Wirtschaft

Warum der Dollar absackt, wenn die Panik weicht

Die US-Währung hat derzeit einen schweren Stand bei den Anlegern. Massive Wertpapierkäufe setzen ihr besonders zu. Beängstigend ist aber noch etwas anderes.

Aus dem neuen Vertrauen, das die Finanzmärkte seit Anfang März gefasst haben, erwachsen keinesfalls nur Gewinner. Es gibt auch einen klaren Verlierer – den Dollar. Seit dem am 9. März erreichten Jahreshöchst hat die US-Währung auf handelsgewichteter Basis rund 6 Prozent an Wert verloren, und das Marktumfeld bietet derzeit wenig Anlass, auf eine baldige Trendumkehr zu setzen.

Auslöser für den Sinkflug des Dollar im Frühjahr war primär die Erleichterung der Investoren darüber, dass das weltweite Finanzsystem vor dem Zusammenbruch bewahrt werden konnte. In der Folge waren die Fondsmanager wieder bereit, ihre Gelder in risikoreichere Anlagen umzuschichten, sprich: US-Staatsanleihen zu veräussern und dafür Aktien, Unternehmensanleihen, Rohwaren und Emerging-Markets-Papiere zu erwerben. Somit sind nun jene Vermögenswerte wieder «in», aus denen die Anleger nach dem Kollaps von Lehman Brothers im vergangenen Herbst panikartig geflüchtet waren.

Fragen zum Top-Rating der USA

Dass das anlagesuchende Geld gegenwärtig keine sicheren Häfen ansteuert, ist aber nicht der einzige Grund für die Dollar-Schwäche. Aus Sicht eines Investors, der bereits den (für 2010 erwarteten) Konjunkturaufschwung in den Blick nimmt, ist die US-Währung gegenwärtig wenig attraktiv. Nicht nur dürfte die amerikanische Wirtschaft mit einem relativ bescheidenen Wachstum aus der Rezession herauskommen. Die extrem expansiv ausgerichtete Fiskal- und Geldpolitik der USA stellt darüber hinaus ein erhebliches Stabilitätsrisiko dar. Dieses widerspiegelt sich in höheren Inflationserwartungen und grösseren Finanzierungsproblemen der öffentlichen Hand im Vergleich zu anderen Industriestaaten.

Wie verbreitet die Skepsis gegenüber dem Dollar ist, offenbarte sich am vergangenen Donnerstag besonders anschaulich: Nach dem Entscheid der Ratingagentur Standard & Poor's, die Bonität von Grossbritannien als bislang erstklassiger (AAA-) Schuldner möglicherweise zurückzustufen, tauchten nicht nur die US-Währung, sondern auch amerikanische Aktien und Staatsanleihen massiv. Wenngleich kaum davon auszugehen ist, dass die weltgrösste Wirtschaft schon bald ebenfalls ihr Triple-A-Rating verlieren wird – die Märkte mögen eine Herabstufung der USA nicht mehr völlig ausschliessen.

Die Schieflage im US-Staatshaushalt ist in der Tat beängstigend. Experten veranschlagen das Defizit auf Bundesebene im laufenden Haushaltsjahr (per Ende September) auf 1700 Milliarden Dollar, was 11,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts entspricht. Die Gesamtschuldenlast der USA summiert sich auf knapp 11'300 Milliarden und damit auf etwa 80 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nach Meinung des Internationalen Währungsfonds werden die USA die 100-Prozent-Marke noch vor Grossbritannien überschreiten.

Gefährliche Lockerungspolitik

Gleichwohl hat die Geldpolitik – über die damit gesteuerten Inflationserwartungen – einen weit stärkeren Einfluss auf den Wechselkurs einer Währung. Da allerdings sieht sich die US-Notenbank in einem Dilemma gefangen: Besondere Priorität hat für sie, die langfristigen Zinssätze zu senken, um den Immobiliensektor, die Banken und die übrigen Unternehmen zu stützen. Zu diesem Zweck will sie Staatsanleihen und mit Hypotheken unterlegte Wertpapiere im Volumen von weit über 1000 Milliarden Dollar am Markt kaufen.

