Uralt-Technik ermöglicht Geldkarten-Skimming

Maestro- und Kreditkarten verfügen über einen relativ fälschungssicheren Chip. Doch aus Akzeptanz- und Kostengründen liefern die meisten Herausgeber den leicht zu kopierenden Magnetstreifen gleich mit.

Höhere Sicherheit: Gut, wenn man eine Bankkarte mit Chip am Bancomaten einsetzen kann.

Höhere Sicherheit: Gut, wenn man eine Bankkarte mit Chip am Bancomaten einsetzen kann. Bild: Keystone

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Skimming, das Kopieren von Kundendaten an Bancomaten, Billettautomaten der SBB und Zahlterminals von Supermärkten (siehe Box), nimmt massiv zu. Zählte die Six Group 2009 in der Schweiz erst 32 kriminell aufgerüstete Apparate, sind es dieses Jahr allein bis Mitte April schon 224 (TA vom 10. Juni).

Beim Datenklau präparieren die zumeist osteuropäischen Betrüger Geldautomaten so, dass der Magnetstreifen von Zahlkarten kopiert wird. Da die darauf befindlichen Daten nur in Kombination mit dem geheimen PIN-Code des Kartenbesitzers nutzbar sind, montieren die Täter zudem eine Minikamera oder legen eine nachgebaute Tastatur über das Tastfeld, die den Code abspeichert. Geplündert wird das Konto später mit einem mit Daten bespielten Rohling in Ländern wie den USA oder der Dominikanischen Republik, wo die Bancomaten mit Magnetstreifen funktionieren.

Das Problem im Ausland

In der Schweiz sind Bezüge am Bancomaten nur via Chip möglich. Wieso bringen Banken und Kartenherausgeber dann noch den Magnetstreifen an? «Eine Geldkarte muss auch im Ausland eingesetzt werden können, da geht es oft nur mit Magnetstreifen», sagt Thomas Sutter von der Bankiervereinigung. Es sei ein Balanceakt zwischen Sicherheit einerseits sowie Akzeptanz und Bequemlichkeit andererseits, sagt Thorsten Klein von der Kartenanbieterin Mastercard. «Tagtäglich nutzen über 10 000 Schweizer ihre Zahlkarte in Ländern, wo Transaktionen ohne Magnetstreifen noch nicht möglich sind.» Dazu gehören ganz Nord-, Mittel- und Südamerika.

Andreas Grawehr ist Geschäftsführer der Luzerner Firma Quix und setzt die Chipkartentechnologie im Umfeld von Datenspeichersystemen ein. Er wirft der Finanzbranche Grobfahrlässigkeit vor. «Die Magnetkartentechnologie stammt aus den Siebzigern des letzten Jahrhunderts», so Grawehr. «Da muss man sich nicht wundern, dass Betrüger jetzt mit relativ einfachen Mitteln zu grossen Geldsummen kommen können.» Der Chip sei auch nicht völlig fälschungssicher, aber deutlich schwieriger zu knacken als der Magnetstreifen. Grawehr plädiert jedoch für eine vollständige Überarbeitung des Systems. «Auch der Maestro-Chip ist eine lückenhafte Umsetzung einer Chipkarte. Sicher wird es erst, wenn die bekannten Fehler korrigiert werden.»Visa bietet mit der Debitkarte V-Pay eine Karte an, die nur mit Chip und PIN-Code funktioniert. Seit der Einführung 2007 habe man keinen einzigen Skimming-Betrugsfall gehabt, heisst es. Wer V-Pay benutzt, muss aber wissen: Ausserhalb Europas funktioniert die Karte fast nirgends, und selbst in Europa sind laut der deutschen Stiftung Warentest nicht alle Kassen umgerüstet.

Um Betrügern, die eine Karte geskimmt haben, das Handwerk zu legen, überlegt man sich bei der ZKB nun, die Maestro-Karte für Magnetstreifentransaktionen aus dem nicht europäischen Ausland zu sperren. «Ein interner Entscheidungsprozess wird in den nächsten Wochen angestossen, eine allfällige Implementierung wäre frühestens per Spätherbst 2011 möglich.»Mastercard-Sprecher Klein bestätigt, dass Banken für ihre Karten Sicherheitslösungen wie etwa ein vorübergehendes Geo-Blocking anwenden können; damit lässt sich sogar Land für Land bestimmen, ob Transaktionen via Magnetstreifen möglich sind oder nicht. Doch solche und andere Massnahmen seien nicht gratis zu haben. «Alle Beteiligten müssen sich laufend für noch mehr Sicherheit einsetzen», sagt Klein. «Es ist auch im Interesse der Banken, entsprechende Investitionen zu tätigen.»

Deutsche sperren Streifen

Bei der Bankiervereinigung erörtert eine Arbeitsgruppe die Massnahmen, mit denen dem Skimming Einhalt geboten werden kann. «Das Ziel muss sein, dass die Geldkarten sicher bleiben und weiterhin das Vertrauen der Kundschaft geniessen», heisst es. Konkreter will Sprecher Thomas Sutter nicht werden.

In Deutschland hat Jörg Ziercke, Chef des Bundeskriminalamts, unlängst vorgeschlagen, Magnetstreifen grundsätzlich zu sperren. «Wer dann in die USA oder nach Kenia reisen möchte, muss vorher bei der Bank den Magnetstreifen aktivieren lassen», zitierte die «Süddeutsche Zeitung» den Kriminalexperten. Einige deutsche Banken hätten diese Regelung bereits eingeführt.Für die Finanzindustrie steht viel auf dem Spiel: Bekommt sie das Skimming nicht in den Griff, könnten die Konsumenten durchaus wieder mehr Gefallen am Bargeld finden. «Obschon die Kartenherausgeber den finanziellen Schaden tragen, hängt das Szenario wie ein Damoklesschwert über dem Thema», bestätigt ein Branchenkenner. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 18.06.2011, 14:11 Uhr)

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