Wirtschaft

«Urbane Eliten» verzichten freiwillig aufs Auto

Aktualisiert am 06.01.2009

Jeder fünfte Haushalt in der Schweiz ist «autofrei». Rund eine Million Menschen haben kein eigenes Auto.

In Innenstädten lebt sogar oft mehr als die Hälfte der Bevölkerung ohne eigenen PKW.

Dies geht aus einer Studie des Instituts für Politikstudien Interface in Luzern hervor, die im Auftrag des Clubs der Autofreien der Schweiz erarbeitet wurde. Die von der «Neuen Zürcher Zeitung» besprochene Arbeit «Der autofreie Lebensstil» liegt auch der Schweizerischen Depeschenagentur vor.

«Autofrei» sind meist Städter

Danach nimmt die Motorisierung zwar zu, aber autolose Haushalte bleiben eine bedeutende Gruppe. Der Anteil der Haushalte in der Schweiz ohne eigenes Auto ging zwischen 1994 und 2000 von 25 auf 20 Prozent zurück. 2000 bis 2005 sank er aber nur noch leicht auf 19 Prozent.

In der Deutschschweiz hatten 2005 fast 20 Prozent der Haushalte kein eigenes Auto, in der Romandie waren es 17 und im Tessin nur 14 Prozent.

In der Stadt waren 21,4 Prozent der Haushalte autofrei, auf dem Land knapp 11 Prozent. In den fünf grössten Städten der Schweiz (Zürich, Basel, Bern, Genf und Lausanne) besassen 43 Prozent der Haushalte keinen PKW.

Frauen verzichten eher als Männer

Am häufigsten sind Leute mit dünnem Portemonnaie und Rentner ohne Auto. Autolose Haushalte sind häufig Ein-Personen-Haushalte. Frauen verzichten eher auf ein Auto als Männer.

Wohl steigt mit zunehmender Bildung auch die Motorisierung. Aber gerade Personen mit Universitäts-, Lehrer- oder Maturitäts-Ausbildung haben überdurchschnittlich oft kein Auto.

Vier Gruppen

Die unter der Leitung von Ueli Haefeli erarbeitete Studie teilt die «Autolosen» in vier Gruppen ein: Die gut verdienenden urbanen Eliten sind meist freiwillig, aus weltanschaulichen Gründen, autolos. Sie machen rund 30 Prozent der autolosen Haushalte aus.

Diese Gruppe legt auch ohne eigenes Auto grosse Tagesdistanzen zurück - zu Fuss, per Velo, mit öffentlichem Verkehr oder Car- Sharing Leihwagen. Als einzige Gruppe heissen sie verkehrspolitische Massnahmen wie Tunnelgebühren oder Benzinpreiserhöhungen gut.

Bei den anderen drei Gruppen - «Unterprivilegierte Urbane», «Einkommensschwache Renterinnen» und «Mittelständische Alte» -sind eher gesundheitliche oder finanzielle Gründe ausschlaggebend für den Auto-Verzicht.

Auch Gutverdienende verzichten

Autolosigkeit ist also nicht nur eine Frage des Einkommens. Vermutlich verzichten in der Schweiz mehr Gutverdienende freiwillig auf ein Auto als in anderen Ländern.

Während in Deutschland 2002 nur etwa 2 Prozent der Haushalte mit einem Einkommen über 3600 Euro auf ein eigenes Auto verzichteten, waren es in der Schweiz in der vergleichbaren Einkommenskategorie (6000 bis 8000 Franken) über 7 Prozent.

Besser wohnen, mehr Gesundheitspflege

Während Schweizer Haushalte insgesamt im Schnitt pro Kopf monatlich 265 Franken für den Verkehr ausgeben, liegen diese Verkehrsausgaben bei autolosen Haushalten nur bei 128 Franken. Die «Autolosen» nutzen diese Einsparungen vor allem für Mehrausgaben bei «Wohnen und Energie» sowie «Gesundheitspflege».

Die Studie stützt sich auf den Mikrozensus Verkehr der Jahre 1994, 2000 und 2005 und die jährlichen Einkommens- und Verbrauchserhebungen des Bundesamtes für Statistik. (sam/sda)

Erstellt: 06.01.2009, 12:45 Uhr

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