Wirtschaft

Was Staatsschulden und Religion verbindet

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 28.08.2009 18 Kommentare

Wenn es um die Verschuldung der USA geht, hat die Vernunft keine Chance mehr.

Adam Zyglis, The Buffalo News

Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Leser Peter Broger ist empört. «Da hat Herr Löpfe in die Tasten gehauen», schrieb er gestern in einem Kommentar zu meinem Artikel «Weshalb die USA niemals pleitegehen». «Sehen Sie sich mal die Zinsen an, wohin die tendieren und was passiert? Dollar runter und ein weiterer Ausstieg aus Bonds und Aktien.»

Schauen wir uns deshalb einmal die Zinsen an: Der Kollaps von Lehman Brothers im letzten September führte dazu, dass das globale Finanzsystem einen Herzinfarkt hatte. Panik brach aus an den Märkten, die Zinsen der dreijährigen Staatsanleihen sanken gegen Null. In unsicheren Zeiten wollen die Investoren vor allem eines: Sicherheit. Deshalb kaufen sie vor allem eines: Dollars und US-Staatsanleihen. Sie sind dafür bereit, auf eine anständige Rendite zu verzichten.

Historisch sehr tief

Dieses Verhalten der Investoren hat immer noch Gültigkeit: Als bekannt wurde, dass das Staatsdefizit der USA in den nächsten zehn Jahren um rund 2000 Milliarden Dollar stärker ansteigen würde als geplant, blieben die Märkte völlig ruhig. Nach wie vor weisen zehnjährige US-Staatsanleihen einen Zinssatz von unter 3,5 Prozent auf. Historisch gesehen ist das ein sehr tiefer Wert. Oder anders ausgedrückt: Die Geldprofis halten amerikanische Staatsschulden immer noch für eine sehr sichere Anlage.

Warum aber sinkt dann der Dollar? Der Greenback hat gegenüber dem Euro und dem Schweizer Franken tatsächlich etwas an Wert eingebüsst. Nur: Das ist ein gutes Zeichen. Die Investoren glauben offenbar an eine Erholung der Weltwirtschaft. Deshalb wollen sie wieder eine höhere Rendite und fliehen aus dem Dollar. Ein schwacher Dollar ist derzeit deshalb ein Zeichen für Optimismus, nicht für Pessimismus.

Nichts deutet auf ein Gewitter hin

Gerade wenn man auf Zinsen und Kursentwicklung schaut, dann deutet überhaupt nichts auf einen kommenden Weltuntergang, sprich eine Staatspleite der USA hin. Das hindert aber offenbar viele auch gescheite Menschen nicht daran, genau das Gegenteil zu behaupten. Selbst ein Mann wie Konrad Hummler, Bankier, NZZ-Verwaltungsrat und einer der führenden konservativen Intellektuellen in diesem Land, zieht in seinem jüngsten Anlagekommentar über die USA her. Und das in einem Ton wie einst verblendete, maoistische Agitatoren in den Siebzigerjahren. Er spricht von Verletzungen des Völkerrechts und davon, dass das Land nicht mehr attraktiv sei für Investoren. Tatsächlich? Die Daten zeigen anderes. Bei den Geldprofis sind die US-Staatsschulden nach wie vor sehr begehrt.

Die Geldprofis wissen nämlich auch, dass die USA gar keine andere Wahl hatten, als sich im grossen Stil zu verschulden. Sonst hätte das Finanzsystem den Herzinfarkt nicht überlebt und die Wirtschaft wäre in eine grosse Depression verfallen. Wollen wir das wirklich? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2009, 12:28 Uhr

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18 Kommentare

Thomi Horath

28.08.2009, 16:08 Uhr
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Ja, ich wundere mich auch, wie stark man noch an eine nicht vorhandene Sicherheit der US-Bonds glaubt. Dass das Dollar-System zusammenbrechen wird, ist voraussehbar, die Frage ist wann? Sehr wahrscheinlich wird der IWF dann für die USA (und den Rest der Welt) einspringen. Zu welchen Bedingungen werden wir dann sehen... Antworten


Sepp Bernegger

28.08.2009, 13:35 Uhr
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@ A. Meier: Ihre Ausführungen mögen richtig sein. Stellt sich die Frage, WO er in seinen Analysen falsch liegt ... Angriffe auf eine / Infragestellung einer Person beinhalten noch keine Aussage über die Richtigkeit der Ausführungen! Antworten



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