Und es gibt sie doch: Aktien, die 2008 an Wert zulegten
Von Martin Vetterli. Aktualisiert am 31.12.2008 3 Kommentare
Selten hatte der letzte Woche 90 Jahre alt gewordene Helmut Schmidt so viel Zustimmung für seine gefürchteten Sprüche: «Die Aktienbörsen werden im Wesentlichen von Psychopathen bevölkert», sagte er einmal. Im Moment dürfte es schwierig sein, dem deutschen Alt-Kanzler zu widersprechen. Zumal die Nähe zum psychisch Krankhaften auch bei von der Börse besessenen Beobachtern als Leitmotiv dient.
So lautet ein Bonmot des Börsengurus André Kostolany: «Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten oder mehr Idioten als Aktien.» Offenbar fanden sich dieses Jahr nur wenige Wahnsinnige auf dem Parkett ein. Die grossen Indizes brachen regelrecht weg. Auch in der Schweiz: Der SMI verlor 35,6 Prozent, der breitere SPI 34,8 Prozent. Nur zweimal, 1931 und 1974, war die Bilanz noch miserabler ausgefallen.
Bloss eine statistische Ausnahme?
Zumindest lässt ein Blick in die Bücher der Statistiker Hoffnung aufblitzen: Seit 1926 gab es zwar 25 Minus-Jahre, doch nur neunmal bildeten sich die Kurse zwei Jahre in Folge zurück. Viermal gab es drei Minus-Jahre hintereinander. Und zweimal dauerte die Durststrecke vier Jahre. Doch solch unsichere Gewissheiten sind derzeit wenig geeignet, Vertrauen zu bilden.
Aber auch in dunkler Nacht leuchten einige Sterne. Acino, die Aktie des Jahres, stellt mit einem Plus von 45,8 Prozent alles in den Schatten. Beim Basler Generika-Hersteller, der bis Mitte Jahr Schweizerhall hiess, ist Krise ein Fremdwort. Der angepeilte Jahresumsatz war nach neun Monaten erreicht. Das Zaubermittel heisst Plavix, ist seit August auf dem Markt und gehört als erstes Nachahmerprodukt der momentan bestverkauften Medikamentengruppe der Blutverdünner an.
Gesundheit vor Regionalbanken
Auf dem Podest der Jahresbesten stehen zwei weitere Aktien der Gesundheitsbranche. Auf Platz zwei der Telemedizin-Spezialist Card Guard. Im Vorjahr war sie allerdings die viertschwächste Schweizer Aktie. Zumindest ist das damalige Minus von 49,8 Prozent nun halbiert. Auf Platz drei steht mit Actelion der einzige SMI-Titel, der das Jahr im grünen Bereich abschliesst. Dahinter folgt ein Trio regionaler Banken. Valiant, die Berner und die Zuger Kantonalbank profitieren vom galoppierenden Schwund des Vertrauens in die Grossbanken.
Doch die Mehrzahl der Aktionäre hat nur Nieten im Depot. Und manchem mag ein Satz von Mark Twain in den Sinn gekommen sein: «Für Börsenspekulationen ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Oktober.»
Mehr als 80 Prozent im Minus
Spannender als die Sieger sind ohnehin die Verlierer. Und die bilden die grosse Mehrheit. Gleich um 96,6 Prozent erodierten die Kurse des Antibiotikaentwicklers Arpida, der drei Viertel seines Personals auf die Strasse stellte. Über 90 Prozent büssten der Dach-Hedge-Funds-Anbieter Gottex sowie der CD- und DVD-Maschinen-Hersteller 4M Technologies ein, der in der 5-Jahres-Wertung die rote Laterne trägt. Alle zehn Verliereraktien brachen um mehr als 80 Prozent ein. Ein Desaster.
Auch die Kurse grosser Unternehmen knickten weg: Acht der zwanzig SMI-Titel sind heute nicht einmal mehr halb so viel wert wie vor einem Jahr, so Swiss Life, UBS, Nobel Biocare, Swatch, Credit Suisse, Julius Bär, ABB und Holcim. An eine alte Devise des angeblichen Börsengrossmeisters André Kostolany mögen sie nicht mehr recht glauben: «Kauft Standardwerte und ein Schlafmittel, um das Geschehen an der Börse auf Jahre zu vergessen, egal ob es draussen donnert und blitzt.» Es müssen bessere Tage gewesen sein - oder es braucht einen Bärentöter.
360 statt 2800 Prozent im Plus
Aus Siegern werden leicht Verlierer. Das trifft auch auf Aktien zu, die im langjährigen Schnitt zu den besten zählen. So hat die Internetbank Swissquote in der Sparte der 5-Jahres-Besten zwar nur einen Rang verloren. Ein genauer Blick offenbart aber: Vor zwölf Monaten stand sie mit unglaublichen 2829 Prozent im Plus, heuer sind es noch 360 Prozent. Das gleiche Bild beim Flughafen Zürich: statt wie vor einem Jahr 906 Prozent noch 284 Prozent im Plus. Bei der Schulthess-Gruppe sind von 1313 Prozent noch 257 Prozent geblieben. Umgekehrt schaffte es die Industriegruppe Von Roll im 5-Jahres-Vergleich auf den ersten Platz. Warum? Weil die Aktie dieses Jahr nur gut 10 Prozent verlor.
Etwas mehr Konstanz sieht man bei der 10-Jahres-Bestenliste. Unter den Top Ten finden sich fünf Sieger des letzten Jahres. Und der Westschweizer Versorger Romande Energie erreichte das zweite Mal in Folge Platz eins. Noch stabiler sind aber die Verluste: Der Mobilfunkdienstleister Mobilezone ist nur noch gut einen Hundertstel so viel wert wie vor zehn Jahren. Immerhin ging es dieses Jahr nur um 13 Prozent in den Keller. Kein Trost sein dürfte auch, dass die sechs schlechtesten Aktien nur die Plätze getauscht haben. Da zeigt sich, wie recht der unbekannte Analyst hatte, als er in einem Moment philosophischer Weitsicht schrieb: «Wenn es bröckelt, bröckelt es meist nach unten.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.12.2008, 13:16 Uhr
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3 KOMMENTARE
Fehler in Ihrer Liste bezüglich mobilezone. Die mobilezone ag übernahm den Mantel der Tege Sa die vor dem Konkurs stand und benannte sie neu in mobilezone holding ag. bis 22.08.2001: Tege SA ab 23.08.2001: mobilezone holding ag
Und ab dem manisch-depressiven Auf und Ab der Börsen verdienen sich nach wie vor ein paar hundert superschlaue Spekulanten weltweit und schlucken die paar tausend Milliarden, die angeblich zur Rettung der Finanzbranche aus einem Zauberhut gezaubert wurden, auch noch weg. Also pathologisch kann man den ganzen Zirkus durchaus nennen.
Diese ganzen Prozent-Betrachtungen mögen ganz nett ausschauen, doch wird das Grosse Bild nicht betrachtet. Wer hält schon dieselben Aktien 10 Jahre in Folge, ohne jemals an einen Verkauf nachzudenken, wenn er sein Geld Ver5facht hat. Umgekehrt könnte man meinen, dass genau die Aktien, die 80% und mehr eingebüsst haben, im Aufschwung dann gleich mal um 200-300% zulegen können. Alles nur Zahlenspiel
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