US-Starökonom: Die USA sind bankrott

Der weltgrösste Rentenfonds trennte sich von allen US-Staatsanleihen. Fast gleichzeitig warnte der Ökonom Laurence Kotlikoff, dass die Schuldenkrise in den USA schlimmer sei als in Griechenland.

Das Schuldengewitter trifft auch die einzelnen amerikanischen Bundesstaaten: Nevada - hier die Casinostadt Las Vegas - kann 2011 fast die Hälfte seines Budgets nicht finanzieren. Und die Schulden steigen laufend.

Das Schuldengewitter trifft auch die einzelnen amerikanischen Bundesstaaten: Nevada - hier die Casinostadt Las Vegas - kann 2011 fast die Hälfte seines Budgets nicht finanzieren. Und die Schulden steigen laufend.

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Die USA rechnen in diesem Jahr mit einem Haushaltsdefizit von etwa 1,5 Billionen Dollar. Und die Staatsschulden der USA liegen bei rund 14 Billionen – das sagt die offizielle Statistik. Das ist aber offenbar nicht die ganze Wahrheit: Nach Ansicht des angesehenen US-Ökonomen Laurence Kotlikoff beträgt der Schuldenberg der USA über 200 Billionen Dollar. Er macht jedoch eine ganz eigene Rechung, um die Schulden zu ermitteln.

Kotlikoff warnt schon seit einiger Zeit vor einem Finanzkollaps der grössten Volkswirtschaft der Welt. Der Ökonomieprofessor der Boston University sagt wiederholt, dass «die USA bankrott sind». Dies hat er vor zwei Tagen an einem Anlass der Privatbank Wegelin bekräftigt, wie die «Neue Zürcher Zeitung» berichtet.

Dass die USA immer tiefer in die Schuldenkrise schlittern, befürchtet offensichtlich auch der weltgrösste Rentenfonds Pimco. Der Fonds trennte sich gemäss Angaben vom Mittwochabend komplett von seinen Beständen an US-Schuldenpapieren. Es sei ein massiver Wertverlust bei den amerikanischen Staatsanleihen zu erwarten, meldeten Nachrichtenagenturen. Der Schritt von Pimco ist ein neuer Beleg dafür, dass sich die Finanzmärkte nicht nur über die Schuldenkrise in Europa grosse Sorgen machen. Auch der gigantische Schuldenberg der USA rückt zunehmend ins Bewusstsein.

Altersvorsorge funktioniert wie Schneeballsystem

Am Anlass der Bank Wegelin sagte Kotlikoff, dass die USA schlechter dastünden als Griechenland. Die fiskalische Lücke der USA sei – im Vergleich zum Bruttoinlandprodukt – grösser als in Griechenland. Um die Lücke im Staatshaushalt zu schliessen, müssten die Steuern in den USA um 77 Prozent erhöht werden.

Wie kommt Kotlikoff auf einen Schuldenberg von rund 200 Billionen Dollar? In seiner Rechnung berücksichtigt Kotlikoff unter anderem die ungedeckten Verbindlichkeiten des Sozial-, Gesundheits- und Rentensystems der USA. Auf Grund der demografischen Entwicklung in den Industriestaaten vergleicht Kotlikoff laut «NZZ» die Altersvorsorge mit einem Schneeballsystem. Das Pensionssystem funktioniere nur, wenn es genügend Junge gebe, die die Renten der Alten finanzieren könnten. Irgendwann gelinge das nicht mehr, und das System breche in sich zusammen.

Die USA hätten diesen Punkt erreicht, sagte Kotlikoff laut dem Bericht weiter. Dabei zog er eine Analogie zu den Betrügern wie Charles Ponzi und Bernard Madoff. «Der Kollaps des Ponzi-Schemas in den USA könnte eine noch grössere Finanzkrise nach sich ziehen als die letzte», wird der amerikanische Ökonom zitiert. (vin)

(Erstellt: 11.03.2011, 13:43 Uhr)

Den Schuldenberg der USA beziffert er auf 200 Billionen Dollar: Laurence Kotlikoff (Ökonom an der University Boston).

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