinen Job. US- Präsident Barack Obama hatte deshalb kürzlich ein milliardenschweres Konjunkturprogramm angekündigt.
(wid/sda)
Erstellt: 21.09.2011, 23:46 Uhr
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21 Kommentare
Das ist doch genau das Rezept, mit dem Banken arbeiten: Teure langfristige Kredite mit billigem kurzfristigem Geld finanzieren. Das geht so lange gut, als kurzfrisitges Geld am Markt verfügbar ist. Und genau dieses Vorgehen führte nun zur Finanzkrise. Was wenn der Makrt plötzlich keine US Staatsanleihen mehr absorbieret? Immerhin sind die USA schlimmer verschuldet als Griechenland... Antworten
Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Schraubt man am Preis rum, hat das Auswirkungen.
Der künstlich tief gehalten Zins führt dazu, das zuwenig Kredit für die Wirtschaft zur Verfügung steht. Ist logisch, erkennt aber selten jemand. Kredit geht somit nur an Teilnehmer, die es sich leisten können: Staaten und Banken. Die können es sich leisten, weil sie gratis Geld bekommen.
Bankster!
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