Mit dieser Politik der quantitativen Lockerung untergraben die Währungshüter aber den Dollar-Kurs. Je mehr sie damit die Geldmenge aufblähen, desto stärker steigen die Inflationserwartungen. Und desto grösser wird die Gefahr, dass die Halter von US-Wertpapieren – allen voran China – sich davon trennen wollen. Für den Dollar wäre dies der GAU. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.05.2009, 23:56 Uhr

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10 Kommentare

Thomi Horath

27.05.2009, 15:15 Uhr
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@ Leslie Müller: Globale Einheitswährung? Vielleicht ist sie schon da? Was genau sind Sonderziehungsrechte? Antworten


Joseph Boschung

27.05.2009, 14:36 Uhr
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Autsch, die Aussichten dass China, insbesondere jetzt im Zusammenhang mit den Drohungen Nordkoreas mit solchen Gedanken spielt, sind wohl gar nicht so abwegig. Die Ablösung des Dollars als Welthandelswährung ist wohl nicht für Morgen, wird aber zusehens wahrscheinlicher. Antworten


Nadine Binsberger

27.05.2009, 11:47 Uhr
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Geld ist Mittel zur a) Vereinfachung von Warenhandel und b) Wertaufbewahrung. Dadurch dass es aber selber (absurderweise) gehandelt wird, werden die eigentlichen Zwecke des Geldes untergraben (Zinsen, Währungen, Inflation, etc.). Das wiederum gefährdet den eigentlichen Zweck der Wirtschaft: Gütermanagement für die Bedürfnisse der Menschen. Es ist Zeit, Wirtschaft grundlegend neu zu gestalten. Antworten


leslie müller

27.05.2009, 11:00 Uhr
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zudem darf man nicht vergessen, dass die 'bilderberger, etc.' einen dollar zerfall unterstützen. denn so kommt man - so ihre hoffnung - ihrem langgehegten traum von einer globalen einheitswährung einen riesenschritt näher... Antworten


leslie müller

27.05.2009, 10:49 Uhr
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der us-dollar ist nach wie vor brutal überbewertet. selbst wenn er auf 20, 30 Rappen absacken würde, man könnte bloss sagen: ja, so geht's... Antworten


Werner Schnabl

27.05.2009, 10:33 Uhr
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US-Verbrauchervertrauen: Dass die US-Verbraucher gerne konsumieren möchten, was andere Länder produzieren ist sonnenklar. Natürlich auf Basis von Dollarkrediten, die dann duch Dollarinflation "rückgezahlt" werden. Die Chinesen machen es richtig - still und leise raus aus dem Dollar und rein in die guten, billigen Unternehmen (Europa, Asien, Südamerika), in Rohstoffe und Ländereien (Russld, Afrika) Antworten


Mike Keller

27.05.2009, 08:45 Uhr
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China ist zu stark im Dollar involviert, dass diesem Lande und allen anderen gar nichts anderes übrig bleibt, als den Dollar zu stützen - oder glaubt jemand ernsthaft daran, dass China seine $-Billionen einfach so abschreibt? Was die USA hinter sich hat, steht uns noch bevor. Mal schaun wie die Immo-Blase Schweiz crasht, wenn Inflation und Hypozinsen bei uns ins andere extrem bewegen! Antworten


Fredy Speed

27.05.2009, 07:51 Uhr
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Beim heutigen Stand der Verschuldung der USA ist der Dollar immer noch viel zu hoch bewertet. Da täglich neue riesige Unmengen an Dollars gedruckt werden (ohne irgendwelche Deckung) und niemand weiss, wieviele Miliarden an gefälschten Dollars zirkulieren, dürfte der Wert bald einmal auf den reinen Papierwert ! absacken, was einen totalen Kollaps des Dollars zur Folge haben wird. Antworten


Theodor Hilgers

27.05.2009, 00:45 Uhr
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Vielleicht wird bei der FED in Baelde das Spezialpapier knapp. Dann koennte sich bewahrheiten, was am Anfang der Notenpressung schlaue Hedgfondmanager von sich gaben. Alles umsonst, weil der USD am Schluss auch noch unter die Raeder kommt. Es gibt nur eine Institution, die es vielleicht aufhalten koennte; Die chinesische Staatsbank, weil sie die meisten besitzt Warten wir ab !! Antworten


Andre Grueter

27.05.2009, 00:25 Uhr
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Verständlich gut geschrieben für jedermann/frau. Nun, die einzige Konstante ist die Zeit ;-) Bemerkenswert wäre noch zu erwähnen, wie zuvorkommend China sich in den letzten Jahren gegenüber der USA verhalten hat und was passieren würde, wenn sich China, Japan, oder Südamerika vom Dollar abkoppeln würden... Antworten



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