Wirtschaft
Warren Buffett: «2009 liegt in Scherben»
Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 01.03.2009
Dass sich sein Unternehmen Berkshire Hathaway rasch vom Rückschlag erholen wird, ist aus Sicht des 78-jährigen Investors wenig wahrscheinlich. Das laufende Jahr «liegt in Scherben», hält Buffett im Jahresbrief an die Aktionäre fest. Auch die massiven Interventionen der US-Regierung in die Finanzmärkte dürften «wahrscheinlich in einer Inflationswelle» enden, angeheizt noch von den Bundesstaaten und Städten, die nun ebenfalls um Hilfe «in einem irren Ausmass» ersuchen.
Nicht nur die Chefs der Finanzfirmen, auch die staatlichen Aufsichtsinstanzen und Ratingagenturen hätten «absolut nichts» aus der letzten Immobilienkrise von 1997 gelernt. Alle hätten die gleichen «dummen Fehler» wiederholt, Buffett ist sich nicht sicher, ob die Reformen an der Wurzel ansetzen. Das Modewort sei «Transparenz», aber damit lasse sich der Derivatschwindel nicht lösen. «Buchprüfer können diese Verträge gar nicht begreifen, und die Aufsichtsorgane können sie nicht unter Kontrolle bekommen.» Selbst ihm sei es völlig unmöglich, einen Durchblick zu erlangen.
In einer seiner üblich bodenständigen Anmerkungen vergleicht Buffett den gefährlichen Umgang mit Derivaten mit dem Seitensprung: «Es kommt nicht nur darauf an, mit wem du ins Bett steigst, ebenso wichtig ist, mit wem die andere Seite schläft.» Eine Warnung an die Anleger: Buffett glaubt, dass sich nach der Internet- und der Immobilienblase die nächste spekulative Übertreibung aufbaut. Diesmal sind es die langfristigen US-Staatsanleihen, auf die sich Anleger panikartig gestürzt haben, um ihre Mittel zu parkieren. Der Preis dafür ist gemäss Buffett viel zu hoch; wer diese Papiere behalte, werde absehbar viel verlieren.
Was die eigenen Investitionen betrifft, so räumt Buffett einige «Dummheiten» ein, so der Kauf von Aktien des Ölkonzerns Conoco Phillips auf dem Höhepunkt des Ölpreises. Dies bescherte Berkshire Hathaway mehrere Milliarden Dollar Verlust. Allerdings meint Buffett, dass der Ölpreis wieder deutlich über 50 Dollar steigen wird.
Gemischte Bilanz mit der Swiss Re
Auch die Beteiligung an der Swiss Re ist bisher kein durchschlagender Erfolg: Das Aktienpaket sank bis Ende 2008 von 773 auf 530 Millionen Dollar und seither noch weiter ab. Anderseits erhält Buffett aus der Absicherung von Versicherungsrisiken von total 7 Milliarden Dollar von der Swiss Re eine Prämie von 2 Milliarden Dollar.
Alles in allem verlor seine Holding, die aus über 150 Firmen besteht, letztes Jahr 11,5 Milliarden Dollar; erst zum zweiten Mal in der 44jährigen Geschichte sank der Buchwert ab, und zwar um 9,6 Prozent.
Das Versicherungsgeschäft bildet den Kern der Holding, die von einem Stab von nur rund 30 Managern geleitet und kontrolliert wird. Über alle Jahre hinweg sei für alle Sparten eine eiserne Regel angewandt worden, so Buffett, nämlich das Wachstum nur aus laufenden Einnahmen zu finanzieren. Trotz des schlechten Jahres hielt er Ende 2008 noch immer 24,3 Milliarden in Cash in den Händen; Mittel, die er zu den nun stark gesunkenen Preisen so rasch als möglich investieren will.
Eine der Nebenerscheinungen dieser Expansion ist, dass Buffett inzwischen den landesweit grössten Produzenten von Strom aus Windkraft besitzt und noch stärker in Versorgungsunternehmen investieren will. Die Aktionäre allerdings wurden von heftigen Turbulenzen nicht verschont. Die Berkshire-Papiere haben seit Ausbruch der Krise 45 Prozent eingebüsst; ein Rückschlag, der an der Generalversammlung Anfang Mai für kritische Fragen sorgen dürfte. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.03.2009, 20:50 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.



