Wirtschaft
Unruhe im Erziehungsheim des Meteorologen
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Starke Konkurrenz
Kachelmanns Meteomedia (über 100 Angestellte, 20 Millionen Franken Umsatz) ist in Deutschland stark, wo sie vor allem für Sender aus dem ARD-Verbund das Wetterprogramm bestreitet. Im Schweizer MeteoGeschäft ist das Unternehmen ein eher kleiner Anbieter. Kachelmann und Kollegen sagen nur für zwei Lokalradios das Wetter an. Führend ist Meteo News von Kachelmanns Ex-Geschäftsführer Peter Wick. Gemäss eigenen Angaben beherrscht die Zürcher Firma mit 30 Angestellten und 3 Millionen Franken Umsatz rund zwei Drittel des Markts. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen betreibt zum Ärger der kommerziellen Konkurrenz einen eigenen Wetterdienst: SF Meteo beliefert auch Zeitungen und Lokalradios. (tok)
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Auf dem beschaulichen Schwäbrig bei Gais AR ging es wenig beschaulich zu und her, als der TV-Meteorologe Jörg Kachelmann jüngst 132 Tage lang in Untersuchungshaft sass. Im Gebäude, in dem einst «schwer erziehbare» Zürcher Jugendliche das einlegten, was heute Timeout heisst, hat Kachelmanns Meteomedia AG ihren Hauptsitz. Während des unfreiwilligen Timeouts des Firmengründers in der Justizvollzugsanstalt Mannheim kam es im ehemaligen Heim zu Meinungsverschiedenheiten, die Aussenstehende als Machtkampf um den führenden privaten Wetterdienst im deutschen Sprachraum interpretieren.
Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen drei Männer, die bis vor kurzem den Verwaltungsrat der Meteomedia bildeten: der Münchner Medienunternehmer Frank B. Werner, Finanzchef Norbert Steffen und Kachelmann, der sich im September und Oktober wegen Verdachts auf Vergewaltigung vor Gericht verantworten muss. Der TV-Meteorologe bezeichnet die Vorwürfe einer Ex-Partnerin als erfunden.
Kachelmann hat das Sagen
Im Disput zwischen Kachelmann und Werner versuchte der Ostschweizer Steffen anfangs zu vermitteln. Doch inzwischen steht er eindeutiger denn je auf der Seite Kachelmanns. Die beiden sind inzwischen auch alleine im Verwaltungsrat: Werner hat sich aufgrund der Differenzen auf den 1. Juli hin aus dem Gremium verabschiedet. Im Ausserrhoder Handelsregister lässt er seinen Rücktritt in diesen Tagen eintragen. Seinen Anteil von 38 Prozent am Unternehmen will er aber behalten.
Kachelmann hat mit 49 Prozent der Aktien faktisch allein das Sagen. Gegen seine Absichten kommen Werner mit 38 Prozent der Anteilscheine und der ehemalige «SonntagsBlick»-Chefredaktor Peter Balsiger mit 9 Prozent nicht an. Dies, weil die restlichen Aktien Mitarbeiterpapiere ohne Stimmrecht sind.
Entfacht hat sich der Streit unter anderem an einem Zitat Werners gegenüber der «Bild»-Zeitung kurz nach der Verhaftung Kachelmanns im März. Dem bekanntesten Untersuchungshäftling Deutschlands passte es überhaupt nicht, was er über sich zu lesen bekam. «Die Überschätzung seiner Bedeutung», soll Werner über Kachelmann dem Boulevardblatt gesagt haben, «ist für die Firma problematisch. Wir müssen seine Rolle jetzt neu definieren.»
Werner wollte erreichen, dass Kachelmann seine Funktionen niederlegt, um dem Ruf des Unternehmens nicht zu schaden. Doch die Botschaft kam nicht an – auch aufgrund der erschwerten Kommunikation. Einmal konnte Werner Kachelmann im Gefängnis besuchen. Ansonsten verhandelten die beiden über Anwälte. Kachelmann witterte bei Werner Illoyalität. Ähnliches empfand er bei einer Kadermitarbeiterin, die öffentlich gesagt hatte, die Quoten seien ohne den Inhaftierten nicht schlechter als mit ihm. Die Frau wurde freigestellt, ist aber inzwischen wieder für Meteomedia tätig. Die Firmenleitung musste einsehen, dass sie nur das Beste für das Unternehmen gewollt hatte.
Putsch- oder Rettungsversuch?
Drei Wochen nach der Verhaftung erreichte Werner, dass Kachelmann die Zeichnungsberichtigung für seine Meteomedia gestrichen wurde. Nach zehn weiteren turbulenten Tagen hatte Kachelmann sich dieses Recht über Anwälte zurückerkämpft.
Werner beteuert, es sei ihm nicht um einen Putsch gegangen, sondern allein um das Wohl des Unternehmens. Er habe befürchtet, dass Kunden abspringen, weil die Boulevardpresse intime Details aus Kachelsmanns Privat- und Sexualleben breitschlug. «Ich wollte, dass eine Art Brandschutzmauer zwischen Meteomedia und Jörg Kachelmann errichtet wird», sagt Werner. «Und ich will das immer noch.» Bis sich die Wogen legen. Kachelmanns Getreue trauen Werner nicht.
Verkomplizierend kommt dazu, was bislang nach Angaben verschiedener Beteiligter nie ein Problem war: dass Werner mit Kachelmanns Ex-Frau liiert ist, die wiederum mit Meteomedia zusammenarbeitet. Eine weitere Ex-Partnerin Kachelmanns nimmt für das Firmengeflecht andere wichtige Aufgaben wahr.
Einig sind sich Geschäftsfreunde und -feinde in der Charakterisierung des Berufsmanns Kachelmann: Alle Befragten sehen den 52-jährigen Schaffhauser als herausragenden Meteorologen, Motivator und Moderator, aber weniger als Manager. Zahlen interessieren Kachelmann nur, wenn es Wetterzahlen sind. In Interviews liess der stolze Chaot verlauten, das Finanzwesen sei etwas für «Erbsenzähler». Kachelmann beschäftigte nicht immer die besten Erbsenzähler. Sonst wäre er vor Jahren nicht an einem Konkurs vorbeigeschrammt. Aus früheren Zeiten soll seine Firma noch Schulden haben. 2009 verbuchte sie aber rund 5 Millionen Franken Gewinn.
In einem Interview nach seiner Freilassung hat Kachelmann erklärt, dass er nur weitermachen werde, wenn die Auftraggeber das so wollten. Bislang hält die Kundschaft, durch Verträge mit langen Laufzeiten gebunden, ihm die Stange. Ob Kachelmann das 20-Jahr-Jubiläum Ende Jahr an der Spitze seines kleinen Wetterimperiums erleben wird, entscheiden die nächsten Monate, die Kunden und vor allem die Richter. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.08.2010, 09:48 Uhr
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