Wirtschaft
Warum die Chinesen wie wild Kupfer hamstern
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 17.04.2009 28 Kommentare
Die Weltwirtschaft befindet sich in der schlimmsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg – und China kauft Rohstoffe ein, als ob es kein morgen gäbe. Vor allem Kupfer wird nach Asien verschifft, obwohl auch dort die Exportindustrie am Boden liegt. «Wir sind sehr überrascht von der chinesischen Nachfrage», sagt John Reade von der UBS in Peking in der britischen Zeitung «Telegraph». «Es wird viel mehr Kupfer gekauft, als dieses Jahr gebraucht wird.»
Eine Erklärung für dieses merkwürdige Verhalten lautet: Die Kupfer-Hamsterkäufe dienen gar nicht dem Werk-, sondern dem Finanzplatz. «China ist aufgewacht», sagt Nobu Su vom Logistikunternehmen TMT dem «Telegraph»: «Die Chinesen kaufen Rohstoffe ein, weil dies eine sehr vernünftige Anlage für ihre Devisenreserven von 1'900 Milliarden Dollar ist.» Mit anderen Worten: China setzt auf eine Art Kupferstandard, um massive Verluste auf seinen Dollarreserven zu vermeiden.
«Super-Sonderziehungsrechte»
Die riesigen Dollarberge, die sich in der chinesischen Zentralbank türmen, machen dem Regime in Peking zu schaffen. Notenbankchef Zhou Xiaochuan hat im Vorfeld des G20-Gipfels überraschend erklärt, der Dollar habe als globale Leitwährung ausgedient und müsse ersetzt werden. Er erwähnte dabei «Super-Sonderziehungsrechte», eine Art Kunstgeld, das vom Internationalen Währungsfonds herausgegeben wird. (Die technischen Details wollen Sie gar nicht wissen, ehrlich!)
Gleichzeitig versucht China auch, seine eigene Währung als internationale Abrechnungswährung zu etablieren. Es bezahlt nicht mehr mit Dollar, sondern mit Renminbi. Entsprechende Verträge sind bereits mit Südkorea, Malaysia, Indonesien, Weissrussland und neuerdings auch Argentinien abgeschlossen worden. Dank Währungsswapgeschäften (fragen sie nicht!) kann nun etwa die argentinische Zentralbank das heimische Bankensystem mit Renminbi zu versorgen.
Arbeitsteilung zerstört
Wie ist China überhaupt zu den gewaltigen Dollarreserven gekommen? Ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind. In den Boomjahren der Weltwirtschaft herrschte zwischen Chinesen und Amerikanern so etwas wie eine unausgesprochene Arbeitsteilung. Die Chinesen produzierten und exportierten, die Amerikaner konsumierten und importierten. Beide fühlten sich dabei pudelwohl. Doch damit das System funktionierte, musste China den Wechselkurs des Renmibi künstlich tief halten. Das geschah, indem die chinesische Notenbank amerikanische Schuldscheine im grossen Stil aufkaufte, und ehe man sich versah, sass man auf einem gigantischen Dollarberg.
Dass China jetzt diesen Berg abbauen will, ist mehr als verständlich. Ob Kupferstandard und Sonderziehungsrechte die richtigen Mittel dazu sind, ist zumindest fraglich. Das Grundübel besteht darin, dass die globalen Handelsbeziehungen aus dem Gleichgewicht geraten sind. Die Finanzkrise hat die Arbeitsteilung zwischen Exporteuren und Importeuren zerstört. Diese Balance wieder zu finden, ist die grosse Herausforderung. Dazu muss China seine Binnenwirtschaft ankurbeln, und die Amerikaner müssen den Gürtel enger schnallen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.04.2009, 15:01 Uhr
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28 Kommentare
Während wir in den letzten Jahren unsere Goldreserven verschleudert haben, erkennt China die Zeichen der Zeit und kehrt zum guten alten System der gedeckten Währung zurück. Früher oder später werden Dollar und Euro als Folge der momentanen Schuldenwirtschaft eh nur noch Ihr Papier wert sein. Für die Nationalbank wäre es noch nicht zu spät Ihre Strategie zu ändern und es den Chinesen gleich zu tun. Antworten
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