Wahlchaos lässt Europas Börsen einknicken

Bei der Wahl in Italien erzielte kein Lager eine regierungsfähige Mehrheit. Die Pattsituation belastet jedoch die Märkte. Auf die Bonität des Landes habe die unsichere Lage laut S&P aber keinen unmittelbaren Effekt.

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Trotz der unsicheren politischen Lage in Italien nach den Parlamentswahlen sieht die US-Ratingagentur Standard & Poor's derzeit keinen Anlass zur Änderung der Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes. Die Ergebnisse der Wahl hätten «keinen unmittelbaren Effekt» auf die Bonität des Landes, erklärte S&P am Dienstag.

Die Ratingagentur bewertet Italiens Kreditwürdigkeit derzeit mit BBB+ mit einem langfristig negativen Ausblick. Gleichwohl seien die politischen Entscheidungen, die von der künftigen Regierung getroffen würden, «entscheidend» für die Entwicklung der Bonitätsnote Italiens, fügte S&P in der Erklärung hinzu. Es bestehe das «Risiko», dass die Regierung fortan keine ausreichende Mehrheit habe, um die nötigen Reformen für ein Wirtschaftswachstum durchzusetzen.

Unruhige Börsen

Das Schreckgespenst einer wieder aufflammenden Schuldenkrise sorgt nach dem unsicheren Ausgang der Wahl in Italien jedoch weltweit für Unruhe an den Börsen. Anleger warfen vor allem italienische Aktien und Anleihen aus ihren Depots.

In deren Sog rauschten auch spanische Wertpapiere in die Tiefe. Europaweit sackten die Börsen massiv ab, in Mailand um fast fünf Prozent.

Die Schweizer Börse hat gestern deutlich im Minus geschlossen. Der unklare Wahlausgang in Italien hätte eines der ungünstigsten möglichen Ergebnisse hervorgebracht, meinten Beobachter, die drittgrösste europäische Volkswirtschaft steuere so auf den politischen Stillstand zu. Dies könnte mittelfristig dazu führen, dass die Euro-Krise mit all ihren unschönen und belastenden Faktoren wieder stärker in den Vordergrund rücke, was die Stimmung am Berichtstag massiv getrübt habe.

In der zweiten Nachmittagshälfte erholten sich die Märkte phasenweise zwar, fielen dann aber wieder zurück und schlossen nicht weit über dem Tagestief.

Positive Nachrichten aus den USA

Grund für die vorübergehende Stimmungsverbesserung waren laut Händlern positive US-Konjunkturdaten und eine Verteidigung der Politik des lockeren Geldes seitens der US-Notenbank Fed. Die Wirrungen rund um den Wahlausgang in Italien hätten dann aber doch zu schwer gewogen, meinte ein Händler.

Der Swiss Market Index (SMI) verlor zum Schluss 1,90 Prozent auf 7449,98 Punkte. Der breite Swiss Performance Index (SPI) büsste 1,20 Prozent ein auf 6895,03 Stellen. Bis auf die Aktien des Aroma- und Duftstoffherstellers Givaudan ( 1,1 Prozent), des Lift- und Rolltreppen-Herstellers Schindler ( 0,4 Prozent) und des Bauchemie- und Klebstoffherstellers Sika ( 0,1 Prozent) schlossen alle SLI-Titel im Minus.

Dass der SPI so viel weniger verlor als der SMI, hat mit dem Dividendenabgang bei Novartis zu tun. Während die Dividende bei der Berechnung des SMI abgezogen wird, bleibt sie beim SPI, der ein Performance-Index ist, miteinberechnet. Novartis war denn auch - bei einer Dividende von 2,30 Franken - mit einem Minus von 2,70 Franken bzw. 4,2 Prozent einer der grössten Verlierer im SMI und war für einen guten Teil des SMI-Rückgangs verantwortlich.

Zu den grössten Verlierern zählten im wieder etwas verunsicherten Umfeld vor allem Finanzwerte und zyklische Titel. Klar die höchsten Abgaben bei den 30 wichtigsten Titeln erlitten die Aktien der Credit Suisse (-5,0 Prozent), andere Finanztitel mit starken Einbussen waren Julius Bär und Swiss Life (je -2,9 Prozent).

Steigende Zinsen

Für Italien wurde es zudem wieder teurer, frisches Geld aufzunehmen. Die Zinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen sprangen auf den höchsten Wert seit November.

Bei einer Versteigerung staatlicher Schuldtitel mit einer Laufzeit von einem halben Jahr stieg die zu zahlende Rendite auf 1,24 Prozent, wie die italienische Notenbank in Rom mitteilte. Das ist rund ein halber Prozentpunkt mehr als bei einer vergleichbaren Auktion Ende Januar und der höchste Wert seit Oktober 2012.

Dennoch sei das absolute Niveau weiter sehr niedrig, sagte Luca Cazzulani von der italienischen Grossbank Unicredit am Dienstag. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Zinskrise hatte Italien den Investoren Ende 2011 deutlich mehr als sechs Prozent bieten müssen, um sich für sechs Monate Geld zu leihen.

Trotz der politischen Pattsituation in Italien gelang es dem Land zudem, mit 8,75 Milliarden Euro so viel Geld wie geplant einzusammeln. Die Nachfrage war jedoch leicht rückläufig.

Italien versucht ausgerechnet in der turbulenten Wahlwoche, Staatspapiere im Gesamtvolumen von fast 20 Milliarden Euro zu platzieren. Bereits am Montag hatte das Land den Investoren höhere Zinsen für Staatsanleihen zahlen müssen.

Euro erholt sich nicht

Der Euro geriet nach den Parlamentswahlen ebenfalls unter Druck. Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung kaum erholt von ihren heftigen Vortagesverlusten bei 1.3063 US-Dollar.

Gegenüber dem Franken schwächte sich der Euro erneut leicht ab. Um 14.30 Uhr notierte die Gemeinschaftswährung bei 1.2169 Franken. (kpn/bru/chk/sda/AFP)

(Erstellt: 26.02.2013, 19:46 Uhr)

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