Wirtschaft

«Um 10.12 Uhr war es so weit»

Interview: Matthias Chapman. Aktualisiert am 06.09.2011 110 Kommentare

Ganze zwölf Minuten dauerte es heute Morgen, bis die Nationalbank den Franken-Euro-Kurs auf 1.20 gestemmt hatte. Wie funktioniert das eigentlich? UBS-Experte Thomas Flury erklärt den Währungspoker.

Um 10.00 Uhr gab die SNB ihren Entscheid bekannt, um 10.12 Uhr lag der Kurs bereits über 1.20 Franken pro Euro: Tagesverlauf des Franken-Euro-Kurses.

Euro (EUR/CHF)


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«Wir waren vom Zeitpunkt überrascht»: UBS-Währungsexperte Thomas Flury.

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Die SNB-Aktion ist das Hauptthema an den Märkten: Händler an der Frankfurter Börse.

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Herr Flury, wie lange dauerte es heute Morgen von der Ankündigung der SNB (SNBN 1089 2.06%) bis zum Erreichen der 1.20-Franken-Marke?
Rund 12 Minuten. Um 10 Uhr gab die Nationalbank die Untergrenze von 1.20 Franken bekannt. Um 10.12 Uhr war es so weit.

Für wie viele Milliarden Franken musste die SNB in diesen 12 Minuten Euro kaufen?
Das lässt sich nicht sagen. Das ist eine Gleichung mit zu vielen Unbekannten.

Ex-Banker und SVP-Nationalrat Hans Kaufmann hat kürzlich davon gesprochen, dass die SNB für das Halten eines bestimmten Ziels «Hunderte von Milliarden Franken» ausgeben müsse. Ist das etwa der Rahmen für die nächsten Monate?
Vielleicht 70 Milliarden, vielleicht 700 Milliarden. Wir wissen es wirklich nicht. Wichtig ist: Je grösser die Überzeugungskraft der Nationalbank, dieses Ziel zu verteidigen, desto weniger Mittel muss sie dafür einsetzen.

Wie reagierten Sie, als um 10 Uhr die Ankündigung der SNB kam?
Wir waren vom Zeitpunkt überrascht. Die letzten Tage war es ruhig, es kamen keine Signale von der Nationalbank. Aber vielleicht hat gerade dieses Überraschungsmoment der SNB geholfen.

Wie meinen Sie das?
Händler, die in den letzten Tagen erneut auf einen fallenden Euro-Franken-Kurs gesetzt haben, wurden gestoppt. Die mussten sofort verkaufen. Möglich, dass sich die Nationalbank dieses Stemmen auf 1.20 dadurch vereinfacht hat.

Die Nationalbank will nun keinen Kurs mehr unter 1.20 Franken pro Euro zulassen. Macht sie das über 24 Stunden am Tag?
Davon können wir ausgehen. Als die Nationalbank 2009/2010 am Devisenmarkt interveniert hat, hat sie teilweise auch mit eigenen Händlern in der Nacht den Kurs gehalten.

Macht die Nationalbank das jetzt mit eigenen Devisen-Teams?
Die Nationalbank hat eigene Devisenhändler. Und diese haben Zugang zum sogenannten Electronic Brokerage System. Da kann sich die Bank auch erkennbar zeigen. Möglich, dass dadurch etwas Wirkung erzielt wird. Ganz nach dem Motto, «die ziehen das wirklich durch». Teilweise werden aber auch SNB-Aufträge von der Bank für internationalen Zahlungsverkehr in Basel (BIZ) durchgeführt.

Wenn sich die Bank als Käufer von Euro erkennbar zeigt, dann lässt sich doch abschätzen, wie viel Euro sie heute schon gekauft hat.
Nein. Für die anderen Händler sind einzelne Aufträge erkennbar, aufaddieren lässt sich das aber nicht.

Braucht es eine bestimmte Strategie, um diese Untergrenze von 1.20 Franken zu halten?
Das denke ich nicht. Es ist durchaus vorstellbar, dass sie das durch einen Dauerauftrag macht.

Also Computer lösen immer dann Aufträge aus, wenn der Kurs unter 1.20 Franken zu fallen droht.
Ja.

Wie lange wird die Nationalbank dies durchziehen?
Sie wird die Lage immer wieder neu beurteilen müssen. Solange aber die Eurozone die Schuldenkrise nicht bewältigt hat, wird es für die Nationalbank in dieser Sache keine Ruhe geben.

Das kann noch Jahre dauern.
Ja.

Die politische Linke sagt, die Untergrenze von 1.20 Franken sei ein erster Schritt. Sie wünscht Schritte bis auf 1.40 Franken. Ist das vorstellbar?
Im Moment sicher nicht. Jetzt stehen wir bei 1.20 Franken, das ist für viele Unternehmen in der Schweiz ein wichtiger Schritt. Sie können nun das Budget für das nächste Jahr aufgrund einer verlässlichen Zahl aufstellen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.09.2011, 17:33 Uhr

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110 Kommentare

Daniel Schmid

06.09.2011, 15:30 Uhr
Melden 48 Empfehlung

Schön! Droht der Euro zu fallen, kaufen automatisierte Systeme wie wild Euros ein, um den Kurs zu halten. Geht der Euro trotzdem den Bach runter, kauft sich die NB dumm und dämlich und die Schweiz kann sich in die Reihe der verschuldeten Staaten eingliedern Antworten


peter meier

06.09.2011, 15:49 Uhr
Melden 45 Empfehlung

Juhui, die Oberschicht haben wieder gewonnen und wir unten im Keller, beim Arbeitenden Volk wird gekürzt und gespart. Juhui. Antworten



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