Wirtschaft
Eine unmoralische Geschäftsidee
Von Janis Vougioukas, Shanghai. Aktualisiert am 20.03.2009 6 Kommentare
Chinas Banken haben den Quasi-Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems mit Schürfwunden und einigen Kratzern gerade so überstanden. Trotzdem scheinen die Goldenen Zeiten vorbei zu sein: Die Börsenblase ist geplatzt, die Immobilienmärkte sind eingebrochen, jetzt leiden auch noch die Exportfabriken.
Die Aktie der Pekinger Hua-Xia-Bank hat im letzten Jahr massiv an Wert verloren. In ihrer Not haben die Manager nach neuen Märkten und Finanzprodukten gesucht – und entdeckten die Frauen. Genauer gesagt die Zweitfrauen, Nebenfrauen, Geliebten und Mätressen.
Sie heisst «Schönes Mädchen»
Die Werbekampagne der Hua Xia Bank für die neue Kreditkarte «Schönes Mädchen» ist landesweit zum Gesprächsthema geworden – und selbst die Manager der schon seit Monaten dauerdeprimierten Finanzbranche lachen mit. Die Kreditkarte ist lila und mit dem Bild einer grossen Blüte bedruckt. In den ganz in rosa gehaltenen Zeitungsanzeigen hält ein lächelndes Model die Kreditkarte an ihren Mund. Darunter steht ein Gedicht: «Sie braucht Aufmerksamkeit, / sie liebt es, verwöhnt zu werden und braucht ihre Privilegien. / Sie mag kleine Überraschungen. / Sie versteht die Herzensgefühle: Die Hua-Xia-Schönes-Mädchen-Kreditkarte versteht das Herz einer Schönheit.»
Erstmals haben Chinas Konkubinen jetzt also auch eine eigene Kreditkarte. Tatsächlich sind Zweit- und Nebenfrauen längst ein wichtiger Zweig der chinesischen Luxusartikelindustrie geworden. Und viele wohlhabende Unternehmer und Manager investieren Vermögen in ihre ausserehelichen Beziehungen.
Liu Jinbao, damals Chef der Bank of China in Hongkong, soll seiner Mätresse Schönheitsoperationen im Wert von über vier Millionen Yuan (umgerechnet rund 440'000 Euro) bezahlt haben. Es heisst, er habe sie nach dem Vorbild einer alten Jugendliebe umoperieren lassen. Leider gehörte das Geld gar nicht Liu, sodass er später wegen Betrugs, Bestechung und Kreditmauschelei zum Tode verurteilt wurde. Das alles wird in der Anzeige natürlich nicht erwähnt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.03.2009, 04:02 Uhr
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