Wirtschaft
Vertauschte Rollen
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 25.08.2011 73 Kommentare
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Ein Rollentausch zwischen Reich und Arm ist ein beliebter Stoff für Hollywood-Komödien. Derzeit findet ein solcher Rollentausch auch in der internationalen Politik statt. Afrika war lange Opfer des westlichen Kolonialismus und musste sich noch länger von oben herab behandeln lassen. Legendär ist heute noch das Zitat des ehemaligen deutschen Staatspräsidenten Heinrich Lübke, der 1962 bei einem Besuch in Liberia seine Rede mit den Worten eröffnet haben soll: «Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger.»
Das alles hat Spuren hinterlassen. Wenn sich die Gelegenheit bietet, erfolgen Retourkutschen. Eine solche Gelegenheit waren die Unruhen von London, und die südafrikanische Regierung packte sie beim Schopf. Sie warnte ihre Bürgerinnen und Bürger vor Reisen nach Grossbritannien, weil es viel zu gefährlich sei. Man sieht geradezu, wie sich die Südafrikaner beim Verfassen dieses Communiqués gegenseitig abklatschten und über das ganze Gesicht lachten. Wow, tat das gut! Wie war das doch noch in den letzten Jahren, als aus dem Westen immer wieder skeptische Fragen laut wurden, ob Südafrika wohl in der Lage sei, die Fussball-WM sicher über die Bühne zu bringen?
USA sollen ihre Schuldenprobleme lösen
Die Asiaten mussten sich während der Finanzkrise 1997/98 permanent beschimpfen und belehren lassen. Ihr «crony capitalism» (Vetternwirtschaft) hätte die Weltwirtschaft in grösste Nöte gebracht, wurde ihnen vorgehalten. Gleichzeitig herrschte beim Internationalen Währungsfonds (IWF) noch der Geist des «Washingtoner Konsensus», und den in Not geratenen Ländern wurden drakonische Sparmassnahmen verschrieben. Heute sind die Verhältnisse auf den Kopf gestellt.
Auch die Chinesen lassen sich die Gelegenheit nicht entgehen. Die massive Finanzhilfe an die Banken bezeichnete der chinesische Premierminister als «Sozialismus mit amerikanischen Charakteristiken» und verlangt von den USA in regelmässigen Abständen, dass sie endlich ihre überbordenden Schulden in den Griff bekommen.
Finanzielle und kulturelle Nöte
Wer pleite ist, der ist keine Supermacht mehr. Diese Lektion bekommen die westlichen Industriestaaten derzeit schmerzlich zu spüren. Mit dem Verlust der Wirtschaftsmacht, geht auch der kulturelle Einfluss, die «Soft Power», flöten. Die westliche Lebensweise verliert an Vorbildcharakter. In den aufstrebenden Schwellenländern erkennen die Menschen, dass der Westen nicht nur wirtschaftlich stagniert, sondern auch kulturell in Nöten steckt.
Umgekehrt wächst das Selbstverständnis der Schwellenländer. Der ehemalige Staatspräsident Lula ist besonders stolz darauf, dass Brasilien in seiner Amtszeit vom IWF keinen Kredit beziehen musste, sondern dem Fonds Geld leihen konnte.
Chinesische Banker sind in Europa unterwegs, um abzuklären, wie sie notleidenden Ländern wie Griechenland helfen können. Wer weiss, vielleicht eröffnet dereinst ein Staatspräsident aus einem ehemaligen Schwellenland im Westen eine Rede mit den Worten: «Meine Damen und Herren, liebe Weisse.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.08.2011, 06:35 Uhr
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73 Kommentare
Die Chinesen und alle andern 3. Welt Staaten sind zu 100% darauf angewiesen und beten insgeheim dass der Westen nicht Pleite geht, denn das wird auch ihr ruin. Die 3. Welt mit Ihren 6 Mia Leuten ist darauf angewiesen, dass der Konsum in Europa und den USA brummt, denn in Ihren eigegen Reihen hat es viel zu wenig Leute die genugKkaufkraft haben um Ihre Wirtschaft nachhaltig zu beleben. Antworten
DA SIND einige Kommentarschreiber definitiv auf dem Holzweg. Fakt ist, früher scherten sich die USA und Europa einen Dreck um 3. WELT und Schwellenländer. Ihre Macht und Ihr Reichtum beruhte ausschließlich auf der Ausbeutung dieser Länder: Der Wind hat sich gedreht und wie, denn ohne diese Länder = Nullwachstum um man muss die erst noch um Erlaubnis Frage und kann sich nicht mehr einfach bedienen! Antworten
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